Detailhandel
Marcel Suter: «Aarau braucht keine neuen Ladengeschäfte»

Ein neues Einkaufszentrum und kaum einer geht hin: Die gähnende Leere im Einkaufszentrum Gais ist für Marcel Suter vom Verein Aarau Zentrum die Folge eines Überangebotes an Einkaufsmöglichkeiten in der Hauptstadt.

Christoph Zehnder
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Marcel Suter, Präsident der Zentrum-Vereinigung (Archiv)

Marcel Suter, Präsident der Zentrum-Vereinigung (Archiv)

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Dass die Kunden dem Gais-Center in Aarau fern bleiben, erstaunt Marcel Suter nicht. Für den Präsidenten von «Zentrum Aarau», der Vereinigung des Aarauer Detailhandels, ist die fehlende Kundschaft das Resultat eines Überangebotes an Einkaufsmöglichkeiten. «Es gibt ganz einfach zu viele und zu wenig besonders gute», so der Unternehmer. Das gelte aber nicht nur für Aarau, sondern für die ganze Schweiz.

Fehlende Identifikation

«Man kann nicht einfach ziellos Einkaufszentren aufstellen», kritisiert Suter. Das Problem sei, dass man sie auch nicht einfach ablehnen könne, solange alles rechtens sei. Doch am Ende fehle es den Investoren leider oft an der Identifikation mit dem Standort.

Verein Zentrum Aarau

Der Verein Zentrum Aarau vertritt die Interessen von rund 300 Geschäften mit 2000 Angestellten. Er setzt sich für die Anliegen seiner Mitglieder gegenüber der Stadt ein und gilt als Ansprechadresse seitens Stadt in Belangen des Detailhandel in Aarau.

Eigentümerin des Gais Centers ist eine Anlagestiftung der Credit Suisse. «Das finde ich schon speziell», sagt Suter. Verwaltet wird die Immobilie von Wincasa, einem der grössten Immobilien-Dienstleister der Schweiz. Wincasa wurde unlängst von Swiss Prime Site übernommen, zu deren Portfolio namhafte Einkaufszentren wie die Sihlcity und das Jelmoli in Zürich gehören. Marcel Suter zweifelt daran, dass sich in Zürich jemand interessiert, wie der Detailhandel grundsätzlich in Aarau laufe.

Zentren konkurrieren sich gegenseitig

Noch etwas zeigt die niedrige Kundenfrequenz im Gais Center deutlich: Das befürchtete Ladensterben im Zentrum von Aarau ist nicht eingetreten. Glücklich ist Suter mit der gegenwärtigen Entwicklung trotzdem nicht. Denn an Konkurrenz mangelt es im Aarauer Detailhandel wahrlich nicht. Gerade auch mit den neuen Geschäften rund um den Bahnhof hat sich die Situation zusätzlich verschärft.

Allerdings konkurrieren sich in Marcel Suters Augen Einkaufszentren wie das Gais in erster Linie gegenseitig. «Ich behaupte, das Gais schadet uns weniger, als anderen Einkaufszentren.»

Gemeinsame Vision nötig

Bedenkt man, dass die zweite Bauetappe am Bahnhof weitere Ladengeschäfte vorsieht und mit dem geplanten neuen Stadion im Torfeld Süd ein weiterer Einkaufstempel entstehen soll, bläst den etablierten Geschäften aber weiterhin ein kalter Wind entgegen.

«Es braucht in Aarau keine zusätzlichen Ladengeschäfte mehr von durchschnittlicher Qualität», findet Marcel Suter. Er sei durchaus für die freie Marktwirtschaft, so der Vereinspräsident, doch brauche es eine gemeinsame Vision. «Man kann nicht gleichzeitig die Altstadt und den Bahnhof bewerben. Dasselbe gilt für das Gais-Center.»

Eine Patentlösung kann auch Suter nicht bieten. Um die Kunden ins Gais zu bringen, müsste man «massive Werbemassnahmen» ergreifen. Wichtig sei ein gesunder Branchenmix. Zudem müsste man unkonventionelle Methoden ins Auge fassen. Kunden könnten etwa mit originellen Gastro- oder Unterhaltungsangeboten in die Geschäfte gelockt werden.

Ansonsten gelten für alle dieselben Regeln. Als Unternehmer müsse man jeden Tag aufstehen und versuchen, besser zu sein als die anderen, sagt Marcel Suter. «Der Durschnitt genügt heute nicht mehr».