In Strengelbach wird es nach den Sportferien eingeführt, in Suhr denkt man schon darüber nach, es wieder abzuschaffen: das generelle Handyverbot auf dem Schulareal. Viele Schulen in der Region haben, zum Teil seit Jahren, mehr oder weniger strikte Regeln zum Umgang mit dem Mobiltelefon in den Gebäuden und auf dem Pausenplatz in ihren Schulordnungen festgehalten.

Eine Umfrage in der Region zeigt: Die Mehrheit der Primarschulen kennt das Handyverbot. In Holziken oder in Aarau darf man das Mobiltelefon gar nicht erst mitnehmen. In Gränichen, Suhr oder Oberkulm muss das Handy während der Unterrichtszeiten ausgeschaltet und verstaut sein. Verstösst jemand gegen die Regeln, wird das Telefon eingezogen und bis zum Mittag oder Abend einbehalten.

Neue Regel wegen Sechstklässlerin

Das Handymitnahmeverbot hat die Primarschule Aarau erst dieses Jahr vorsichtshalber in der Hausordnung festgeschrieben, weil mit dem neuen Schulsystem 6/3 die Sechstklässler dazugekommen sind. «Vorher war es kein Thema in der Primarschule», sagt Gesamtschulleiter Remi Bürgi.

An der Bezirksschule in Aarau sind die Handys ebenfalls verboten. Die Geräte müssen abgeschaltet und verstaut werden – auch in den Pausen. In der Oberstufe hingegen dürfen die Handys draussen in den Pausen benutzt werden. Eine Vereinheitlichung der Regeln habe sich nicht aufgedrängt, weil in beiden Schulhäusern die jeweilige Regelung akzeptiert sei, sagt Remi Bürgi.

Auch Gränichen hat sowohl an der Primarschule wie an der Oberstufe seit mehreren Jahren ein flächendeckendes Verbot für Handys. Im Oberstufenschulhaus wurde 2011 zudem eine spezielle Folie an den Fenstern angebracht, die den Empfang verschlechtert. Susanne Oeschger, Primarschulleiterin Gränichen, sagt: Die positiven Auswirkungen dieses Verbotes seien, dass sich die Schüler weniger fotografierten und ein kleineres Risiko bestünde, dass sie sich sozial isolierten.

«Der Nachteil ist, dass der pädagogische Umgang somit nicht vermittelt werden kann», sagt Oeschger. «Es zu verbieten, ist für uns einfacher, aber eigentlich wäre es auch wichtig, dass die Kinder im Umgang mit dem Smartphone geschult werden.» Das ist aber an der Schule Gränichen erst ein Fernziel.

Kein Handyverbot ausserhalb des Unterrichts gibt es an der Kreisschule Mittleres Wynental. Dort sagt der Gesamtschulleiter Alois Zwyssig: «Ein solches Verbot finde ich absolut sinnlos.» Natürlich sei das Handy im Unterricht ganz klar unerwünscht, da werde es bei Regelbruch auch eingezogen und bis Ende des Halbtages verwahrt. Die Schüler müssten aber den verantwortungsvollen Umgang mit dem Handy und anderen elektronischen Medien lernen können. Da helfe ein Verbot nichts. Zudem sei die Umsetzung eines Verbotes schwierig, wenn man an der Oberstufe Medien wie Smartphone oder iPad gleichzeitig für Projekte im Unterricht einsetzen wolle.

Andere Oberstufen wie etwa die in Lenzburg haben jedoch keine Probleme mit dem generellen Handyverbot. «Die Akzeptanz ist relativ gut», sagt Emil Klaus, Schulleiter der Bez Lenzburg. Wer mit dem Handy während der Unterrichtszeit auf dem Schulgelände erwischt wird, muss es bis zum Abend abgeben. Im Wiederholungsfall gibt es Arrest.

Schüler müssen Umgang lernen

Von einem Handyverbot auf dem ganzen Schulgelände sind nicht mehr alle voll überzeugt. Zum Beispiel ist es schwierig, die Schüler auf einem verwinkelten Schulareal konsequent zu überwachen. Diese Erfahrung hat man in Suhr gemacht. Dort gilt das Handy-Benutzungsverbot auf dem Schulhausareal bereits seit mehreren Jahren. «Doch das Verbot bröckelt», sagt Gesamtschulleiterin Denise Widmer.

«Das Handy ist heute aus dem Alltag der Kinder nicht mehr wegzudenken. Es auf immer und ewig aus dem Schulalltag verbannen zu wollen, ist realitätsfremd.» Zwar werde das Verbot in den Unterrichtsstunden nach wie vor rigoros umgesetzt; erwische eine Lehrperson einen Schüler am Handy, werde dieses eingezogen und für den Rest des Tages deponiert. Doch auch das sei ein Tropfen auf den heissen Stein, viele Kinder hätten inzwischen mehrere Handys.

«Bei 1300 Schülern bräuchten wir einen Störsender auf dem Gelände, um das Verbot durchzusetzen», sagt Widmer. Zu viel Energie auf diese Kontrollen zu verwenden, sei eine Verschwendung. Viel intelligenter finde sie, die Kinder und Eltern im sinnvollen Umgang mit Medien zu schulen.

Diese Haltung vertritt auch Judith Mathez von der Beratungsstelle für digitale Medien in Schule und Unterricht (imedias). «Die Regeln für den Umgang mit dem Handy in der Schule sollten unter der Prämisse aufgestellt werden, dass ein reibungsloser Schulbetrieb gewährleistet ist.» Das schliesse aber nicht aus, dass man das Handy oder andere elektronische Medien im Unterricht durchaus auch nutzen könne. Ein differenzierter Zugang zu dem Thema sei wichtig. Denn «vieles entzündet sich am Handy», sagt Mathez. Themen wie Cybermobbing würden in den allermeisten Fällen ihren Anfang beim Handy nehmen.

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