Fussball-Stadion
Mantelnutzung des neuen Stadions: Was bewilligte das Volk wirklich?

Immer noch geht es um die Mantelnutzung – das Stadionprojekt krankt nur daran. Die Version des Projekts, die schlussendlich bewilligt wurde, ist nicht diejenige, die das Volk abgesegnet hat.

Sabine Kuster
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Mantelnutzung: Ein Multiplexkino würde die Kinos in der Innenstadt gefährden.

Mantelnutzung: Ein Multiplexkino würde die Kinos in der Innenstadt gefährden.

Visualisierung: Synaxis

Bezüglich des Beschwerdeführers sprach FCA-Präsident Alfred Schmid gestern an der Medienkonferenz deutliche Worte: «Die Person blockiert das Projekt und ist nicht bereit, Verhandlungen aufzunehmen. Wahrscheinlich geht es ihr nur darum, das Projekt auf die lange Bank zu schieben.» Vize-Präsident Roger Geissberger fügte an: «Es ist unverständlich, dass Beschwerde gemacht wird gegen etwas, was vom Volk in zwei Abstimmungen bewilligt worden ist.»

Verzögerungstaktik oder nicht? Offensichtlich krankt das Stadion an der Mantelnutzung bzw. der Finanzierung des Stadionunterhalts. Einwohnerrat Markus Hutmacher (Grüne) sagt, das Problem sei 2011 vorprogrammiert worden, als die polysportive Mantelnutzung aus dem Bauprogramm gekippt wurde, obwohl sie 2008 Teil der Abstimmungsvorlage war.

Danach plante die Bauherrin HRS Real Estate zusätzlich zu den 8000 Quadratmetern Fläche für Läden ein Multiplexkino ein, um das Stadion rentabel zu machen. Im Einwohnerrat hätten sich 2011 mehrere Fraktionen gegen ein Multiplexkino ausgesprochen, um die Kinos in der Innenstadt nicht zu gefährden, sagt Hutmacher.

«So, wie das Projekt jetzt bewilligt wurde, ist das Stadion vom Volk nicht befürwortet worden. Da muss man sich über Widerstand nicht wundern.» Es sei nicht fair, nun einzig den Beschwerdeführer anzugreifen.

Übrigens: Ganz alleine kämpft der Beschwerdeführer vielleicht doch nicht. Die Liegenschaft, in der er zur Miete wohnt und deren Nähe zum Stadion ihn überhaupt einspracheberechtigt machte, hat der Eigentümer erst im November 2007 gekauft, wie eine Nachfrage beim Grundbuchamt ergibt.

Das war einen Monat nachdem die Aarauer Stimmbürger den Planungskredit für ein Stadion bewilligt hatten.

Der Vorstand des FC Aarau vermutet deshalb, die Liegenschaft sei aus taktischen Gründen gekauft worden. Der Eigentümer beteuert jedoch, dass er mit der laufenden Beschwerde nichts zu tun habe, seine früheren Einwände habe er mit der Immobilienfirma Mobimo längst bereinigt. Keinen Hehl macht er jedoch daraus, dass er die Mantelnutzung des Stadions auch nicht sinnvoll findet.