Aarau Rohr

Letzte Baulandreserve: Entwicklung des Hinterfeld-Areals ist umstritten

Das Bauland im Hinterfeld in Rohr gehört grösstenteils der Stadt und den Ortsbürgern. Sabine Kuster/Archiv

Das Bauland im Hinterfeld in Rohr gehört grösstenteils der Stadt und den Ortsbürgern. Sabine Kuster/Archiv

Das Rohrer Gebiet Hinterfeld ist die letzte Baulandreserve Aaraus. In rund vier Jahren sollen hier Wohnungen für rund 500 Einwohner entstehen. Der Aarauer Stadtrat präsentiert Vernehmlassung zum Ausbau – die SP übt Kritik.

Das Rohrer Gebiet Hinterfeld ist die letzte unüberbaute Baulandreserve Aaraus. Rund 4,5 ha gross ist das Areal östlich von Gemeindehaus, Schule und Kirche. Ab 2020 soll hier Wohnraum für rund 500 Einwohner entstehen. Dafür braucht es einen Gestaltungsplan. Die Vernehmlassung dazu fand im Frühsommer statt.

Nun legt der Stadtrat die Ergebnisse vor. Teilgenommen haben 42 Privatpersonen – hauptsächlich Rohrer –, vier Parteien und die IG Hinterfeld. Die Entwicklungsvorschläge seien «von einer Mehrheit positiv beurteilt» worden», so der Stadtrat in der Medienmitteilung.

Es habe sich gezeigt, dass «bei der Festlegung der Gebäudelängen und -höhen sowie bei der Bebauungsdichte besondere Sorgfalt notwendig ist». Die Teilnehmer hätten sich besonders für verschiedene Wohnformen und eine gute Integration der Bauten in die Landschaft ausgesprochen.

Kritik von der SP

Die SP Aarau reagierte gestern prompt auf die Medienmitteilung: «Wir nehmen mit grossem Bedauern zur Kenntnis, dass der Stadtrat verschweigt, dass unter anderem die IG Hinterfeld und die grösste Partei in Aarau sich klar gegen das Projekt ausgesprochen haben», schreibt Parteipräsidentin und Einwohnerrätin Gabriela Suter. Auf Anfrage wird sie konkreter: «Wir finden die Medienmitteilung der Stadt beschönigend. Es gibt starke Kritik gegen die Arealentwicklung.»

Das stimme so nicht, sagt Stadtrat Lukas Pfisterer auf Anfrage. Die IG arbeite kritisch, aber konstruktiv mit. Zur Kritik der SP an der Arealentwicklung äussere er sich nicht.

Gabriela Suter erklärt, die SP fordere, zuerst andere Stadtgebiete zu entwickeln, «statt eine grüne Wiese zu überbauen». Vor allem im Torfeld Nord, auf dem Kasernenareal oder in der Telli gebe es genügend Verdichtungspotenzial. «Das Raumentwicklungsleitbild sieht ja auch vor, im Zentrum zu verdichten und nicht an der Peripherie», sagt sie. Wenn man nun diese letzte unüberbaute Landreserve nutze, bleibe für kommende Generationen nichts mehr übrig.

Zweitens meldet die SP Bedenken bezüglich des Infrastruktur-Ausbaus an, der «für die bessere Anbindung an das Stadtzentrum dringend notwendig» sei. Suter: «Das Hinterfeld ist, wie der Name schon sagt, ziemlich weit hinten. Die Bebauung brächte erheblichen Mehrverkehr.» Bereits heute seien die Strassen von Rohr Richtung Zentrum stark beansprucht, die Busse stünden regelmässig im Stau. «Mit dem Velo braucht man zehn bis fünfzehn Minuten. Bei der Fusion wurde den Rohrern eine bessere Langsamverkehrs-Verbindung ins Zentrum versprochen. Sie warten bis heute darauf.» Immerhin: Die Planer haben nach der Vernehmlassung die Entwicklungsleitsätze ergänzt. Sie beinhalten neu «die Förderung einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung».

Ob die SP-Einwohnerratsfraktion in Sachen Hinterfeld demnächst aktiv wird, ist laut Gabriela Suter noch offen. Derweil geht die Arealentwicklung in die nächste Runde. Ein neues Resonanzgremium mit Vertretern aus dem Stadtteilverein Rohr, der IG Hinterfeld und des Einwohnerrats ergänzt das Organisationsteam. 2016 soll ein Richtprojekt ausgearbeitet werden, das die Grundlage für den Gestaltungsplan bildet. Allerdings: Der Einwohnerrat hat im Zuge der Sparbemühungen die 50 000 Franken für die Erschliessungs-Projektierung aus dem Budget 2016 gestrichen. Der Antrag kam von der SVP-Fraktion und wurde mit Ausnahme der FDP von allen unterstützt.

Der Stadtrat akzeptiere dies so, sagt Lukas Pfisterer. Die laufende Planungsphase könne man noch abschliessen, die nächste sei vorerst auf Eis gelegt.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1