Die Männer in der Lederhose und die Frauen im Dirndl sind unkomplizierte Leute. Man duzt sich. Und nein, politisch sowie konfessionell ist der Verein unabhängig. Die Frage, ob es denn Dirndl und Lederhosen sein müssten, obs nicht auch schöne Schweizer Trachten gebe, irritiert Event-Manager Urs leicht. «Es geht vor allem um die Musik, die uns gefällt», sagt Präsident Adi. Und der volkstümliche Schlager Österreichischer Prägung ist populär gerade hierzulande: Andreas Gabalier lässt grüssen.

Sepp, der Musikant aus Kirchberg in der Nähe von Kitzbühel, gibt sich unangemeldet die Ehre. Seine Frau ist eine Schweizerin, sagt Adi. Ein grosses Hallo für das Mitglied des Brixentaler Edelweiss Duos, das bei «Hochzeiten, Scheidungen und im Kreissaal» spielt. Er sei jetzt seit einer Woche mit seiner Tochter befreundet, Facebook, witzelt Sepp.

Ursprung liegt in Rupperswil

Der Club, am 24. Oktober 2014 gegründet, hat seinen Ursprung in Rupperswil, wo auch die meisten der fünf Vorstandsmitglieder leben. Bereits hat er 32 Mitglieder. «Die meisten sind Paare», sagt Adi, was aber überhaupt nicht sein müsse. «Gemütlichkeit und Geselligkeit pflegen», das will der Club. Am ersten Anlass am Samstagabend im Central Suhr gelingt das trefflich. Alleinunterhalter Herby aus Leutwil bringt Hits aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts von Chuck Berry bis Adriano Celentano, aber auch Peter Reber.

Urs organisiert Musikreisen ins Österreichische, und er verkauft sie wie ein Profi: «Die Reise im Oktober ist fast ausgebucht.» Ziel sei es auch, Nachwuchskünstlern eine Plattform zu geben. Viele kennen sich, eine grosse Familie.

Der Ranzengurt

Der Star des Abends ist die Solothurner Sängerin Michelle Ryser. Sie kommt auch mit auf die Reise im Herbst, zusammen mit zwei Entlebucher Gruppen. Als Michelle Ryser anfängt, wähnt man sich an einem Musikantenstadel im Miniformat. Sie setzt sich an den Stammtisch, schunkelt mit: «Aus wasd muesch ha uf de Wäut isch Liebi.» Urs zeigt an einem Beispiel, was es mit dem Ranzengurt auf sich hat. Der Gurt gibt dem erschlaffenden Männerbauch Halt und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Bei den Schweizern ist das etwas schwierig, weil es noch keine langjährige Tradition gibt. Man kauft die Kleidung, durchaus auch in der Schweiz, bei Trachtenmachern. Einer ist an diesem Abend da. «Bei den Männern ist man mit 300, 400 Franken für Hose und Hemd dabei», sagt Urs. Bei den Frauen beginne es bei etwa 400 Franken; man könne aber auch 2000, 3000 Franken ausgeben für ein Dirndl, sagt Mirjam, die Frau des Präsidenten und Aktuarin des Vereins.

Stimmung «bombenmässig»

Ein Paar aus Auenstein ist «zivil» gekleidet. Dirndl und Lederhosen hätten sie schon, doch damit ins Kino, das hätten sie nicht machen wollen. «Das Zusammensitzen mit gleichgesinnten Leute macht Spass», sagt der Mann. Eine Anmeldung nähmen sie auf jeden Fall mit. «Auf der Alm, da ists lustig», laute auch das Motto der Auensteiner Guuggenmusig am gleichen Abend. Was zeigt: Lederhosen sind in.

Das Volk, gut drei Dutzend Leute, macht begeistert mit, steht auf, wenn Michelle es sagt, und es gibt sogar eine kleine Linedance-Einlage. Hauptsache fröhlich; auch bei Herby schreien sie im Rhythmus «Who the Fuck is Alice?» «Bombemässig» beschreibt Michelle Ryser die Stimmung. Und bei «Mein Herzel bumpert» setzt sie sich zum Schunkeln zum Auensteiner Paar. Wer weiss, vielleicht sind sie am 30. Mai, wenn im Central wieder Dirndl und Lederhosen Trumpf sind, in voller Montur dabei?