Kolumne

Männer haben’s schwer ...

Zu wenige Unternehmen lassen sich auf flexible Arbeitsmodelle ein, findet unsere Kolumnistin.

Zu wenige Unternehmen lassen sich auf flexible Arbeitsmodelle ein, findet unsere Kolumnistin.

Erwerbs- und Familienarbeit gleichberechtigt zu verteilen ist möglich, findet Anja Kaufmann, während sie «Männer» von Herbert Grönemeyer hört.

«Männer sind allzeit bereit / Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit …» seit meine Kinder den Schrank mit alten CDs entdeckt haben, hören wir wieder öfter die Lieblingsmusik aus meinen Teenagertagen. Dabei darf natürlich auch Herbert Grönemeyers «Männer» nicht fehlen:

«Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht / aussen hart und innen ganz weich …» Männer, die sich heutzutage zusammen mit ihren Partnerinnen entscheiden, sich nicht ausschliesslich ums Geldverdienen zu kümmern, sondern sich gleichberechtigt Erwerbsarbeit und Kindererziehung zu teilen, haben es nach wie vor schwer.

Männer, die sich nicht nur zu einem Papitag pro Woche verpflichten wollen, bei welchem sie unter Anweisungen der Frauen ausführen, was ihnen aufgetragen wurde, müssen immer noch kämpfen.

Will sich ein Mann tatsächlich selbstbestimmt und eigenhändig zur Hälfte um die Erziehung der Kinder und den Haushalt kümmern, so hat er – nachdem er in der Partnerschaft alles Wichtige geregelt, die Frau ihr Pensum auf eine ansprechende Höhe festgelegt oder aufgestockt hat (und dabei nicht weniger verdient als ein Mann an der gleichen Position) und schliesslich auch die vielleicht zusätzlich notwendige externe Kinderbetreuung geklärt ist – immer noch eine wichtige Hürde zu überwinden: den Arbeitgeber.

«Männer sind furchtbar stark / Männer können alles …» Selbstbewusst sprechen die Männer zunächst bei ihrem Arbeitgeber vor und bekommen immer noch viel zu oft ein «Nein» zu hören.

Meist ganz direkt formuliert: «Ein Mann in deiner Position kann nicht Teilzeit arbeiten!» Wie gelähmt von dieser Abfuhr kommen dann die Männer nach Hause und finden unkritisch: «Schatz, ich habe es probiert, aber mein Arbeitgeber hat Nein gesagt. Ich kann nicht reduzieren, sorry.»

Sorry? Aber so geht es wirklich nicht mehr weiter! Jede Arbeit kann delegiert oder so geplant werden, dass sie sich durch jemanden anderes oder zu einem anderen Zeitpunkt erledigen lässt.

Noch immer lassen sich viel zu wenige Unternehmen auf flexible Teilzeitarbeitsmodelle ein, obwohl diese in Sachen Effizienz, verwertbarem Output und Zufriedenheit der Arbeitnehmenden einem Vollzeitpensum in nichts nachstehen.

«Männer sind einsame Streiter / müssen durch jede Wand, müssen immer weiter / wann ist Mann ein Mann? …» Was es jetzt braucht, sind mutige Männer, die es wagen, sich aus ihrer Komfortzone, welche sie sich bei der Arbeit im Vollpensum eingerichtet haben, herauszubewegen, damit ihr Anliegen einer gleichberechtigten Verteilung von Erwerbs- und Familienarbeit nicht noch länger Wunschdenken bleibt.

Dazu gehört auch, sich bei einer negativen Antwort allenfalls nach neuen Arbeitsmöglichkeiten umzuschauen oder den Arbeitgeber zu wechseln, wenn sich dieser nicht auf eine (kleine) Pensumreduktion einlassen will.

Auch bei vielen Unternehmen braucht es noch ein Umdenken. Leistungsbereitschaft, ein gutes Arbeitsergebnis, Innovation und Verbundenheit mit der Arbeit zeigen sich nicht dadurch, dass man(n) stets zu hundert Prozent am Arbeitsplatz anwesend ist, sondern darin, dass das gewünschte Ergebnis vorliegt.

«Und Männer sind so verletzlich / Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich …» so, ich glaube, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, die CD zu wechseln.

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