Lenzburg
Lenzburger haben Interesse an den Aarauer Karabinern

Das Lenzburger Freischarencorps hätte zumindest für einen Teil der 300 ausrangierten Aarauer Kadettengewehre Verwendung. Es ist daher an einem Kauf interessiert. Ein entsprechendes Gesuch soll demnächst an den Aarauer Stadtrat abgeschickt werden.

Hermann Rauber
Merken
Drucken
Teilen
Einige der 300 Aarauer Karabiner.

Einige der 300 Aarauer Karabiner.

hr

Der Bericht in der az Aargauer Zeitung vom 19. Januar über das (fast) vergessene Depot des 1972 aufgelösten Kadettenkorps Aarau auf dem Dachboden des Zelglischulhauses hat ordentlich Staub aufgewirbelt. Gemeldet hat sich namentlich Urs F. Meier, der vor kurzem ins Glied zurückgetretene General der Lenzbur-ger Freischaren. Für das als «Landschaftstheater» deklarierte Manöver gegen die Kadetten, ein historischer Brauch, sind Kadettenkarabiner und andere Utensilien wie Patronentaschen oder Ceinturons unentbehrlich. Deshalb ist das Lenzburger Freischarencorps mindestens an einem Kontingent der ausrangierten Aarauer Gewehre interessiert. Eine Anfrage nach der Zuständigkeit im Aarauer Rathaus ergab, dass laut Stadtammann Marcel Guignard «Kaufinteressenten am besten schriftlich ein Gesuch an den Stadtrat stellen». Das soll laut Urs F. Meier bereits in den nächsten Tagen geschehen.

Gemäss Doris Mayr-Ackermann, die als Lehrerin an der Bezirksschule Aarau mehr als zwei Jahrzehnte der Kadetten- respektive Schulsportkommission angehörte, wurden die Kadettengewehre nach Auflösung des Korps anno 1972 vorerst im obersten Stock der alten Maienzugküche auf dem Schanzmätteli gelagert. «Anfänglich haben Klaus Wassmer und Karl Fehlmann als Kommissionsmitglieder einmal pro Jahr alle Waffen gefettet und kontrolliert», kann sich Doris Mayr erinnern. In einer einmaligen Aktion wurden in den 80er-Jahren defekte Kadettengewehre öffentlich versteigert, ebenso nicht mehr spielbare Instrumente der Kadettenmusik.

Der bessere Teil der Kadettengewehre musste dann wegen Platzproblemen Ende der 90er-Jahre auf den Estrich des Bezirksschulhauses gezügelt werden, wo auch Textilien und übriges Zubehör, unter anderem Offizierssäbel, eine neue Bleibe fanden. Die 1939 auf das Jubiläum «150 Jahre Kadettenkorps Aarau» nachgeschneiderten historischen Uniformen waren letztmals am grossen Umzug zum Fest «700 Jahre Stadtrecht» 1983 in Aarau zu sehen.

Dass das Aarauer Kadettenwesen vier Jahrzehnte nach der Abschaffung wieder in den Fokus rückt, ist das Verdienst von Rainer Hoffmann, Kaspar Hangartner und Theo Schäfer, die im kommenden Juni eine Schrift mit dem Titel «Die Aarauer Kadettenmajore» herausgeben werden. Angesprochen fühlte sich angesichts dieses Buchprojektes auch der älteste noch lebende Kadettenmajor, der in Brugg wohnhafte Robert Wuffli, der mit Jahrgang 1919 in der Zeit von 1934/35 diesen Grad in der Kantonshauptstadt bekleidete. Er habe, so berichtet Wuffli, die Beförderung zum Kadettenmajor unter anderem «dank einer kräftigen Stimme» geschafft. Den schulischen Leistungen sei dies «allerdings nicht gerade förderlich gewesen, denn mein Interesse galt in der Abschlussklasse der Aarauer Bezirksschule nur noch dem Kadettenwesen», hält er rückblickend schmunzelnd fest.

Geschossen wurde damals mit dem umgerüsteten Kadettengewehr, «einer Ableitung der militärischen Ordonnanzwaffe Modell 1889», und zwar einschüssig, das heisst ohne Magazin. Zudem übten die Kadetten laut Robert Wuffli «den Gewehrgriff, das Schultern und das An- und Umhängen». Im Winter hingegen standen vor allem Orientierungsläufe in der Aarauer Umgebung auf dem Programm, «die Waffen blieben zu Hause».