Aarau
Littering: «Am Morgen sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen»

Im Coronajahr ist das Littering im öffentlichen Raum besonders schlimm. Jetzt soll die Stadt an den Clean-Up-Days aufgeräumt werden.

Nadja Rohner
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Littering ist vor allem in den stadtnahen Landschaften entlang der Flüsse ein Problem.

Littering ist vor allem in den stadtnahen Landschaften entlang der Flüsse ein Problem.

Michael Hunziker

«Diese Entwicklung in den letzten Jahren ist unsäglich!» – die sonst so diplomatische Aarauer Stadträtin Suzanne Marclay-Merz findet deutliche Worte für die Zunahme an Littering in der Kantonshauptstadt, für «das sorglose Liegenlassen des Abfalls, den dann Andere in mühsamer Sisyphusarbeit aufräumen müssen».

Seit Anfang Jahr können in Aarau die Güselsünder mit 300 Franken gebüsst werden. Vorher waren es nur 40. «Die Stadtpolizei wird ihre Kontrollen in den nächsten Wochen massiv verstärken», sagt Marclay-Merz.

Das passiert im Zusammenhang mit den Clean-Up-Days Aarau. Ein Event unter der Federführung von Aarau Standortmarketing, bei dem Freiwillige die Stadt von Güsel befreien. Damit soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden.

Mit Fötzelen und «Plogging» gegen den Müll

Jeder ist eingeladen, mitzumachen: Am 6. September kann man mit «Unverpackt Aarau» fötzelen, am 9. September mit der Güselwehr Aarau auf Tour gehen oder dann – für die etwas Sportlicheren – am 10. September beim sogenannten «Plogging» mit Aarauoutdoor den Müll während der Joggingrunde auflesen. Material, wie etwa Kehrichtsäcke und Müll-Greifzangen, werden zur Verfügung gestellt.

Am Samstag, 12. September, findet in der Igelweid eine Standaktion statt. Dann werden unter anderem auch die Zigarettenstummel ausgestellt, die während der Clean-Up-Days eingesammelt wurden. Informieren und anmelden kann man sich unter www.aarauinfo.ch/clean-up.

Die Sensibilisierung ist dringend nötig. Da sind sich Heiri Hochueli (Güselwehr Aarau) und Viktor Schiess («Unverpackt») einig. Laut Hochueli sind die Littering-Hotspots derzeit das Affenwäldli, der Spittelgarten, das Gebiet um die Stadtkirche und die Schlössliwiese.

«Dort sieht es am Samstagmorgen jeweils aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wir räumen dann beispielsweise auf der Schlössliwiese sieben bis zehn Schnapsflaschen und 30 Dosen zusammen.» Die Güselwehr geht übrigens auch ausserhalb der Clean-Up-Days jeden Samstag um sieben Uhr auf Tour und sucht noch Verstärkung.

Gesamtheitlicher Umgang mit Littering gewünscht

Viktor Schiess vom «Unverpackt» ist der Ansicht, man müsse das Thema Littering gesamtheitlicher betrachten – also auch bei unnötigem Verpackungsmaterial genauer hinsehen. Er bemerkt immerhin eine positive Entwicklung: «Wir erhalten zahlreiche Anfragen für Interviews im Zusammenhang mit Matur- oder Masterarbeiten. Das Thema ist bei den Jungen präsent.»

Genau dort müsse man auch ansetzen, findet Suzanne Marclay-Merz: «Es fängt schon bei der Erziehung an: Die Kinder müssen lernen, selber aufzuräumen. Man darf nicht alles für sie erledigen.» (nro)