Neulich beim Apéro in einem Strassencafé in der Aarauer Altstadt entstand die Diskussion um Frauenquoten. Ich selbst bin dagegen – hoffe ich doch, dass mittlerweile jedem und jeder klar ist, dass Frauen mindestens genauso gut oder so schlecht wie Männer jegliche Aufgabe meistern können und das Geschlecht kein Kriterium mehr darstellt, jemanden für eine bestimmte Stelle einzusetzen oder eben nicht. Und ehrlich gesagt, diese Diskussionen ermüden mich zusehends. Müssen wir wirklich noch darüber reden?

Meine Gesprächspartnerin ist da anderer Meinung. «Schau», meint sie, «in den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen von Unternehmen in unserer Region sitzen fast ausschliesslich Männer. Umso schlimmer, wenn es Unternehmen sind, die öffentliche Aufgaben übernehmen.» Und so zücken wir unsere Smartphones und googeln drauflos. In der Geschäftsleitung des Kantonsspitals Aarau sitzen seit der Neustrukturierung nur noch Männer wie auch bei der Aargauischen Kantonalbank.

Immerhin finden sich jeweils in den Verwaltungsräten ein bis zwei Frauen. Bei der Eniwa AG und AAR bus + bahn bietet sich ein ähnliches Bild an, bis auf je eine Frau, die für das HR des Unternehmens zuständig ist. Auch in diesen Unternehmen bilden die Frauen in den Verwaltungsräten eine starke Minderheit.

Eine Ausnahme bildet die Sozialversicherung Aargau, besser bekannt als SVA, bei welcher der Frauen- und Männeranteil praktisch gleich ist. Die Geschäftsleitung wie auch der Verwaltungsrat werden von je einer Frau geführt.

Das Ergebnis unserer kurzen Online-Recherche, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, hat mich wirklich erstaunt: Unternehmen mit öffentlichen Aufgaben und teilweise in staatlichem Besitz sind in fester Männerhand. Sind Frauen weniger fähig oder spielen auch hier jahrelange Seilschaften, Klubzugehörigkeiten und weitere, nicht-qualifizierende Eigenschaften eine Rolle? Sollten nicht gerade solche Unternehmen vorbildlich handeln und Strukturen aufbrechen, die seit je Männern zugutekommen? Sind Entscheidungsträger einfach zu faul, mal über ihren Bekanntenkreis hinaus nach Menschen zu suchen, die für solche Positionen geeignet wären, die zufällig auch noch weiblichen Geschlechts wären? Ist das wirklich so schwierig? Brauchen wir Quoten?

Ich glaube immer noch, dass diese nicht zweckmässig sind. Aber ich verlange, dass gerade Unternehmen mit öffentlichen Aufgaben oder im Besitz der öffentlichen Hand ihren Horizont erweitern und besser darauf achten, dass fähige Frauen genau so zum Zuge kommen und beide Geschlechter an Schlüsselpositionen gelangen können.

Es ist einfach erstaunlich, wie langsam sich die Welt ändert, gerade in der Geschlechterfrage. Und dies in allen Bereichen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als das Line-up des Open Airs «Sommerloch», das am 14. Juli zum ersten Mal in Aarau stattfindet und bei dem ich mitwirke, bekannt gegeben wurde. Offensichtlich fällt auf, dass die «Frauenquote» auf den beiden Bühnen überdurchschnittlich sein wird und es haben einige darauf reagiert. Bis auf zwei Acts bestehen alle Bands, die am Open Air auftreten werden, aus mindestens einer Frau. Revolutionär!

Wirklich? Fällt das wirklich noch auf, weil es so ungewöhnlich ist? Und doch, würde man auf einigen Open-Air- und Festivalplakaten die Bands, die nicht mindestens eine Frau als Bandmitglied haben, streichen, sähen diese ziemlich leer aus. Wer das nicht glaubt, soll diesen Sommer mal einen Praxistest durchführen. Gibt es so wenige Musikerinnen? Natürlich nicht. Weshalb in der Musikszene das immer noch so ist, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären.

Und so endet unser Apéro in Diskussionen über Dinge, die wir eigentlich als überwunden geglaubt haben. Eine zufriedenstellende Erklärung gibt es nicht, Lösung finden wir noch keine. Wir bestellen noch ein Glas. Vielleicht kommen wir dann auf eine gute Idee.