Aarau
Mann flüchtete vor der Polizei über die Staffelegg, nun wurde er verurteilt

Bezirksgericht verurteilt Schweizer zu acht Monaten Freiheitsstrafe bedingt, weil er vor drei Jahren vor der Polizei flüchtete. Als die Polizei den Mann stoppen konnte, kam es zu einem Gerangel, worauf dem Polizist die geladene Waffe ins Auto fiel.

Deborah Balmer
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Aargauer Zeitung

Der Mann, der am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Aarau stand, ist ein grosser, sehr breiter Mann. Dunkel gekleidet sitzt er da, die Lederjacke über den Stuhl gehängt. Seine Schuhe ähneln riesigen Wanderschuhen.

Vor drei Jahren fuhr der 38-jährige Aargauer auf der Autobahn 3 beim sankt-gallischen Mels Schlangenlinie. Als ihn später die Polizei festnahm, redete er wirre Sachen von Teddybären und Frauenbrüsten, wie am Gericht zu erfahren war. Alkohol war nicht im Spiel. Er sei einfach nur enttäuscht gewesen, weil an diesem Nachmittag Bekannte keine Zeit für ihn gehabt hätten. Die mittelgradig reduzierte Schuldfähigkeit des Mandanten, sagte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer, sei zu berücksichtigen.

Am Mittwoch ist der Mann zu acht Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt worden – mit einer relativ langen Probezeit von drei Jahren. Und einer Busse von 1000 Franken. Forderung des Gerichts: Der Angeklagte muss eine psychiatrische ambulatorische Behandlung weiterführen.

In Schinznach-Dorf angehalten

In einem weiteren Vorfall fuhr der Angeklagte nachts vom Ausgang heim und von Oeschgen her kommend auf der Hauptstrasse in Frick in Richtung Dorfzentrum: Dort erblickte er eine Polizeikontrolle. «Ich wollte aber an diesem Abend niemanden mehr sehen. Auch nicht die Polizei», begründet der Angeklagte, die Tatsache, dass er 30 Meter vor der Polizeikontrolle sein Fahrzeug wendete und die Flucht ergriff. Alkohol war auch da nicht im Spiel und der Angeklagte hätte eigentlich die Polizei nicht fürchten müssen.

Die Polizei folgte dem Auto. Der Flüchtige fuhr auf der Kantonsstrasse in Richtung Aarau. Die Matrix «Stopp Polizei» und das Blaulicht mit Martinshorn ignorierte er.

Auf der Passhöhe Staffelegg näherte sich der Angeklagte einer Strassensperre der Stadtpolizei Aarau.

Einer der Polizisten zückte die Waffe und versuchte den jetzt langsam fahrenden Flüchtigen durch das offene Autofenster zum Anhalten zu bewegen. Es kam zu einem Gerangel, worauf dem Polizist die geladene Waffe ins Auto fiel.

Doch die Verfolgungsjagd war noch nicht zu Ende: In Oberflachs fuhr der Angeklagte in die Nagelgurten einer weiteren Strassensperre. In Schinznach-Dorf endlich konnte er mit zwei defekten Reifen und mittels quer gestellter Polizeifahrzeuge festgehalten werden.