Publizität kommt in Schüben. Da kann es um eine Person jahrelang ruhig sein, und dann schafft sie es über Monate ständig in die Zeitungen. So kann es auch unbelebten Objekten gehen – wie der Markthalle. Im März wurde sie von Brandstiftern angezündet, nur aufmerksame Nachbarn und ein rascher Einsatz der Feuerwehr verhinderten grössere Schäden. Eine Schlagzeile gabs dennoch.

Nun schaffte es das Bauwerk in die Mai-Ausgabe von «encore!», die Lifestyle-Beilage der Sonntagszeitung mit einem Beitrag über «Märkte für wahre Geniesser». Ein Architekturdozent lobt im Artikel die Markthalle als positives Beispiel eines «kleinen Verkaufspunkts im urbanen Raum», sie stünde da «wie ein urbanes Möbelstück». «Die Holzkonstruktion wirkt optisch leicht und elegant», steht im Beschrieb, «die vertikalen Lamellen lassen das Gebäude durchlässig erscheinen.»

Das Problem der Markthalle ist, dass sie eben nicht nur durchlässig erscheint, sondern es auch ist. Das sagt jeder, den man fragt. Als «Villa Durchzug» wird das oben seitlich offene Gebäude auch bezeichnet.

Mehrheit ist gegen die Halle

Zur aktuellen Medienpräsenz der Markthalle führte denn auch auch die Anfrage von Einwohnerrat Peter Roschi (az vom 20. 5.), der die Zweckmässigkeit und letztlich die Daseinsberechtigung der Halle infrage stellt. «Mag eigentlich irgendjemand die Markthalle?», wollte daraufhin die az in einer Online-Umfrage von ihren Lesern wissen.

Die Anwort: Ja, es gibt bekennende Markthallenfans. Aber: Sie sind in der Minderheit. 70 Prozent der Umfrageteilnehmer (genauer: 227 Personen) stimmten dafür, dass die Halle abgerissen werden soll.

In den Kommentarspalten sowie den Sozialen Medien fanden die Leser klare Worte. Ein «planerischer Schildbürgerstreich», «eine absolute Katastrophe» sei die Halle. «Das ist ein Marktschopf, keine Markthalle;» schrieb jemand. «Seinen Zweck hat dieses Teil noch nie erfüllt. Es zieht durch und regnet rein», hiess es weiter, «und der Platz wird unnötig eingeengt.» – Funktional wie auch optisch sei die Halle eine Enttäuschung, die «der restlichen positiven Stadtentwicklung» nie gerecht worden sei. «Schenkt das Teil einem Bergbauern als Maschinenunterstand! Denn mit dem Durchzug würde es sich nicht einmal als Viehstall eignen», befand ein Leser, während ein anderer riet, man möge das Gebäude doch als Hirschstall dem Wildpark Roggenhausen vermachen, «dafür wäre es ganz ansprechend».

Neben einigem Spott gab es auch Voten, die konkrete Probleme ansprachen, etwa dieses hier: «Die Markthalle ist für Fremd-Veranstalter kaum zu buchen, wegen der Lärm-Auflagen.» Dass sie aus tontechnischer Sicht schwierig zu bespielen ist, hatten auch die Veranstalter der «Flössi»-Disco bemängelt und die Halle als Standort abgelehnt.

Ob der Stadtrat nun tatsächlich in Betracht zieht, die Halle abzureissen, wird noch nicht so bald beantwortet. Roschis Anfrage ist erst gerade eingegangen. Die az-Leser sind sich jedoch einig, dass sie nicht durch ein anderes Bauwerk ersetzt werden sollte, sondern der Platz als eine Art urbane Piazza frei bleiben und schön gestaltet werden solle.