Aarau
Littering, Falschparker, männliches Imponiergehabe: Was die Stadtpolizei letztes Jahr bewegt hat

Die Aarauer Stadtpolizisten erleben viele aussergewöhnliche Augenblicke in ihrem Beruf – gute wie schlechte. Stadtpolizei-Chef Daniel Ringier erzählt.

Nadja Rohner
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Die Stadtpolizei hat 2016 auch besonders auf missbräuchliches Parkieren auf den gelb markierten Güterumschlagflächen an der Kasinostrasse geachtet. Nadja Rohner

Die Stadtpolizei hat 2016 auch besonders auf missbräuchliches Parkieren auf den gelb markierten Güterumschlagflächen an der Kasinostrasse geachtet. Nadja Rohner

Nadja Rohner

Für Daniel Ringier wars ein gutes Jahr. Und das heisst für den Chef der Aarauer Stadtpolizei nicht in erster Linie, dass sein Zuständigkeitsgebiet von allen Falschparkern, Abfallsündern und Kneipenprüglern befreit wurde. Sondern dass Ringiers Leute den Dienst unbeschadet überstanden haben. «Sie gesund durchs Jahr zu bringen, ist meine Sorge Nummer 1», sagt Ringier. Dass das gelungen ist, ist keine Selbstverständlichkeit: 20 Anzeigen wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte reichte die Stadtpolizei im letzten Jahr ein. «Und das sind nur die massiven, körperlichen Attacken», sagt Ringier. Die primitiven Beschimpfungen gehen den Beamten meist «zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr wieder raus».

140 Verzeigungen wegen Littering

Ringiers zweite Sorge gilt der Ruhe und Ordnung auf dem Platz Aarau. Jedes Jahr definiert die Stadtpolizei Schwerpunkte, auf die sie besonderes Augenmerk legt. 2016 war das beispielsweise Littering. Abfallsünder zu erwischen, sei besonders personalintensiv, so Ringier. Man muss sie in flagranti ertappen, was oft eine längere Beobachtung der Person erfordert. Es gibt jedoch auch solche, die dreist – oder dumm – genug sind, die Zigarette gleich neben einem Stadtpolizisten auf den Boden fallen zu lassen. «Oft nicht mal mit bösem Willen, sondern einfach aus Gedankenlosigkeit», sagt Ringier. 140 Personen wurde 2016 wegen Litterings verzeigt.

Ein weiterer Schwerpunkt war für die Stadtpolizei der Lärm im Strassenverkehr durch zu laute Musik im Auto oder durch unnötig heftiges Beschleunigen, sogenannte Kavalierstarts. «Männliches Imponiergehabe» nennt Daniel Ringier das. Passanten an der Aarauer Bahnhofstrasse können ein Liedchen davon singen. Wer erwischt wird, erhält eine Busse – rund 50 Personen waren es letztes Jahr.

Daniel Ringier

Daniel Ringier

Sabine Kuster

Besonders geachtet habe die Stadtpolizei auch auf den «Missbrauch der Güterumschlagfelder an der Kasinostrasse», berichtet Ringier. Die Stapo erwische immer wieder Autofahrer, die dort während der ganzen Mittagspause parkieren, was nicht erlaubt sei. «Das gibt dann eine teure Mittagspause.» Überhaupt beobachte die Polizei relativ viele unkorrekt abgestellte Autos im Bereich «Zwischen den Toren» oder «Holzmarkt». «Die Leute haben oft wenig Ahnung, was erlaubt ist und was nicht», konstatiert Ringier. «Beim Holzmarkt zum Beispiel hat es kein Parkverbotsschild, weil es keines braucht. In der 20er-Zone darf man grundsätzlich nicht parkieren, ausser es hat hierfür markierte Parkfelder.»

Die Stapo ist 2016 insgesamt 26 253 Stunden uniformiert patrouilliert und hat 3392 Stunden für die Kontrolle geparkter Autos aufgewendet. Etwa 15 000 Parkbussen wurden ausgestellt.

Nachtruhestörung und Streitereien

158 Mal musste die Stapo ausrücken, weil sich jemand in seiner Nachtruhe gestört fühlte. «Ob wir dann gleich Bussen ausstellen, hängt sehr davon ab, ob sich die Lärmverursacher einsichtig zeigen», sagt Ringier. Hotspots seien im Sommer die Aareufer, öffentliche Plätze und Pärke, im Winter das Innere des Citymärts. Wegen Verdachts auf häusliche Gewalt wurde die Stapo 144 Mal aufgeboten, 324 musste sie intervenieren, weil sich im öffentlichen Raum Leute gestritten haben.

83 Anzeigen wegen Betäubungsmittelvergehens hat die Stadtpolizei gemacht, wovon mehr als die Hälfte im Ordnungsbussenverfahren unkompliziert abgewickelt wurden. «Wir machen nicht gezielt Jagd auf Kiffer», sagt Ringier. Nur, wenn der Patrouille etwas auffalle – etwa der Geruch – schreite sie ein.

Beschäftigt habe die Stadtpolizei auch «die äusserst dynamische Thematik Asylwesen». Ringier betont: «Die wenigsten benehmen sich nicht korrekt. Es sind vielleicht drei Dutzend Leute, die relativ happige Probleme machen. Diese beschäftigen die Polizei und die Medien in einem Ausmass, das die weit über tausend friedlichen Asylsuchenden, die sich auch hier aufhalten, überschattet.»

Mit 90 km/h durch die Innenstadt

Insgesamt führte die Stadtpolizei im letzten Jahr 429 Geschwindigkeitskontrollen durch, rund 80 Prozent in der Stadt Aarau. Von 308 760 gemessenen Fahrzeugen waren 14 395 (knapp 5 Prozent) zu schnell unterwegs. Die meisten Fälle konnten im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden, 93 Fahrer wurden an die Staatsanwaltschaft verzeigt.

Einen besonders krassen Geschwindigkeitsexzess habe es 2016 nicht gegeben, Daniel Ringier erinnert sich jedoch an einen etwas länger zurückliegenden Fall, bei dem ein Autofahrer auf der Bahnhofstrasse kurz vor dem Kreuzplatz mit über 90 km/h auf dem Tacho erwischt wurde.

Die meisten Messungen macht die Stadtpolizei übrigens im Bereich von Schulhäusern. Selbst wenn dort oft niemand beim zu schnellen Fahren erwischt wird. Ringier: «Wir könnten jeden Tag an die Schönenwerderstrasse stehen und dort ernten. Aber das ist nicht das Ziel. Es braucht uns überall, aber überraschend.»

Ein Thema ist auch immer wieder die Videokamera, die das Fahrverbot am Zollrain überwacht. Im Schnitt registriert sie jeden Tag 5 Übertretungen. Jede kostet den Fahrer 100 Franken – insgesamt spült diese Kamera also nahezu 200 000 Franken pro Jahr in die Stadtkasse.

Rund 1,6 Mio. Bussengelder

Gut 100 Ordnungsbussen stellt die Stadtpolizei jeden Tag aus. Wie viel das 2016 eingebracht hat, lässt sich erst grob beziffern – Daniel Ringier rechnet mit etwa 1,6 Mio. Franken. Das Meiste davon kommt aus dem Bereich Verkehr. «Es sind jedes Jahr 5 bis 10 Prozent weniger, obwohl wir gleich viele Kontrollen durchführen», sagt Ringier. «Der Verkehr wird langsamer, weil er an sich selber erstickt.»

2016 gingen 414 Meldungen wegen Velo- oder Mofadiebstahls ein. Gleichzeitig wurden 460 Funde gemeldet. Die Stapo versucht jeweils herauszufinden, wem die Velos gehören. Gelingt das nicht, holt sie nach einer gewissen Zeit der Velohändler ab.

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