Gränichen
Liebegg: Asylpläne lösen in der Bevölkerung lautes Zähneknirschen aus

An der Infoveranstaltung in der Mehrzweckhalle Gränichen zur Asylunterkunft auf der Liebegg nahmen gestern Abend 250 Personen teil. Der Gemeinderat, Schulkommission, Bauernverband und Bevölkerung stehen dem Projekt des Kantons kritisch gegenüber.

Fabian Hägler
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Gemeinderat Ruedi Gautschi (SVP) fordert, dass sich keine Gemeinde von der Aufnahmepflicht für Asylbewerber freikaufen kann.

Gemeinderat Ruedi Gautschi (SVP) fordert, dass sich keine Gemeinde von der Aufnahmepflicht für Asylbewerber freikaufen kann.

Alex Spichale

60 Asylbewerber will der Kanton im militärischen Teil des Kommandopostens auf dem Gelände des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg in Gränichen unterbringen. Dass die Pläne in der Gemeinde auf wenig Gegenliebe stossen, zeigte eine Infoveranstaltung mit rund 250 Teilnehmern am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle.

«Der Gemeinderat war von Anfang an gegen diese Unterkunft und hat alles unternommen, um das Vorhaben zu verhindern», sagte Gemeindeammann Rolf Arber.

«Wir haben alle Rechtsmittel ausgeschöpft, Briefe an den Kanton geschrieben und im persönlichen Gespräch mit Regierungsrätin Hochuli versucht, das Departement von der geplanten Asylunterkunft in der Liebegg abzubringen.»

Jurist soll Baugesuch genau prüfen

Eine letzte kleine Chance, die Asylunterkunft zu verhindern, sieht Arber beim Baugesuch, das gestern eingereicht wurde. Zwar gehöre das Schulgelände dem Kanton und einspracheberechtigt seien nur Nachbarn, die weniger als 150 Meter davon entfernt wohnen.

Dennoch will der Gemeinderat das Baugesuch durch einen Juristen prüfen lassen. «Der soll untersuchen, ob es Sachen gibt, die uns der Kanton nie bewilligen würde, sich aber selber bewilligt», sagte Arber.

«Wir sind immer noch der Meinung, dass die Liebegg kein geeigneter Standort für eine Asylunterkunft ist», sagte Hansjörg Erne, SVP-Grossrat und Präsident der Schulkommission Liebegg.

Zusammen mit Vertretern des Bauernverbandes und Grossräten aus der Region wurde Erne am Montag detailliert über das Projekt informiert, das seit August 2013 bekannt ist. Ernes Vorbehalte konnten die Kantonsvertreter nicht völlig ausräumen.

Insbesondere befürchtet er Konflikte mit dem Schulbetrieb. «Es gibt im Areal kaum Platz, wo sich die Menschen aufhalten können, wenn sie nicht in der unterirdischen Unterkunft sind».

Hier will der Kanton mit einem Aufenthaltscontainer Abhilfe schaffen, wie Ivica Grgic, Leiter Fachbereich Sicherheit und Logistik Asyl, darlegte.

Zudem sind ein neuer Fussweg und eine provisorische Passerelle als Zugang zur Unterkunft vorgesehen. In der unterirdischen Anlage sollen die Sanitäreinrichtungen ergänzt, der Brandschutz und die Fluchtwege angepasst und einige Küchengeräte ersetzt werden, erklärte Grgic.

Betrieb auf drei Jahre befristet

Der Betrieb der Unterkunft Liebegg ist auf drei Jahre befristet. Laut Stephan Müller, Leiter Fachbereich Unterbringung und Betreuung, ist eine Belegung mit Einzelmännern vorgesehen, die sich im laufenden Asylverfahren befinden. Die Asylsuchenden sollen maximal drei bis sechs Monate in der Unterkunft bleiben.

Schulpräsident Erne stellte für den Betrieb der Asylunterkunft mehrere Forderungen auf. «Wir verlangen eine Entflechtung der Zugänge, einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst, ein Sicherheits- und Notfallkonzept, das vor Baubeginn vorliegen muss, und ein resolutes Durchgreifen, wenn Probleme auftreten sollten.»

Stephan Müller sicherte dies zu und ergänzte, es sei eine enge Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Sanität vorgesehen.

Nicht begeistert über die Pläne ist auch Alois Huber, Präsident des Aargauer Bauernverbandes. Der SVP-Grossrat befürchtet, dass die Schülerzahlen der Liebegg sinken. «Ich habe Rückmeldungen von Interessenten, die Bedenken haben und eine ausserkantonale Lehrstelle suchen», sagt er.

«Sicher ist, dass die Attraktivität der Schule mit der Asylunterkunft sinkt», betont der Bauernpräsident.

Fragen und Ängste bei Bevölkerung

In der mehr als einstündigen Diskussion wurden viel Vorbehalte laut. Eine Mutter kritisierte, der Zugang zur Asylunterkunft sei zugleich der Schulweg ihrer Kinder, eine andere Frau wollte wissen, wie sich Dorfläden vor Diebstahl schützen könnten, ein Mann befürchtete, die Asylbewerber könnten Anlässe auf dem nahen Schloss stören.

Mehrere Einwohner kritisierten die unterirdische Anlage als ungeeignet, einer befürchtete, die Situation könnte «ausarten».

Ein weiteres Thema waren die Kosten, ein Redner bezweifelte, dass die knapp 180 000 Franken für die Umbauten reichen.

Mehrfach wurden Befürchtungen laut, wegen Einsätzen von Feuerwehr oder Regionalpolizei könnten für die Gemeinde zusätzliche Kosten entstehen.

Obwohl die Vertreter des Kantons die Bedenken mit Verweis auf Erfahrungen in anderen Unterkünften zu entkräften versuchten, blieb die Grundhaltung im Publikum fast durchwegs kritisch.

Dennoch gab es auch Applaus für die einzige positive Meinung aus dem Saal. Eine ältere Frau wünschte sich, dass die Gränicher «mutig und hoffnungsvoll mit der neuen Situation umgehen».