Aarau Rohr

Mancher wünscht sich bei diesem Theaterstück ein zusätzliches Augenpaar

Mehrere Handlungen gleichzeitig auf einer einzigen Bühne sind in der Inszenierung von GaukeLaien ohne weiteres möglich.

Mehrere Handlungen gleichzeitig auf einer einzigen Bühne sind in der Inszenierung von GaukeLaien ohne weiteres möglich.

Das Ensemble GaukeLaien bot an der Premiere des Mundartstückes «Familiegschäft» in Aarau Rohr eine grossartige Gesamtleistung. Im Stück geht es um die Karikatur moderner Wirtschaftspraktiken.

Die untreue Ehefrau Anita ist als Domina im Obergeschoss tätig, Geschäftsmann Markus telefoniert hitzig vor dem Haus und Thronerbe Michael braut sich am Herd ein Kuttelsüppchen. Mehrere Handlungen gleichzeitig auf einer einzigen Bühne sind in dieser Inszenierung ohne weiteres möglich. Farbige Spots unterscheiden die Räumlichkeiten und die Bühne in der Auenhalle bietet zahlreiche Nischen, um separate Handlungsstränge unterzubringen.

Auch wenn sich die Ereignisse überschlagen, verlieren die Zuschauer keinen Augenblick den Faden, denn das Timing der Schauspieler sitzt präzise. Nur manchmal wünscht man sich ein zusätzliches Augenpaar, um nichts zu verpassen, wenn es ab der Hälfte des ersten Aktes drunter und drüber geht. Wer jedoch für den Applaus auf einen roten Vorhang hofft, kann lange warten. Der Vorhang schliesst sich in diesem Stück nie, der Handlungsstrang kann sich dank der ausgetüftelten Bühne ohne Unterbrechung entwickeln. Den GaukeLaien gelingt mit ihrer Inszenierung von «Familiegschäft» eine grossartige Gesamtleistung.

Sechs Monate lang wurde geprobt

Man spürt, wie viel Herzblut hinter der soliden schauspielerischen Leistung des Ensembles stecken muss. Proben während sechs Monaten sowie unzählige ehrenamtliche Helferstunden der Vereinsmitglieder machen sich bezahlt. Vom Ticket-Design über die Tapas-Teller der Logengäste bis hin zum detailgetreuen Saal-Modell, das man im Entree bestaunen kann, macht sich die Liebe zum Detail bemerkbar.

Durch die eigens für diese Aufführung geliehene Zuschauer-Tribüne ist die Akustik hervorragend, jeder Zuschauer hat freie Sicht auf die Szene, egal ob sie sich im Obergeschoss oder am Saalboden abspielt.

In der Komödie von Alan Ayckbourn sind brennende Themen untergebracht. Wie etwa kleine menschliche Schwächen Konflikte auslösen, bietet Stoff für Charakterstudien. Das unternehmerische Gewurstel der Nachkommen wirkt wie eine Karikatur moderner Wirtschaftspraktiken. Das psychologische Drama, wie leicht ein Gutmensch in die Illegalität rutschen kann, gibt einem zu denken. Dank dem komödiantischen Rahmen gibt es jedoch viel zu lachen, und man verlässt den Saal in guter Stimmung.

Infos zu den weiteren Aufführungen unter www.gaukelaien.ch

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