Kölliken
Leergeräumt und sauber gefegt: Bevölkerung kann Sondermüll-Duft schnuppern

Die Sondermülldeponie Kölliken führt am Samstag einen Tag der offenen Tür durch und bietet Panzer-Fahrzeuge zum Verkauf an.

Urs Helbling
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Zu verkaufen! Die drei Spezialfahrzeuge der Sondermülldeponie.

Zu verkaufen! Die drei Spezialfahrzeuge der Sondermülldeponie.

Zur Verfügung gestellt

Fünf Jahre lang konnte die Riesenhalle selbst von Spezialisten nur mit Atemschutz betreten werden. Jetzt ist das Gift weg und die Halle geputzt. Vor einer Woche verabschiedeten sich die letzten Monteure, die Demontagearbeiten durchgeführt hatten. Die Halle der Sondermülldeponie Kölliken (SMDK) ist jetzt leer.

Bereit für die Wiederauffüllung, die im April/Mai 2017 beginnen soll. Ein optimaler Moment, um der Bevölkerung einen exklusiven Einblick in die Monsterhalle zu bieten. Am kommenden Samstag führt die SMDK einen Tag der offenen Tür durch.

Fahrzeuge günstig zu haben

Die Besucher können erstmals seit sechs Jahren in die grosse Abbauhalle. Und sie werden über das Hallendach und durch den Werkstollen geführt. Selbstverständlich gibt es eine Festwirtschaft – und die Möglichkeit, mit Kleinbaggern die Geschicklichkeit zu testen.

Von den furchteinflössenden und gefährlichen Abfällen ist nichts mehr zu sehen – aber noch etwas zu riechen. Vor allem entlang der Betonmauern ist der Geruch des Sondermülls noch da – wenn auch bereits markant schwächer als auch schon.

Eine grosse Attraktion dürfte ein gelbes gepanzertes Fahrzeug sein. Die Besucher können in ihm probesitzen. Und sie können es vor Ort kaufen. Oder zumindest ein Angebot machen. Die SMDK hat keine konkreten Preisvorstellungen für die insgesamt vier Fahrzeuge, die sie abstossen will. «Wir sind froh, wenn sie jemand nimmt, damit wir sie nicht verschrotten müssen», erklärt Benjamin U. Müller, Geschäftsführer des Konsortiums SMDK.

Die Raupenfahrzeuge haben eine luftdicht abgeschlossene Kabine. Sie sind 26 Tonnen schwer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 5 (fünf) Kilometer pro Stunde. Der Komfort ist bescheiden: Die Fahrzeuge sind nicht gefedert. Wer sie fahren möchte, braucht eine spezielle Ausbildung.

Halle nicht wiederverwendbar

Im Moment läuft in der Halle fast nichts mehr – abgesehen von den täglich 80 Kubikmetern Wasser, die über dem Fels versprüht werden. Auf diese Art wird das kontaminierte Gestein, das seit zehn Jahren trockengelegt war, gespült. Das Verfahren hat sich als erfolgreich erwiesen. Es soll bis im nächsten Frühling angewendet werden.

Dann wird das erste Ausbruchmaterial aus dem Eppenbergtunnel angeliefert. Innert weniger Monate kommen so 350 000 Tonnen Füllmaterial zusammen. Der Bau des SBB-Tunnels ist für die SMDK ein Glücksfall, weil er die Wiederauffüllung beschleunigt.

Anfang 2018 beginnt der Abbruch des Hallendachs. Er wird ähnlich ablaufen wie 2007 der Bau. Die Halle ist derart massgeschneidert, dass sie nicht wiederverwendet werden kann.
Naben dem SBB-Material müssen weitere 300 000 Tonnen Gestein gefunden werden, die ab Mitte 2019 deponiert werden. Ende 2022 soll dort, wo einst die Grube war, eine ganz normale grüne Wiese sein.

Die Bewältigung des Umweltskandals wird insgesamt 860 Millionen Franken gekostet haben.