Sanierungsfall
Lizenzentzug droht: FC Aarau will von der Stadt drei Millionen für Brügglifeld

Beim FC Aarau schliesst man nicht aus, dass der Beschwerdeführer bis vor Bundesgericht geht. In diesem Fall wäre das neue Stadion im Torfeld Süd erst 2020 bezugsbereit. Wie kann der FCA diese Zeitspanne überbrücken?

François Schmid-Bechtel und Ruedi Kuhn
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FCA-Präsident Alfred Schmid an der Pressekonferenz

FCA-Präsident Alfred Schmid an der Pressekonferenz

AZ

Der letzte Strohhalm für eine schnelle Lösung ist geknickt. Beim FC Aarau hatte man darauf gehofft, dass die einzige Beschwerde gegen den Stadion-Neubau zu spät eingereicht worden und deshalb ungültig sei.

Doch nach wochenlangen Abklärungen kam die Regierung zum Schluss: Mit der Beschwerde ist alles in Ordnung. Das bedeutet für den FC Aarau, dass er sich mit dem Worst-Case-Szenario befassen muss. Und dieses sieht vor, dass der Beschwerdeführer bereit ist, bis vor Bundesgericht zu gehen.

Nun muss der Regierungsrat über den Inhalt der Beschwerde entscheiden, die sich gegen die Mantelnutzung des Stadions richtet. Sollte die Beschwerde abgewiesen werden, könnte der Beschwerdeführer ans Verwaltungsgericht des Kantons Aargau gelangen.

Schmettert auch dieses die Beschwerde ab, kann er den Fall ans Bundesgericht weiterziehen. In diesem Fall ist aber frühestens 2017 mit einem Entscheid zu rechnen. Danach vergeht erfahrungsgemäss nochmals ein Jahr, ehe die Bagger auffahren.

Das altehrwürdige Brügglifeld – Der FCA will 3 Millionen Franken von der Stadt

Das altehrwürdige Brügglifeld – Der FCA will 3 Millionen Franken von der Stadt

Keystone

Freiwilliger Abstieg?

Auch wenn nach einem Bundesgerichts-Entscheid die definitive Baubewilligung erteilt würde, wovon die FCA-Führungsspitze zu 99,9 Prozent überzeugt ist, droht dem Klub eine Zerreissprobe.

Entweder zieht sich der FC Aarau freiwillig in die Challenge League zurück; oder er zieht in ein anderes Stadion, beispielsweise nach Luzern; oder er saniert das Brügglifeld; oder ihm wird die Lizenz für die Super League entzogen. Denn schon in den vergangenen Jahren erhielten die Aarauer die Lizenz nur unter Auflagen.

Für nächste Saison sollen die Lizenzbestimmungen sogar noch verschärft werden.

Sonderfall Aarau

Ein Klub, dessen Stadion nicht den Anforderungen der Swiss Football League (SFL) entspricht, erhält nur eine Ausnahmebewilligung, wenn er eine rechtskräftige Baubewilligung für ein neues Stadion oder eine adäquate Renovation vorweisen kann. So sehen es die Lizenzbestimmungen der SFL vor.

Dass die Kommission ihre Regeln nicht konsequent umsetzt, ist das grosse Glück des FC Aarau. Denn dieser bestreitet nun schon die zweite Super-League-Saison in einem Stadion, das in vielen Punkten den Anforderungen der Liga nicht entspricht und das ohne das «Pfand» einer rechtskräftigen Baubewilligung.

Jedoch gibt es vier weitere Klubs in der Super League, die die Auflagen punkto Infrastruktur nicht erfüllen.

Der FC Aarau wird quasi permanent provisorisch promoviert. Aber wie lange noch? Die Liga gerät jedenfalls unter Druck. In Thun beispielsweise fühlt man sich veräppelt, weil man sich beim Stadionneubau an die Vorgaben der Liga gehalten hat.

Dabei ist die Stockhorn Arena mit 10 000 Plätzen eher zu gross. Denn je grösser ein Stadion, desto höher sind die Betriebskosten.

Drei Millionen für eine Rasenheizung

Um in der «Causa FC Aarau» dem Widerstand aus dem Weg zu gehen, bleibt der Liga fast kein anderer Weg, als im kommenden Frühling die Lizenzauflagen punkto Infrastruktur von den Klubs konsequent einzufordern.

«Nach heutigem Stand der Reglemente ist bei der Lizenzerteilung für die Saison 2015/16 der Nachweis einer eingebauten Rasenheizung im bestehenden Stadion erforderlich», sagt Philippe Guggisberg, Kommunikationsverantwortlicher der Swiss Football League.

Gemäss unseren Recherchen hat die Platzgenossenschaft Brügglifeld den Aarauer Stadtrat schriftlich gebeten, dem Einwohnerrat Aarau einen Kredit von zirka drei Milionen Franken für eine Drainage und den Einbau einer Rasenheizung zur Bewilligung vorzulegen.

Notabene ein Kreditrahmen, der nicht vom Volk abgesegnet werden muss. Aber was, wenn die Investition für eine Rasenheizung nicht bewilligt wird?

Verwaltungsrat droht mit Rücktritt

Die Lizenz für die Super League wäre dann wohl nur noch erhältlich, wenn der FC Aarau künftig in ein anderes Stadion umziehen würde. Für die Klubführung mit Präsident Alfred Schmid und Vizepräsiden Roger Geissberger ist dieses Szenario allein schon aus Kostengründen (weniger Fans, höhere Ausgaben) undenkbar.

Ebenso wie eine Fortsetzung ihrer Amtsdauer in der Challenge League, sollte der Klub nicht aus sportlichen, sondern aus strukturellen Gründen absteigen. «Wenn wir die Super-League-Lizenz nicht erhalten und erst mit dem Einzug ins neue Stadion wieder aufsteigen können, wird der aktuelle Verwaltungsrat an der kommenden Generalversammlung vom nächsten Mai zurücktreten», sagt Schmid.

«Aber keine Sorge: Es wäre ein geordneter Rückzug, ohne Leichen im Keller. Sollten wir aber aus sportlichen Gründen absteigen, würden ich meine Kollegen aus dem Verwaltungsrat unsere Verantwortung weiterhin wahrnehmen und mit voller Energie den Wideraufstieg anstreben.»

Ernsthafte Rücktrittsgedanken

Es ist nicht das erste Mal, dass Schmid und Geissberger im Zusammenhang mit der Verzögerung des Stadionbaus von Rücktritt sprechen. Doch nun scheint es ernst zu sein. Obwohl der FC Aarau für Schmid längst zu einer Herzensangelegenheit geworden ist. Aber ein dauerhafter Verbleib in der Challenge League bis das neue Stadion steht ist für die FCA-Führung keine Option.

Gemäss Geissberger sieht die neue Arena 2,5 Millionen Mehreinnahmen bei 1,2 Millionen Mehrausgaben für den Spielbetrieb im neuen Stadion vor. Macht 1,3 Millionen Franken pro Jahr, die dem FC Aarau in seiner Wahrnehmung ab 2016 fehlen, weil eine Einzelperson den Bau verhindert.

Deshalb prüft der FC Aarau eine allfällige Klage gegen den Beschwerdeführer zu einem späteren Zeitpunkt.

Bliebe noch eine Möglichkeit, um den drohenden Lizenzentzug zu verhindern: Auf das neue Stadion verzichten und das Brügglifeld nachhaltig im grösseren Stil renovieren. «Das ist illusorisch», sagt Schmid. «Wollten wir das Brügglifeld zu einem langfristig tauglichen Super-League-Stadion umbauen, hagelt es bestimmt wieder Einsprachen. Ausserdem glaubt die Bauherrin HRS trotz allen Hürden weiterhin an den Stadionneubau im Torfeld Süd.»

ho/FCA

Die Pressekonferenz des FC Aarau vom Montagmorgen im Liveticker zum Nachlesen: