Der Sparstift trifft jetzt spürbar auch das Herz von Aarau: Im Zuge der Stabilo-Massnahmen, die der Stadtrat dieses Jahr umsetzt, muss auch der Maienzug Federn lassen. Rund 100 000 Franken, lässt Stadträtin Regina Jäggi als Präsidentin der Maienzug-Kommission durchblicken, beträgt der Spareffekt. Dieser basiert im Wesentlichen auf drei Massnahmen: Erstens werden weniger geladene Gäste am Bankett auf der Schanz teilnehmen, zweitens wird das Festzelt in der Riviera neu privat finanziert.

Und drittens muss der Maienzugvorabend sukzessive selbsttragend werden. Für diesen ist – bereits seit letztem Jahr – nicht mehr die Stadt, sondern der unabhängige Verein Maienzugvorabend Aarau zuständig. Das heisst: unter anderem, dass anstelle der Stadt nun der Verein den öffentlichen Grund den Beizern vermietet, den diese am Vorabend beanspruchen.

Der Stadtrat habe mit dem Verein «die Kostenaufteilung geklärt», heisst es in einer Medienmitteilung der Stadt. Der Verein werde mit einer Anschubfinanzierung unterstützt. 2015, als der Verein eilends in die Bresche springen musste, um das Vorabendfest zu retten, wurden verschiedene am Donnerstag anfallende Kosten – etwa des Werkhofs, der Stadtpolizei, der Feuerwehr und des Sanitätsvereins – noch über das städtische Maienzugbudget abgerechnet. In Zukunft wird das nicht mehr der Fall sein.

Immerhin hat sich der Stadtrat bereit erklärt, dem Verein 2016 im Sinne einer Anschubfinanzierung 50 Prozent der Vollkosten zu erlassen. 2017 wird die Vergünstigung noch 25 Prozent betragen, ab 2018 muss der Verein für den ganzen Betrag aufkommen. Die Berechnung der Vollkosten soll alle fünf Jahre überprüft und nötigenfalls angepasst werden.

Der Stadtrat wünscht, dass die traditionellen Maienzug-Elemente wie das Spiel des Carillons und der Zapfenstreich auch unter der Ägide des unabhängigen Vereins ins Vorabendprogramm eingebettet werden. Dafür ist er bereit, dem Verein alljährlich «einen angemessenen Betrag» zu erlassen.

«Wir haben versucht, dem Verein entgegenzukommen», sagt Regina Jäggi. Allerdings weiss die Präsidentin der Maienzugskommission nicht, wie die Botschaft beim Adressaten angekommen ist. Seit drei Monaten herrscht dort Funkstille. Die Entscheidungen des Stadtrats seien dem Verein am 7. Dezember 2015 kommuniziert worden. Sie persönlich, so Regina Jäggi, habe die Information übergeben.

Vergleichbar mit Vorabend 2015

Sven Ammann, der Präsident des Vereins, war gestern ortsabwesend und kannte den Inhalt der Medienmitteilung noch nicht. Auf Anfrage bestätigte er aber, dass es im Verlaufe der Woche zu einem Treffen mit den Aarauer Gastwirten kommt, bei dem der Vorabend 2016 besprochen wird. Grundsätzlich dürfte sich dieser im gleichen Rahmen wie 2015 abwickeln. Das ist unter anderem Äusserungen von Regina Jäggi zu entnehmen.

In Bezug aufs Sicherheitskonzept heisst das: Bühnen mit Live-Musik ausserhalb und Konservenmusik innerhalb der Altstadt. Die Stadtpolizei muss den Organisatoren nach wie vor die für die Durchführung des Grossanlasses nötige Bewilligung erteilen. Entsprechende Kontakte zwischen Polizei und Verein haben laut Stadträtin Jäggi bereits stattgefunden.
Das Finanzielle sei nicht so sehr das Problem, sagt Michael Ganz, der ebenfalls dem Vorstand des Vereins Maienzugvorabend angehört.

Ganz bestätigt, dass sich das Entgegenkommen der Stadt 2016 auf rund 14 000 Franken belaufen wird. Eigentlich sei es ja schon okay, wenn die Wirte ihr Fest selber finanzieren würden. Nach wie vor hat Ganz aber «grundsätzlich grösste Mühe mit der Art, wie die Stadt mit dem Anlass umgeht». Mit der Sicherheitsproblematik habe diese «etwas gefunden, um sich draus zu stehlen». Und wenn die Stadt vorrechne, dass die Kosten pro Wirt ja nur ein paar hundert Franken ausmachen würden, lasse sie jenen Teil der Kosten ausser Acht, den die Wirte seit jeher selber getragen haben: WC-Wagen, Wasser, Strom, Musik.

Im Juni 2015 beschloss der Stadtrat, dass die Zahl der zum Bankett auf der Schanz geladenen Gäste auf 2000 beschränkt werden soll. Rund 1000 Mahlzeiten lassen sich so laut Stadträtin Jäggi einsparen. Gestrichen wurden von der Gästeliste unter anderem rund 320 pensionierte städtische Angestellte und Lehrer sowie etwa gleich viele Mitarbeitende der IBA, die nur noch eine kleine Delegation stellen darf.

Ein Verein fürs Festzelt

Die Finanzierung des Festzeltes in der Riviera muss künftig eine private Trägerschaft sicherstellen. Neun Personen haben das Ganze an die Hand genommen, Präsidentin des neuen Vereins «Das Maienzugzelt» ist Einwohnerrätin Danièle Zatti Kuhn, Vizepräsident ist Dieter Felber. Mit 200 Franken ist man dabei. 150 bis 200 Zahlungsversprechungen sind nach Felbers Angaben bisher eingegangen.

In Absprache mit der Maienzugkommission beabsichtigt der Verein das Zelt auf die Westseite des Maienzugplatzes zu verschieben. «Wir hoffen, dass der Festplatz so homogener wird», sagt dazu Dieter Felber, «und dass das Zelt günstiger wird.» Auch wird so der Parkplatz Viehmarkt nicht mehr tangiert. 500 bis 600 Plätze fasst das Zelt. Der Zeltbauer ist nach Felbers Worten bereits bestimmt. Geklärt wird jetzt noch, wer das Catering übernimmt. Für die Erschliessung mit Wasser und Strom bleibt die Stadt zuständig.