Ein orangefarbener und ein schwarz-weiss-gestreifter Stuhl standen bereit. Darauf Platz nahmen Stadtpräsidentin Jolanda Urech und Moderator Samuel Steiner. Vor ihnen waren zwei Mikrofone mit dem weissen Logo von Radio Kanal K aufgestellt. Dahinter ein kleiner Tisch mit Computer und Mischpult.

In der Stadtbibliothek Aarau wurde am Sonntag Radio gemacht und die Sendung «Fernweh am Sonntag» live übertragen. Rund dreissig Zuschauer lauschten Musik, Beiträgen, Fragen und Antworten rund um Kultur, Politik und die Kunsteisbahn Aarau (Keba). Einige mehr werden zu Hause oder unterwegs als Zuhörer am Radio den Anlass mitverfolgt haben.

Für «Fernweh am Sonntag» hatte Jolanda Urech ihr Lieblingsbuch mitgebracht. «Das Leben ist gut» von Alex Capus. Das Buch habe sie ausgewählt, bevor sie es gelesen habe, verriet Stadtpräsidentin Jolanda Urech. Worauf der Moderator bemerkte: «Sie haben ein Vorschuss-Vertrauen in Capus.» Das sorgte für Lacher im Publikum.

Jolanda Urech bestätigte dies: «Ich habe schon viel von Alex Capus gelesen und seine Sprache hat mich immer sehr angesprochen». Am aktuellen Buch gefielen ihr die Geschichten mit wahrem Kern, die sich ins Surreale entwickelten. «Ein lustiges und dennoch ernsthaftes Buch», sagte Urech. Mit der Romanfigur Max habe sie sich gut identifizieren können; er sei ein Mensch, der manchmal wie ein Stachel in diese Gesellschaft sei. Durch das Führen seiner Bar biete er Menschen einen Ort, wo die unterschiedlichsten Geschichten Platz hätten.

«Wir haben Fehler gemacht»

Damit leitete Moderator Samuel Steiner über zur Politik. «Alex Capus ist Sozialdemokrat wie Sie und war Präsident der SP Olten – wünscht man sich da nicht eine konfliktträchtige Geschichte?», fragte er. «‹Das Leben ist gut› ist nicht primär ein politisches Buch; die Frage ist aber, ob es das sein müsste, nur weil der Autor Präsident der SP Olten war», konterte die Stadtpräsidentin und erzählte, wie sie selber zur Politik gekommen ist. Konkrete Themen hätten ihr Interesse geweckt; die Demonstration gegen den Bau des AKW Gösgen und die Frauenbewegung.

Auch Umwelt- und Energiefragen kamen im Gespräch in der Stadtbibliothek zur Sprache. Immer wieder wurde die Stadt Baden genannt. Jolanda Urech: «Sie ist für Aarau eine Schwesterstadt. Wir pflegen freundschaftliche Konkurrenz und fordern uns gegenseitig auf eine gute Art in politischen Fragen heraus.» Auch zum Keba-Debakel nahm die Stadtpräsidentin Stellung: «Wir haben Fehler gemacht. Aus diesen wollen wir lernen. Vor allem aber wollen wir eine Lösung finden, damit die Keba bis zur nächsten Saison nutzbar ist und somit allen dient».

Im letzten Ranking zur Lebensqualität hatte Aarau eine hohe Punktzahl erreicht. Abzug gab es bei der Gesundheit. Und das trotz einer hohen Dichte an Spitälern. «Der Grund dafür ist, dass Aarau nahe an einem AKW liegt», sagte Urech dazu. Und der Moderator scherzte sogleich: «Hätten Sie damals den Bau des AKW Gösgen verhindert, wäre das Ranking besser ausgefallen.»