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Lösen Sie Ihre Gutscheine ein oder verstauben sie in der Schublade?

Oftmals verschwinden Gutscheine in einer Schublade – Wie man das verhindern kann, zeigt «feines Kleines».

Nora Güdemann und Henrik Furrer
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Camilla Widmer, Inhaberin von «feines Kleines» in Lenzburg, mit den erfolgreichen Fünf-Franken-Gutscheinen

Camilla Widmer, Inhaberin von «feines Kleines» in Lenzburg, mit den erfolgreichen Fünf-Franken-Gutscheinen

ZVG

Auf der Suche nach einem passenden Geschenk greift man gerne zum Gutschein. Jetzt, da Weihnachten schon länger zurückliegt, wäre es an der Zeit, die Gutscheine einzulösen. Doch finden alle Gutscheine den Weg zurück in die Läden? Und wie sieht es mit dem Verfallsdatum aus?

Eine Umfrage bei verschiedenen Geschäften in der Region hat grosse Unterschiede bei der Einlösequote von Gutscheinen aufgezeigt. Es gibt Läden, in denen so gut wie alle gekauften Gutscheine auch eingelöst werden. Ein Beispiel dafür ist das Steakhouse «MEAT’s» in Aarau. «Im letzten Jahr haben wir 500 Geschenkgutscheine verkauft und alle wurden noch im selben Jahr eingelöst», erzählt Christian Fleischhauer, Chef des Steakhouses.

Ein Beispiel aus Lenzburg zeigt, dass es auch genau andersrum sein kann. Beim Coiffeur-Salon «intercoiffure» wurden in den Jahren 2010 und 2011 Gutscheine im Gesamtwert von 550 Franken ausgestellt. Eingelösequote in diesen beiden Jahren: null Prozent. «Das ist allerdings ungewöhnlich», relativiert Carmen Zobrist, Inhaberin von «intercoiffure». Im darauffolgenden Jahr 2013 seien nämlich alle ausgestellten Gutscheine eingelöst worden und 2015 rund zwei Drittel.

Einlösequote kann man steigern
Können die Geschäfte verhindern, dass sich Gutscheine bei den Beschenkten zu Hause stapeln und in Vergessenheit geraten? Ja, können sie. Das Café und Leckereien-Geschäft «feines Kleines» in Lenzburg machts vor. Inhaberin Camilla Widmer hat im März 2015 ein neues Gutschein-System eingeführt. «Wir haben gemerkt, dass unsere Gutscheine nicht so fleissig eingelöst werden. Das wollten wir ändern.» Also hat man bei «feines Kleines» umgestellt von herkömmlichen Gutscheinen, wo Kunden einen beliebigen Betrag eintragen lassen konnten, auf Fünf-Franken-Gutscheine.

Die Umstellung hat sich gelohnt: «Seither werden alle gekauften Gutscheine auch eingelöst», sagt Camilla Widmer. Die neuen Fünf-Franken-Kärtchen machen bei «feines Kleines» auch mehr Sinn als Gutscheine mit grossen Beträgen. «Der Anreiz auf eine kleine Leckerei vorbeizukommen ist so einfach grösser.» Wohl durchdacht ist auch die Grösse der Gutscheine: Sie passen perfekt ins Portemonnaie und man kann sie immer dabei haben. Seit der Umstellung werden die Gutscheine nicht nur besser eingelöst, es werden auch mehr davon verkauft. «Wir haben im März 2015 mit 600 Gutscheinen angefangen und mussten jetzt bereits neue bestellen.» Im Vergleich zum alten Gutschein-System, mit dem im gesamten Jahr 2014 nur 70 Gutscheine verkauft wurden, ist das eine enorme Steigerung.

Sind Verfallsdaten fair?
Für besonders viele Unklarheiten sorgt das Verfallsdatum von Gutscheinen. Was passiert, wenn der Weihnachtsgeschenkgutschein in einer Schublade verschwindet und erst Jahre später wieder entdeckt wird?

Von befristeten Gutscheinen hält David Gygax, Inhaber des Juweliergeschäfts Gygax in Aarau, wenig: «Verfallsdaten auf verkauften Gutscheinen sind kaum haltbar.» Das Geld auf dem Gutschein gehöre dem Kunden, der ihn käuflich erworben hat. «Beharrt ein Unternehmen bei einem solchen Gutschein auf ein bestimmtes Ablaufdatum, scheint mir das Vorgehen zumindest fragwürdig», sagt Gygax. Auch Sabine Stirnemann, stellvertretende Filialleiterin beim Delikatessen-Geschäft «vom Fass» in Aarau, teilt diese Auffassung: «Wir nehmen alle Gutscheine an, egal wie alt sie sind.» Erst neulich habe jemand einen acht Jahre alten Gutschein eingelöst. «Fälle wie dieser sind selten, daher haben wir den fast schon antiken Gutschein aufgehängt.»

Gesetzeslage ist klar – eigentlich
Die gesetzlichen Verjährungsfristen für Gutscheine betragen gemäss Obligationenrecht (OR) – je nach Art der Forderung – fünf oder zehn Jahre. Gutscheine für kleinere Waren wie Spielsachen, Kleider, Bücher oder Lebensmittel laufen nach fünf Jahren ab. Bei Gutscheinen für Reisen oder Hotelübernachtungen beträgt die Verjährungsfrist gemäss OR zehn Jahre.
Trotz der eindeutigen Gesetzeslage sind Gutscheine häufig mit einem Verfallsdatum versehen. Diese Fristen sind zum Teil kürzer als die Verjährungsfristen gemäss Obligationenrecht. Die Stiftung für Konsumentenschutz vertritt die Ansicht, dass sich die gesetzlichen Verjährungsfristen von Gutscheinen nicht verkürzen lassen. Leider wurde diese Frage bislang noch nie durch ein Gericht geklärt.

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