77 Jahre alt geworden ist der Markt Aarauer Gewerbetreibender, liebevoll MAG genannt. «Wir sind nicht nur der Tradition verpflichtet, sondern auch offen für neue Ideen», versprach MAG-Präsident Rainer Zulauf am offiziellen Eröffnungsakt.

Dazu gehört die Präsentation eines Maskottchens, das jeweils am Nachmittag durch die Standreihen tanzt. Das junge Girl gleicht von der Frisur her frappant der Pippi Langstrumpf und verfügt über stechende Augen. Einziger Nachteil: Es hat noch keinen Namen. Dieser wird bis morgen Sonntag mittels eines Publikumswettbewerbs gesucht.

Spannender MAG-Gast

Spannend ist der Auftritt des MAG-Gastes 2014: Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) aus Frick lädt auf dem Holzmarkt zu einem Joghurttest ein und startet auf Wunsch ein Assel-Rennen. Das Buhlen um natürliche Ernährung treibt aber auch seltsame Blüten: Am Stand vom «Bliib-gsund-Versand» am Graben wird mit dem Begriff «friedfertiger Landbau» Werbung gemacht, in der Tat heute dringender denn je.

Heilende Steine»

Hilfe bei Störungen aller Art bietet der Stein-Laden von Esther Suter unter dem Titel «TerraPierra» an, etwa mit einem Achat, der «gegen Jähzorn und Prüfungsangst» wirken soll. Erfahrung im Umgang mit heilenden Steinen hat die Aarauer Vize-Stadtpräsidentin Angelica Cavegn Leitner, sie besitzt solche «für klare Worte und Gedanken» und für rhetorische Fähigkeiten. Solche hat im handwerklich-planerischen Bereich auch MAG-Bauchef Hans-Peter Nussbaumer, der nach 19 Jahren sein Amt an Christoph Urech weitergibt.

Zürcher Nummernschild

Erfreut registriert der MAG-Bummler das anziehende Interesse des Aarauer Gewerbes an ihrem einstigen «Kind». Das «lokale» Element drohte vor Jahren verloren zu gehen, nun ist es wieder da. Oder geblieben, wie bei Tarek und Hanny Baghdadi, die das aufgegebene Geschäft «Scooter» am MAG wieder aufleben lassen. Aus Zürich importiert werden muss hingegen das MAG-Bähnli, das auf dem Marktgelände mit ZH-Autoschildern unterwegs ist. Man stelle sich dies einmal umgekehrt vor.

Zeichen der Zeit: Umworben wird auch am MAG von immer zahlreicher werdenden Anbietern das menschliche Ohr. Als ein älterer Besucher von einer netten jungen Dame im Zelt auf der Laurenzenvorstadt aufgefordert wurde, sich einem Hörtest zu unterziehen, schüttelte der Mann unwillig den Kopf und ging einfach weiter. Nach ein paar Metern fragte er seine Begleiterin: «Was hett sie gseit?».

Ohrenbetäubende Bibergugger

Ohrenbetäubend war am Donnerstagabend der Auftritt der Bibergugger Biberstein in der Festbeiz der Wyberg Schränzer in der Markthalle. Auf dem Färberplatz befindet sich nach wie vor das kulinarische Epizentrum des MAG, wobei man sich mit einer Suppe samt Spatz, mit Frühlingsrollen, Fischen oder einer original Militärchässchnitte stärken kann. Die reifere Jugend versammelt sich jeweils am Nachmittag im Stübli des Arbeiterschützenbundes. Von dort aus geniesst man den Blick auf Bilder von Turin oder Venedig in der benachbarten Pizzeria und fühlt sich plötzlich weit weg, quasi in den Herbstferien.