Die Aargauer sind Bünzlis, schlechte Autofahrer und tragen weisse Socken. Vermittelt das Klischee. Doch hat der Kanton auch Schön- und Besonderheiten.

Diese Vielfältigkeit zeigen 20 angehende Bekleidungsgestalterinnen, kurz Schneiderinnen, des Kantonalen Lehrateliers für Modegestaltung auf dem Laufsteg. An der Modenschau am kommenden Mittwoch im Kultur- und Kongresshaus Aarau überraschen sie mit Modellen rund um den Aargau: Maienzug und Pferderennen, Amphitheater, Wasser, Energie, Strohdachhäuser, Schlösser, Atomstrom und Rüebli werden über den Laufsteg wandeln. «Die Modelle sind weder tragbar noch zweckmässig», sagt Atelierleiterin Pia Brunner. «Wichtig ist, dass man das Thema erkennt.»

Die Lernenden griffen nicht bloss zu Stoff, Schere und Nadel, sondern auch zu Wolle, Watte, Filz, Plastik, Vlies, Absperrband und echtem Marzipan, der als krönender Abschluss auf den Hut der «Haute-Couture-Rüeblitorte» geklebt wurde. Die jungen Frauen hämmerten, kleisterten, leimten, bostitchten, falteten Papiergeld und drehten Draht, was das Zeug hielt. Hauptsache, der modische Aargau steht verspielt und originell da. Apropos Klischee: Eine Schneiderin fabrizierte aus weissen Socken ein Kleid, eine andere aus Karton eine Autobahn mit der Aufschrift «Achtung Gefahr».

Alle drei Jahre führt das Lehratelier für Modegestaltung eine Modenschau durch. Die Lernenden werden zu Designerinnen und Models, denn sie stellen ihre eigenen Kreationen selbst auf dem Laufsteg vor. Auch Kundinnen und Kunden präsentieren Modelle aus dem Lehratelier. Im Showteil wird ein Thema umgesetzt. In diesem Jahr eben der Kanton Aargau.

Die Modenschau wird ausschliesslich von Lernenden aus dem Aargau bestritten, quasi unter dem Motto «Lernende für Lernende». Coiffeusen stylen Models, Floristinnen kreieren Gestecke, Polygrafinnen gestalten Flyer. «Lernende helfen einander, einen Anlass auf die Beine zu stellen, und Lehrbetriebe haben die Möglichkeit, Berufe vorzustellen, sagt Pia Brunner.

Das Lehratelier für Modegestaltung bildet Frauen aus dem ganzen Kanton zu Bekleidungsgestalterinnen aus. Die Nachfrage für die dreijährige Ausbildung sei gross, so die Atelierleiterin. Alleine 60 junge Frauen würden jährlich im Lehratelier schnuppern. Bis zu 24 Frauen kann die Schule aufnehmen. Die Lernenden ändern und nähen auch Kleider auf Wunsch von Kundinnen oder Kunden. Zum Krönungsstück der Ausbildung gehört das Anfertigen eines Hochzeitskleids. Nach der Ausbildung stehen den Schneiderinnen viele Wege offen: Sie arbeiten als Theaterschneiderinnen, besuchen die Textilfachschule, werden Modistinnen oder eröffnen ein eigenes Atelier. Zuerst jedoch verwandeln sie sich in den Kanton Aargau, der – betrachtet man die Models – so schlecht gar nicht sein kann.

Modenschau 18. März, Kultur- und Kongresshaus Aarau, 17 und 20 Uhr. Vorverkauf: 062 834 68 40, info@lehratelier.ag.