Kreisschule Entfelden
«Man wird für ein neues Schulhaus Geld in die Hand nehmen müssen»

Tobias Pflugshaupt, neuer Gesamtschulleiter, spricht im Interview über Eindrücke, Visionen und Knacknüsse.

Katja Schlegel
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Tobias Pflugshaupt-Trösch ist seit Sommer Gesamtschulleiter der Kreisschule Entfelden.

Tobias Pflugshaupt-Trösch ist seit Sommer Gesamtschulleiter der Kreisschule Entfelden.

Katja Schlegel

Herr Pflugshaupt, geht es um die Schule, liegen zwischen den Kantonen Welten. Wie erleben Sie als Baselbieter den Aargau?

Tobias Pflugshaupt-Trösch: Das Spannende im Kanton Aargau ist das Gebilde der Gesamtschule, die vom Kindergarten bis zur Bezirksschule alles unter ein Dach bringt. Das gibt es im Baselbiet nicht. Da gibt es entweder Schulleitungen für Kindergarten und Primar oder für Sekundarschulen.

Was reizt Sie an diesem System?

Es schafft die Möglichkeit, ein Konzept für die gesamte Schule zu entwickeln. Hier kann man etwas aufbauen, das im Kindergarten beginnt und mit dem letzten Schultag der Oberstufe endet. Dann gehen die Jugendlichen mit einem gut gefüllten Rucksack in eine duale Ausbildung oder an eine weiterführende Schule.

Die Schulzeit an der Kreisschule Entfelden also zur Marke werden?

Genau. Indem die Schule sagt, wo sie Schwerpunkte setzt und was sie auszeichnet, schafft sie sich eine Marke. Es wäre schön, wenn es in der Region heissen würde: Die Schüler, die an der Kreisschule Entfelden waren, sind in diesen und jenen Punkten stark, sind in diesen Belangen besonders gut ausgebildet.

Worauf legen Sie Wert?

Wichtig sind Schlüsselqualifikationen, also Sozial-, Selbst- und Sachkompetenz. Es ist entscheidend, dass die jungen Menschen ein mathematisch und sprachlich gutes Verständnis haben. Auch IT-Kenntnisse sind wichtige Bestandteile. Jugendliche müssen mit digitalen Medien umgehen können. Je intellektuell anspruchsvoller der Abschluss ist, desto mehr wird von ihnen gefordert.

Was reizt Sie am Standort Entfelden?

Die Kreisschule. Auch das gibt es im Baselbiet zumindest auf der Primarstufe nur vereinzelt. Dabei macht es aus meiner Sicht absolut Sinn, Kreisschulen zu bilden. Ausserdem gefällt mir, dass die Stelle keine Hundertprozentstelle ist. So habe ich die Möglichkeit, nebenher wieder vereinzelt Beratungen und Begleitungen in den Bereichen Burn-out-Prophylaxe, den Umgang mit Herausforderungen, Einsatz von digitalen Medien und Führungscoachings anzubieten.

Sie haben im August das Steuer für ein Schiff mit einer riesigen Besatzung übernommen. Wie geht man eine solche Herausforderung an?

Der erste Monat war ein Übergangsmonat, in dem mein Vorgänger David Leuenberger und ich gemeinsam gearbeitet haben. Bereits im Juli wurden viele Absprachen gemacht und Vorbereitungen getroffen. Neu ist es für mich aber nicht, mit grossen Unternehmen beziehungsweise an grossen Schulen zu arbeiten. Ich vergleiche das gerne mit einer Firma: Erst muss man sich mit der Geschäftsleitung kurzschliessen und schauen, wo man steht. Wir hatten viele gute Sitzungen mit den Schulleitungen, an denen wir die Stossrichtung, die Vision und die Strategie besprochen haben. Jetzt geht es darum, die Mitarbeiter kennen zu lernen.

Die Schule Entfelden hat aktuell im schulischen Bereich lauter grüne Ampeln. Alles bestens für Sie?

Das ist einerseits eine sehr gute Ausgangslage. Auf der anderen Seite ist es auch eine grosse Herausforderung. Bis jetzt wurde eine sehr gute Arbeit geleistet. Die Anforderungen, die jetzt an mich gestellt werden, sind deshalb ebenfalls hoch. Schliesslich sollen die Ampeln auch grün bleiben.

Der ehemalige Kapitän David Leuenberger ist noch immer mit an Bord. Ist das Vorteil oder Nachteil?

In meinem Fall ist es ein Vorteil. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich mich auf meinen Vorgänger verlassen kann, dass wir ein gutes Einvernehmen haben und wir gut kommunizieren. Die Chemie stimmt, ein Konkurrenzdenken ist nie spürbar gewesen. Und wenn ich eine Frage habe, ob strategischer oder praktischer Art – beispielsweise, wo welches Dokument zu finden ist – bekomme ich sofort eine Antwort. Ich muss gar nicht lange suchen, David kann mir sofort sagen, in welchem Ordner ich was finde (lacht).

Die Schule Entfelden hat mit dem Knatsch zwischen Schulpflege und Kreisschulrat stürmische Monate hinter sich. Können Sie als unbelastete Stelle dazu beitragen, dass sich alles wieder beruhigt?

Ein neues Element in einem System hat immer Auswirkungen auf das ganze System. Das ist eine Chance. Ich bin davon überzeugt, dass ich kein Mensch bin, der polarisiert. Ich arbeite integrierend. Und ich habe durch meine Tätigkeit in der Wirtschaft vielleicht auch ein anderes Verständnis als jemand, der aus der Bildungslandschaft kommt. Dieser andere Blickwinkel kann eine Chance sein.

Über das Konstrukt der Kreisschule ist vor allem Unterentfelden nicht mehr glücklich. Was sagen Sie dazu?

Das Konstrukt «Kreisschule» als solches ist eine sehr gute Sache. Es macht Sinn, mit grösseren Einheiten zu arbeiten. Ausserdem kann eine Kreisschule bessere Angebote machen. Das macht den Standort interessanter und die Qualität steigt.

Was wären «bessere Angebote»?

Zum Beispiel die Begabtenförderung: Es wird schon viel für schulisch schwache Kinder getan, ebenso müsste man auch für Hochbegabte Angebote lancieren. An einer Kreisschule mit entsprechend mehr Schülern könnte man ein Angebot für solche Kinder schaffen, weil es gemäss Erfahrung so viele gibt, dass sich die Kosten lohnen. An einer kleinen Schule mit entsprechend weniger Hochbegabten wird es zu teuer.

Ist diese Hochbegabtenförderung etwas, was Sie einführen wollen?

Es ist noch zu früh zu sagen, was ich einführen will. In den ersten 100 Tagen macht es Sinn, zu analysieren und die Ausgangslagen kennen zu lernen.

Wichtige Themen an der Schule sind derzeit die erweiterten Blockzeiten und das neue Schulhaus, das bachab geschickt wurde. Wie stehen Sie dazu?

Die Kompetenz zu entscheiden, ob Blockzeiten eingeführt werden oder nicht, liegt nicht bei mir. Aus meiner Sicht stellen sie aber einen Attraktivitätsbonus für eine Gemeinde dar. Und bezüglich Schulhaus hoffe ich, dass sich eine Lösung findet. Man wird dafür Geld in die Hand nehmen müssen. In welchem Ausmass muss man diskutieren, und zwar mit allen Beteiligten. Mit der Pavillon-Lösung haben wir mit moderaten Kosten ein gutes System gefunden. Es geht nicht darum, Luxusvarianten zu suchen, sondern zweckmässige, gute Angebote zu finden, die ein Umfeld schaffen, in dem die Kinder gut lernen können.