Musik

Lederjacken, deutsche Texte und viel Liebe fürs Detail: Das ist die Aarauer Rockband Dagmar

Willi Wullschleger (v.l.), Dominic McGovern und Roger Bryner verbringen viel Zeit mit Dagmar.

Willi Wullschleger (v.l.), Dominic McGovern und Roger Bryner verbringen viel Zeit mit Dagmar.

Sie kleben an verschiedenen Orten in der Stadt. Vornehmlich dort, wo es Musik und Bier gibt. Schwarze Kleber, auf denen in weissen Grossbuchstaben steht: Dagmar.

Ein Frauenname, nicht gerade geläufig, aber eingängig. Die Kleber gehören zur dreiköpfigen Aarauer Rockband Dagmar. Mit dem Namen wollten sie nicht etwa ein Grosi ehren. Er fiel bei der Suche nach einem Bandnamen und gefiel den dreien sofort. «Er ist kurz und hat eine gute Bedeutung», sagt Dominic McGovern. Dagmar ist nordischen Ursprungs und kann mit «berühmter Tag» übersetzt werden. «Das passt doch gut.»

Dagmar, das sind Dominic McGovern (Gesang und Gitarre), Willi Wullschleger (Gesang und Bass) und Roger Bryner (Schlagzeug). Seit 2014 gibt es die Band, seit 2015 treten sie live auf. Verbindungsglied für das Trio war McGovern, er kannte Wullschleger und Bryner von anderen Musikprojekten und machte ihnen die Gründung einer neuen Band schmackhaft. Mit Erfolg. «Es hat von Anfang an gepasst zwischen uns», sagt Roger Bryner. So gut, dass der Schlagzeuger nur eine Bedingung hatte für die Gründung der Band: Sie muss ein Trio bleiben. So fanden sich die drei Männer, die viel gemeinsam haben und doch nicht gleich sind. Alle wohnen in Aarau. Ihrer Heimatstadt haben sie das Lied Quartier gewidmet. Im Video ziehen sie durch die Bars der Stadt, meistens schwarz gekleidet.

Ein lustiges Trio sind sie, der lausbübische Dominic McGovern (34), Willi Wullschleger (54) mit den strengen Augenbrauen und der Brille tragende Roger Bryner (47), der hinter seinen Drums eine neue, sprühende Persönlichkeit anzunehmen scheint. «Wir hatten alle das gleiche Ziel», sagt Wullschleger über die Gründung. Das wäre? «Reich und berühmt werden natürlich», antwortet Bryner. Ein Witz, auch wenn es natürlich schön wäre. Aber die Musiker wissen, dass dies eher unwahrscheinlich ist. «Wir stecken alle viel Zeit in die Band und müssen andere Dinge unterordnen», sagt Willi Wullschleger. Zum Beispiel den Ausgang. Denn so rockig und wild wie die Musiker auf der Bühne daherkommen, so seriös und gewissenhaft widmen sich die Musiker ihrer Dagmar. Sie proben zweimal in der Woche, der Freitag ist reserviert für alles Administrative. Und fürs Basteln. Dominic McGovern zieht einen Plastikbeutel mit Baumnüssen aus der Tasche, auf dem Verschluss prangt das Logo von Dagmar und der Slogan «grosse Nüsse». Die Nüsse werden an Konzerten verkauft. «Wir finden es schön, wenn es am Merchandise-Stand nicht nur T-Shirts hat», sagt McGovern.

Rock im Chalet

Dagmar liegt den drei Männern am Herzen. Sie basteln und texten mit viel Sorgfalt. Was sie nicht wollen: Stagnation. «Die Leute zahlen Eintritt», sagt Willi Wullschleger. «Da wollen wir ihnen die beste Performance bieten.» An ihren Gigs sei das Publikum durchmischt. Viele Freunde, aber auch Neulinge, über die sie sich sehr freuen. Heute spielt Dagmar in der Met-Bar in Lenzburg. Im April treten sie im Platzhirsch in Aarau auf. Eine unerwartete Kombination, wenn deutscher Gitarrenrock auf Hüttenzauber trifft. Die Musiker sind gespannt.

Stilmässig bezeichnet Dagmar ihre Musik als deutscher Gitarrenrock mit einem Schuss Punk. Früher haben sie noch ab und zu auf Englisch gesungen. Doch damit ist jetzt Schluss. «Auf Deutsch können wir uns exakter ausdrücken», sagt McGovern. Klar könne Englisch schon cool sein. Aber die Band möchte sich mit ihren deutschen Texten auch positionieren. Ihre Slogans sind ebenfalls auf Deutsch: «Wir sind deine Lieblingsband» steht auf den Klebern. Dagmar ist frech, aber man kann ihr nicht böse sein.

Von der Musik leben geht nicht. Ihre Jobs aufzugeben, wäre für die drei sowieso nicht infrage gekommen. Wullschleger ist Architekt, McGovern Arbeitsagoge und Bryner Leiter IT. Dagmar braucht viel Einsatz, doch das ist sie den Musikern wert. Nächste Woche veröffentlichen sie das Video zum Lied «Diese Zeit», das sie in Frankreich gedreht haben. Diese Woche haben sie ihre zweite CD, die EP «JETZT!», herausgebracht, die ab heute an den Konzerten gekauft werden kann. Braucht es in unserer digitalen Welt noch Musik auf CDs? Für Willi Wullschleger schon. «Erst, wenn ich die Platte in der Hand halte, existiert sie», sagt er. Für alle Fans, die gar kein Abspielgerät mehr haben, ist die CD eine schöne Verpackung für den Download-Code. Die CD ist ein weiterer Erfolg für die Band, genau so wie die Konzertreihe, die sie in diesem Frühjahr absolvieren werden. Für den Herbst möchten sie nochmals so viele Konzerte geben. Keine Stagnation. «Der Weg ist das Ziel», sagt Wullschleger. Was den dreien ganz besonders gefallen würde: Wenn der Weg sie einmal an das Gurtenfestival führen würde. Die drei Rocker sind zufrieden mit Dagmar. «Es ist schön, wenn etwas geht», sagt McGovern.

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