Oberentfelden

Leichen im Keller und rotzfreche Reime

Die Haushälterin stellt Bedingungen.

Die Haushälterin stellt Bedingungen.

Mit der Komödie «… und dr Tag cha cho» feierte die Theatergesellschaft eine gelungene Premiere.

Wer Theater spielt, leistet kulturelle Freiwilligenarbeit, die auch Vergnügen bereitet. Für eine Produktion braucht es freilich nicht nur die Spieler auf der Bühne. Seit Jahren mit Herzblut als «Wirtin» dabei ist Mägi Neeser (63). Das Restaurant ist wichtiger Einnahmeposten für den Verein. «Es gibt Penne mit vier verschiedenen Saucen», sagt sie: Pesto, Bolognese, Carbonara und Tomaten. Am Donnerstag, Freitag und Samstag können die Theaterbesucher vor der Aufführung sich den Bauch vollschlagen, den sie sich im Stück vor Lachen halten müssen.

Erben mit Bedingungen

Worum gehts in der Komödie von Christiane Cavazzini? Eines Tages steht Rechtsanwalt Zürcher vor dem ausrangierten Tunnel, der drei Clochards – ein Mann, zwei Frauen – als Unterschlupf dient. Seine Botschaft: Heinrich von Königstein, der Mann des Trios, kann ein Erbe antreten. Millionenerbe, mit Liegenschaften am Vierwaldstättersee und auf Hawaii. In jungen Jahren hat er offenbar eine wohlhabende Frau geschwängert. Königstein muss für seinen Sohn sorgen, bis er verheiratet ist. An diese Bedingung ist das Erbe geknüpft.

Helfer und Sponsoren nötig

Bedingungslos arbeiten die vielen Helfer im Verein hinter den Kulissen. Grosse und kleine Jobs wollen erledigt sein. Kurt Mühlheim ist für den Vorhang zuständig. Seit rund 15 Jahren baut Hansjörg Matter, pensionierter Schreiner, zusammen mit Kameraden die Kulissen. «Der Tunnel, wo die Clochards hausen, war dieses Jahr die grösste Herausforderung», sagt er. Er müsse schnell abgeräumt werden können, sagt er beim Premieren-Apéro für Sponsoren und Behördenmitglieder.

«Gesunde Verdorbenheit»

Königstein lässt seine zwei Tunnel-Genossinnen nicht im Stich. Ihr Auftritt in der geerbten Villa schockiert die Hausangestellten, Butler und Haushälterin. So richtig lanciert wird die Geschichte, als die beiden Frauen im Geheimen die Suchdienste von Rechtsanwalt Zürcher in Anspruch nehmen. Auch sie haben nämlich ihre Vergangenheiten. Der geneigte Zuschauer ahnt nun vage, wie sich die Geschichte auf ihr Ende hin entwickeln könnte. Der Weg dorthin ist gepflästert mit gehörig Sprachwitz und Situationskomik. Da wird rotzfrech gereimt, ganz nach dem Gusto des Publikums: «Lieber eine gesunde Verdorbenheit als eine verdorbene Gesundheit.»

Die Schauspielenden ernten Beifall auf offener Szene, aber auch stille Schmunzler, denn sie spielen ihre Rollen wunderbar. Ein Detail: Der etwas unbeholfene Sohn spielt in seiner Verlegenheit herrlich mit seinen Fingern, und der Vater tut beim Buhlen dasselbe. Da brauchts keinen Vaterschaftstest.

Junge Spieler begeistert

Viele Theatervereine kennen Nachwuchsprobleme. Zumindest bei den Spielenden sind die Oberentfelder auf guten Wegen: Vier von zehn Akteuren stehen zum ersten Mal auf der Bühne. Ein Problem für die Regie? «Im Gegenteil», sagt Regisseurin Brigitte Wyss, «Junge sind flexibel und lassen sich gerne auf Neues ein.»

«Hammer», umschreibt die 19-jährige Dilara Aydin ihre erste Bühnenerfahrung. Auch die anderen jungen Novizen Faye Hug (24) und Jannis Achermann (17) können das Theaterspielen nur empfehlen. Stefan Schuler (37), der im Stück den Rechtsanwalt gibt und in der Freizeit an Spieltagen beim Grasshopper-Club das Vereinsradio macht, haben die spontanen Reaktionen des Publikums gefallen: «Das tut gut.» Applaus ist der Lohn, neben dem Premierenessen und einer Vereinsreise.

Platzgenaue Buchung sind über www.theateroberentfelden.ch möglich; telefonischer Vorverkauf montags, mittwochs und freitags 13 bis 15 Uhr unter 079 849 49 09.

Meistgesehen

Artboard 1