Aarau
Luxus ohne Notwendigkeit? Das Aareufer wird ein naturnaher Erlebnispark

Für 3,6 Mio. Franken soll der Uferabschnitt «Aare Ost» umgestaltet werden. Der Einwohnerrat hat dafür 3,6 Miliionen Franken beschlossen, allerdings nur mit knapper Mehrheit.

Hermann Rauber
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Der Aareraum soll aufgewertet und der Erlebniswert für die Bevölkerung verbessert werden. Annika Bütschi

Der Aareraum soll aufgewertet und der Erlebniswert für die Bevölkerung verbessert werden. Annika Bütschi

Annika Buetschi / AZ

3,6 Millionen Franken will sich eine knappe Mehrheit des Aarauer Einwohnerrats die Aufwertung des Aareraums Ost kosten lassen. Damit soll der 2008 eröffnete Westabschnitt eine Fortsetzung Richtung Zurlindensteg erhalten.

«Nice to have» oder mehr Lebensqualität, vor diesem Dilemma stand das Stadtparlament am Montagabend. Die bürgerlichen Fraktionen von SVP und FDP sahen im stadträtlichen Bauprojekt keine zwingende Notwendigkeit oder dringliche Priorität und verweigerten angesichts der «prekären Finanzlage der Stadt» ihre Zustimmung.

Für die Befürworter links der politischen Mitte ging es um «Mehrwert» für die Bevölkerung und um die Neugestaltung eines beliebten «Naherholungsgebietes» an der Aare. Nach einer engagierten Debatte siegten die Befürworter mit 23 gegen 20 Stimmen.

Das Projekt «Aufwertung Aareraum Ost» sieht eine veränderte Linienführung für den künftig breiteren Philosophenweg, eine «Stadtaue», eine Aufschüttung, eine Aarebucht und die Einbettung der sommerlichen «Schwanbar» in die Flusslandschaft vor.

Weichen muss für die Realisierung des Vorhabens der bestehende Parkplatz Mühlematt mit 34 Abstellplätzen.

Luxus ohne Notwendigkeit

«Machet öppis rächts, ned schmörzele!», hiess es in der Vernehmlassung aus dem kantonalen Baudepartement.

Dieses Zitat gab Christian Dubs (FDP) Anlass zur Aussage, dass für Aarau trotz enger Finanzlage «immer nur das Beste und Teuerste gut genug ist».

Für einen solchen «Luxus» fehle jede Notwendigkeit, Auen gebe es im Stadtteil Rohr schon zur Genüge.

Der Baukredit über 3,6 Millionen Franken sabotiere zudem die laufenden Sparbemühungen im Rahmen des Programms «Stabilo 2». Ins gleiche Horn stiess Thomas Richner (SVP), der erklärte, dass der Aareraum schon heute «bestens frequentiert» sei und kein Grund bestehe für eine teure «Aufwertung».

Ganz anders tönte es von den Befürwortern. Lelia Hunziker (Grüne/Jetzt!) schwärmte vom «mediterranen Flair» in der Flusslandschaft.

Eine Aufwertung dieses Raums dränge sich förmlich auf. Antonia Lüscher (SP) berief sich mit ihrem Ja auf das «Wohlbefinden der Bevölkerung», Lukas Häusermann (CVP) freut sich auf die «Steigerung der Landschaftsqualität», während Alexander Umbricht (Grünliberale) die «Erfolgsgeschichte» des westlichen Abschnitts in Richtung Osten fortsetzen möchte.

Subvention von 1,2 Millionen

Für Stadtrat Beat Blattner ist das Vorhaben eine logische Konsequenz zum ursprünglichen Gesamtprojekt «Lungo Aare».

Die Stadt Aarau dürfe im Übrigen an die Kosten 1,2 Millionen Franken aus dem Agglomerationsprogramm AareLand des Bundes als Subvention erwarten. In der Schlussabstimmung passierte das Kreditbegehren mit 23 Ja gegen 20 Nein.

Unmittelbar nach dem Votum stellte die SVP-Fraktion den Antrag, das Geschäft einer obligatorischen Volksabstimmung zu unterstellen, ein Ansinnen, das der Rat mit 22 Nein gegen 20 Ja ablehnte.

Es gilt also das fakultative Referendum. Wird dieses nicht ergriffen, könnten die Bauarbeiten zwischen März 2016 und Juli 2017 ausgeführt werden.

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