Barmelweid
Lungenklinik-Chef Heller sieht keinen Interessenkonflikt: «Ich wurde angegriffen»

Daniel Heller, Verwaltungsratspräsident der Lungenklinik Barmelweid, fühlt sich als Opfer einer Kampagne. Dies nachdem die «Nordwestschweiz» seine Nähe zur Tabakindustrie offen legte. Im Video-Interview rechtfertigt sich Daniel Heller.

Samuel Schumacher
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Daniel Heller
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Barmelweid-Chef Daniel Heller versucht mit einem Aushang im Klinik-Lift zu entschärfen. Barmelweid-Chef Daniel Heller ist auch Teilhaber der Lobbying-Agentur Farner, die von Mandaten aus der Tabakindustrie profitiert.
Die Klinik Barmelweid wurde fürs Energiesparen ausgezeichnet.
Klinik Barmelweid in Erlinsbach AG. zvg
Auf der Sonnenterrasse am Jurasüdfuss auf 800 Meter über Meer: Die neu errichtete Heilstätte Barmelweid im Jahre 1912.

Daniel Heller

Annika Bütschi

Daniel Heller, Verwaltungsratspräsident der Klinik Barmelweid und Mitinhaber der PR-Firma Farner, ist nicht einverstanden mit dem Bild, das die Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen von ihm erhalten hat. «Ich wurde angegriffen», sagte er in einem Statement zu Beginn der Generalversammlung des Vereins Barmelweid am Mittwochabend.

Die «Nordwestschweiz» hatte den Interessenskonflikt Ende April publik gemacht: Heller engagiert sich als Verwaltungsratspräsident für die als Lungenklinik bekannte Barmelweid, während seine PR-Firma Farner Lobbying- und Kommunikationsmandate für die beiden Tabakfirmen Philip Morris und Burger Söhne (Dannemann) betreut.

PR-Profi Heller betonte wiederholt, für den Vorstand der Klinik und für die Mitglieder des Vereins Barmelweid sei das Engagement seiner Firma für die Tabakbranche kein Problem. An der Vereins-GV vom Mittwochabend ergriff ausser Heller selber niemand das Wort. Der Vorstand hatte sich in toto darauf festgelegt, nichts zu sagen.

Heller erklärte in seinem Statement: «Es ist richtig, dass Farner mit Philip Morris und der Firma Burger Söhne zwei Mandate betreut, die mit der Tabakindustrie liiert sind. In beide Mandate bin ich nicht involviert. Ich betreue sie nicht.» Der Barmelweid-Präsident unterstrich, dass seine Tätigkeit für die Klinik Barmelweid durch seine Arbeit bei Farner «in keiner Art und Weise beeinträchtigt» sei. Er erklärte weiter, dass er sich nie in die Tabakpräventionsarbeit der Barmelweid eingemischt habe. Das Thema sei erledigt.

Kritisiert wurde Heller im Vorfeld der Generalversammlung von Seiten der Lungenliga Schweiz. «Wir erhalten zunehmend Briefe von namhaften Spendern, die uns auffordern, Stellung zu beziehen», sagte Lungenliga-Schweiz-Direktorin Sonja Bietenhard gegenüber der «Nordwestschweiz». «Viele finden die Verbindungen von Klinik-Präsident Daniel Heller zur Tabakindustrie eine Frechheit. Wir teilen das Unverständnis unserer Spender.»

Nachteil für die Barmelweid?

Anders als bei der Lungenliga Schweiz sind bei der Geschäftsstelle der Lungenliga Aargau bis jetzt keine solchen Beschwerden eingegangen, sagt Geschäftsführer Thomas Vielemeyer auf Anfrage. Roger Baumberger, Barmelweid-Vorstandsmitglied und Präsident der Lungenliga Aargau, erklärt, dass er auch persönlich keine entsprechenden Briefe oder E-Mails erhalten habe. Er möchte Hellers Engagement nicht kommentieren.

Barmelweid-Vorstandsmitglied und FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger stellt sich hinter Heller: «Für den Verein und die Klinikleitung ist das Ganze offensichtlich kein Problem. Herr Heller hat immer sehr kompetent für die Barmelweid gearbeitet.»

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