Das Krankenheim Lindenfeld soll um eine Station für weglaufgefährdete demente Personen erweitert werden. Im November 2015 hat der Gemeindeverband Lindenfeld, dem 28 Gemeinden aus der erweiterten Region Aarau angehören, grünes Licht gegeben für das sogenannte «Haus am Teich». Damals hat er einen Kredit von 8,6 Mio. Franken für das Projekt bewilligt. Nun muss er zur Kenntnis nehmen, dass sich dieses um 2,63 Mio. Franken verteuert.

Den Abgeordneten des Zweckverbandes, die sich am 17. Mai zu ihrer Versammlung treffen, liegt deshalb ein Antrag vor, der die Finanzierung der Mehrkosten absegnen soll: Im Wesentlichen geht es darum, dass die Abgeordneten Präsident Beat Rüetschi und Direktor Thomas Holliger ermächtigen, «die finanziellen Belange im Rahmen des geplanten Projekts und im Umfang von 11 230 000 Franken (2 630 000 Franken zusätzlich zu den bewilligten 86 000 000 Franken) zu regeln und freizugeben.»

Die Lindenfeld-Finanzen sind gesund. Gemäss Geschäftsbericht hat das Heim 2016 einen kleinen Gewinn von rund 11 000 Franken erwirtschaftet, der dem Gewinnvortrag gutgeschrieben wurde. Gleichzeitig wurden Rückstellungen in der Höhe von 730 000 Franken gebildet. Das Lindenfeld verfügt über Stille Reserven im Umfang von nahezu 26 Mio. Franken. Die Liquidität liegt bei rund 7 Mio. Franken.

Reserven bleiben unangetastet

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass das Lindenfeld-Hauptgebäude bis auf den letzten Franken abgeschrieben ist, hat offenbar die Hausbank Bereitschaft signalisiert, einen Kredit von 10 Mio. Franken zu gewähren. Das würde bedeuten, dass das Lindenfeld nicht gezwungen wäre, seine Cash-Reserven anzugreifen. Am 17. Mai haben die Abgeordneten deshalb darüber zu befinden, ob sie Präsident und Direktor ermächtigen wollen, die notwendigen Schritte einzuleiten, um einen entsprechenden Schuldbrief errichten zu lassen.

Was hat zur massiven Verteuerung des Projekts geführt? Am «Haus am Teich», schreibt Direktor Thomas Holliger im Geschäftsbericht, habe man zwar 2016 weiterarbeiten können, «wenn auch nicht immer ganz in unserem Sinne». Zur Erinnerung: Nach dem Ausschreibeverfahren erfolgte die Vergabe an einen Generalunternehmer (GU). Gegen diese wurde Einsprache erhoben. Zur Hauptsache mit der Begründung, dem Kostenfaktor sei zu wenig, dem Qualitätsfaktor zu viel Bedeutung zugemessen worden. Das Verwaltungsgericht hiess die Einsprache teilweise gut. In der Folge musste das Projekt abgebrochen und erneut ausgeschrieben werden.

Nun doch keine Pavillons

Vorstand und Geschäftsleitung entschieden sich hierauf, kein GU-Verfahren mehr auszuschreiben, sondern nach dem Normverfahren vorzugehen. Gleichzeitig veränderte sich die bauliche Ausgangslage total: Statt der ursprünglich vorgesehenen Pavillons (Zimmer-Container-Lösung) wurde nun ein normaler Holzbau geplant. Alle Zimmer sollten jetzt auch als Zweierzimmer ausgelegt werden können, um eine hohe Flexibilität für die künftige Nutzung zu erreichen. Auf eine Anregung aus dem Quartier hin beschloss man zudem, eine Tiefgarage mit einem bewirtschafteten Parkplatzangebot zu bauen. Die für die Tiefgarage veranschlagten Kosten belaufen sich auf 1,3 Mio. Franken.

In der Auflistung der einzelnen Faktoren, die zur Verteuerung des Ganzen führten, nehmen die Erweiterung des Untergeschosses (Ausbau zur Einstellhalle: 800 000 Franken) und «weitere bauliche Anpassungsmassnahmen» (752 000 Franken) von der Dimension her die vordersten beiden Plätze ein. Mehrkosten in geringerem Ausmass, vor allem aber eine Verzögerung des Baustarts verursachte im vergangenen Winter auch die vom Kanton verordnete Baugrundanalyse. Die Bohrungen waren erforderlich, weil es sich bei dem Gelände um einen belasteten Standort handelt. Keinen Einfluss auf die Kostenentwicklung hatten die Diskussionen um den Schlittelhügel, welcher der Demenzstation weichen muss.