25-Jahr-Jubiläum
«Los Chicos Perfidos»: Die Klischee-Mexikaner aus Rombach

«Los Chicos Perfidos» sind in Kitsch verpackte Profimusiker. Dabei haben Zweidrittel der Band mit Mexico gar nicht viel am Sombrero. Die Mexiko-Begeisterung ihres «Cheffe» Heinz Schmid reicht fürs ganze Trio.

Sabine Kuster
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Die drei Musiker sind schon viel länger gefälschte Mexikaner, als ein mexikanischer Präsident durchschnittlich im Amt ist. Aber um Politik oder das wirkliche Mexiko geht es hier nicht: Heinz Schmid (56) und die Brüder Pius Schürmann (47) und Benno Kaiser (45) verkörpern seit einem Vierteljahrhundert den Traum von Mexiko und seinem Klischee. Mit Sombrero, Plastikpalme und Schnäuzen. Wobei: Die Schnäuze haben sie zum Jubiläum abgeschafft. Echt waren sie nie.

Echt oder nicht echt? Spanisch oder bloss gut imitiertes Kauderwelsch? Mit solchen Frage verwirren Los Chicos Perfidos noch heute ihr Publikum, und lenken davon ab, was die zwei Rombacher und der Aarauer aus dem Scheibenschachen wirklich sind: Vollprofis. Die Brüder sind Berufsmusiker. Ihre aufwendig arrangierten und oft aus mehreren Stücken zusammengesetzten Werke verstecken mit ihrer leichtfüssigen Verspieltheit die Knochenarbeit, die dahinter steckt.

Erster Auftritt am Kantifest

Begonnen hat alles mit einem Traum von Theatermacher Heinz Schmid. Nachdem die beiden Brüder 1987 als Musiker in einem Theater von Schmid aufgetreten waren, träumte er, sie würden eine Band gründen. Aus dem Traum wurde schnell Realität. Der Stil war klar: mexikanischer Mariachi – in der Art wie Heinz Schmid seine Theaterschüler in den Probenlagern jeweils mit der Gitarre geweckt hatte. Mexiko begleitet Schmid, seit er dort Austauschschüler war.

Der Name «Los Chicos Perfidos» war eine Blitzidee von Pius Schürmann, und die Chicos traten noch im selben Jahr am Kantifest im Saalbau mit fünf Stücken auf. Sie wurden vom Platz weg von Lehrern für weitere Auftritte gebucht. Zuerst war es pro Monat ein Engagement, dann starteten sie ums Jahr 2000 mit ihrem ersten abendfüllenden Programm «Pablito, Juanito y Benito forever» in der Kleintheaterszene durch. Pro Jahr traten sie 80-mal auf, auch am Arosa-Humorfestival.

2005 folgte «El tigre de Buenos Aires». Jetzt feilen sie an ihrem dritten Programm, im November soll es uraufgeführt werden. Drei Programme in 25 Jahren – ist das nicht etwas wenig? «Doch», geben die drei zu, aber pro Programm hätten sie jeweils locker drei verschiedene Titel setzen können, die Zuschauer der Premierenaufführung hätten ihren Auftritt zwei Jahre später nicht wieder erkannt. «Unsere Stücke verändern sich dauernd», sagt Benno Kaiser. Auch ihre Bühne ist nie dieselbe. Mal spielen sie an einem Aufrichtefest, dann in einer Waldhütte oder vor einem Brautpaar in einem Schloss.

Immer dabei ist die aufblasbare Palme – in den 25 Jahren musste sie erst einmal erneuert werden. Sie kriegt – zum Beispiel mit dem Stück «Silencio» – manchmal sogar einen (stillen) Solo-Auftritt. Auf die Plastikpalme und andere Scherze folgt dann die Oper «Guglielmo Tell» von Gioachino Rossini, arrangiert – als wärs leicht wie ein Kinderlied – für zwei Gitarren und Percussion. Oder das Orchesterstück «Boléro» von Maurice Ravel.

Aus Margritli wird ein Drink

In ihrem neuen Programm – vielleicht heisst es «Ex Mr. Mexico» – werden sie das Schweizer Mundartlied «Margritli» in Mexiko einbürgern und daraus eine Hymne an den Tequila-Drink Margarita mixen.

Ermüdungserscheinungen zeigen Los Chicos Perfidos keine. Spass und Treue sei das, was sie zusammenhalte – und der Erfolg, sagen sie. Sie wollen mehr. «Mas» heisst denn auch eines ihrer weiteren neuen Stücke (bekannt als «More», interpretiert von Doris Day). Darin gemixt ist – als gäbe es nichts Naheliegenderes – «Willkommen, Bienvenue» von Liza Minnelli und die Titelmelodie von «Raumschiff Enterprise». Dafür verleiht man den beiden blonden Mariachi und ihrem «Cheffe» ohne Zögern den Titel «Misters Understatement of Mexico».

Heute treten Los Chicos Perfidos um 20 Uhr in der Schwanbar an der Aare in Aarau auf.