Maienzug
Maienzug-Vorabend: Stau des Jahres auf Aaraus Partymeile

Vorabend Dass man in den Altstadtgasse nicht vorwärts kommt, hat durchaus auch seinen Reiz. Der wie immer äusserst beeindruckende Publikumsstrom wurde wie immer zähflüssiger und kam irgendwann zwischen acht und neun fast ganz zum Erliegen. Wie immer.

Thomas Röthlin
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Spätestens seit gestern Abend steht fest: Aaraus Altstadtgassen sind mit der 2011 abgeschlossenen Neugestaltung nicht breiter geworden. Es ist bloss eine optische Täuschung, weil die Trottoirs geschliffen wurden. Den schlagenden Beweis lieferte der Maienzug-Vorabend.

Doch wenn das jemanden stören würde, dann wäre der Maienzug-Vorabend, den es seit mittlerweile 25Jahren gibt, nicht stetig gewachsen. Dann träfe man nicht immer wieder die gleichen, vielen Leute, die man kennt. Dann wäre zumindest an diesen hohen Aarauer Feiertagen in der Igelweid kein Stand irgendeiner Interessengruppe aufgebaut. Gestern lobbyierte hier die Gesellschaft für bedrohte Völker.

Die Umsatzwette

Unters Partyvolk mischte sich der Erfinder des Maienzug-Vorabends Jürg Höch. Heute sei er als Konsument dabei, sagte Höch, als er es endlich an den Postomat im alten Kaufhaus geschafft hatte, wo die Leute Schlange standen. Für möglichst viel Konsumation sorgen musste an der «Ticino»-Bar Kurt Röthlisberger von AaraueusigsundStadt. Der fünffache Schweizer «Schiedsrichter des Jahres» war eine Wette eingegangen: mit einem Kollegen für mindestens 20 Prozent mehr Umsatz zu sorgen.

Zumindest der Getränkeverkauf dürfte den zahlreichen Wirten schöne Summen in die Kasse gespült haben. Das Waschküchenwetter hielt zumindest in den ersten Abendstunden und machte ebenso durstig wie die Maienzug-Spiesse, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis manche Partygänger erst einmal verdauen mussten. Mit schlechterem Wetter hatte der Glace-Verkäufer am Graben gerechnet. Statt alle 54 (!) Sorten feilzuhalten, habe er sich auf die zwölf beliebtesten beschränkt.

Lenzburger sparten ihre Kräfte

Inzwischen gibt es am Maienzug-Vorabend kaum eine Ecke mehr, wo man, falls allein unterwegs, den zahlreichen Gesprächen lauschen könnte (siehe rechts). Es gibt erprobte Maienzügler, die sprechen von einem kakofonischen Medley. Ihnen mögen die Gehörschütze geholfen haben, die ein netter Herr bereits auf der Zinne bei der Stadtkirche verteilt hatte. Dort knallten um halb sieben die Kanonen.

Eine Stunde später machten ein paar Lenzburger Einwohnerräte, in schöne weiss-blaue Gewänder gehüllt, beim Weinfassrollen mit. Wie sie abschnitten? Diplomatisch ausgedrückt: Sie wollten ihre Kräfte ganz offensichtlich für das eigene Jugendfest in einer Woche sparen.

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