Suhr
Lohnschere: Geändertes Musikschulreglement soll Lehrkräfte bei Stange halten

Ab der 6. Klasse wird der Lohn der Musikschullehrkräfte vom Kanton bezahlt, bei den Erst- bis Fünftklässlern von der Gemeinde. Dies kann zu einer Lohndifferenz von bis zu 25 Prozent führen. Das soll sich nun ändern.

Ueli Wild
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Die Lohnschere hat sich in der Schweiz leicht geschlossen (Symbolbild)

Die Lohnschere hat sich in der Schweiz leicht geschlossen (Symbolbild)

Keystone

Das Reglement der Musikschule Suhr wurde vor bald anderthalb Jahrzehnten erarbeitet. Beschlossen wurde es von der Einwohnergemeindeversammlung vom 26. November 2004. Seither, sagte der für die Schule zuständige Gemeinderat Oliver Krähenbühl am Informationsforum vom Montagabend, habe sich einiges verändert. Der Gemeinderat legt der Wintergmeind vom 29. November deswegen ein revidiertes Musikschulreglement vor. Am Montag erklärte Krähenbühl den knapp 40 anwesenden Interessierten, was das Ziel der Revision ist.

Es gehe darum, «ein paar juristische und formale Dinge richtigzustellen», sagte Krähenbühl. Beispielsweise in Bezug auf die Ausbildung der Lehrkräfte: Früher wurde von diesen ein Wahlfähigkeitszeugnis verlangt. Heute benötigen sie ein musikpädagogisches Diplom. Eine andere Veränderung betrifft die Musik-Grundschule, die nicht mehr Teil der Musikschule, sondern der Primarschule ist. Weiter musste, so Krähenbühl, geregelt werden, wie die Rechnungstellung gegenüber auswärtigen Kindern erfolgen soll.

Auch beim zentralen Punkt der aktuellen Revision geht es ums Geld, nämlich um die Entlöhnung der Musikschullehrkräfte. Der Instrumental- und Gesangsunterricht ist ein freiwilliges Angebot. Er wird vom Kanton, der Gemeinde und den Eltern finanziert.

Was so einfach töne, sagte Krähenbühl, sei im Alltag nicht ganz so klar. Im Grundsatz gilt: Ab der sechsten Klasse (Freifach) übernimmt der Kanton die Kosten. Von der ersten bis zur fünften Klasse (ausserschulisches Angebot) trägt sie die Gemeinde – zusammen mit den Eltern. In Suhr liegt der Kostendeckungsgrad gemäss geltendem Reglement bei 50 Prozent. Sprich: Gemeinde und Eltern der Erst- bis Fünftklässler tragen je die Hälfte der Kosten.

«Massive Diskrepanzen»

Auf der Oberstufe, beziehungsweise ab der 6. Klasse, wird also der Lohn der Musikschullehrkräfte vom Kanton bezahlt, bei den Erst- bis Fünftklässlern von der Gemeinde – und über diese auch von den Eltern. «Das führt», wie Krähenbühl deutlich machte, «zu massiven Diskrepanzen bei der Entlöhnung.»

Für das Jahr 2018 mache die Differenz zwischen Kanton und Gemeinde in Suhr 25 Prozent aus. Es könne also passieren, dass eine Musikschullehrkraft in den ersten 20 Minuten einen Fünftklässler unterrichte und dabei 25 Prozent weniger verdiene als in den nächsten 20 Minuten, weil dann eine Sechstklässlerin an der Reihe ist. Der Gemeinderat, so Krähenbühl, sei der Meinung, diese Diskrepanz müsse bei der Bereinigung des Reglements ein Stück weit behoben werden.

Der Kanton hat per Dekret festgelegt, was er den Lehrerinnen und Lehrern für den Instrumental- und Gesangsunterricht bezahlt. Zwischen den Gemeinden sodann gibt es, wie Krähenbühls Vergleiche zeigten, erhebliche Unterschiede. Aarau und Buchs etwa bezahlen 100 Prozent. Den gleichen Lohn also, den der Kanton gewährt, und nicht nur 75 Prozent davon wie die Gemeinde Suhr. Doch das soll sich nun ändern.

50 000 Franken mehr pro Jahr

«Wir haben verschiedene Varianten durchgerechnet», sagte Gemeinderat Krähenbühl, «und wir sind zu einem Ergebnis gekommen, das wir für einen guten schweizerischen Kompromiss halten: Der Gemeinderat schlägt vor, dass wir den Lohn auf 90 Prozent desjenigen anheben, den der Kanton bezahlt.» Diese Korrektur hat nach Krähenbühls Worten bei den Eltern- und Gemeindebeiträgen eine Kostensteigerung von rund zehn Prozent zur Folge. Die Gemeinde muss dadurch Mehrkosten von etwa 50 000 Franken pro Jahr übernehmen.

Im Budget 2018 war für die Löhne der Musikschullehrkräfte ein Betrag von 581 000 Franken eingestellt. Sowohl für die Eltern als auch für die Gemeindekasse, findet der Gemeinderat, sei der Anstieg vertretbar. «So können wir die Lehrerinnen und Lehrer halten und die gute Qualität an der Suhrer Musikschule anheben», betonte Krähenbühl. «Und wir müssen nicht Angst haben, dass unsere Lehrkräfte in andere umliegende Gemeinden abwandern, die bessere Anstellungsbedingungen bieten als wir.» – Krähenbühl musste in der Folge keine einzige Frage aus dem Plenum beantworten.

An der Musikschule Suhr unterrichten laut Leiterin Annette Farnhammer aktuell 21 Lehrpersonen 370 Schülerinnen und Schüler auf 16 verschiedenen Instrumenten. 68 Kinder spielen in Ensembles mit. Pro Woche werden rund 200 Lektionen erteilt. Farnhammer wies auch auf eine kleine Exklusivität hin: Suhr führt die derzeit einzige Musikschule in der Region, an der das Kontrabassspiel erlernt werden kann.