Das Stadion und die «Alte Reithalle» sind in aller Aarauer Munde. Beide Infrastrukturprojekte sind aufgrund der Kosten umstritten und beschäftigen die Bevölkerung. Ein Neubau der Schachenhalle wurde auf Jahre hinaus verschoben, aber nicht aufgehoben. Das Schwimmbad in der Telli pfeift bautechnisch aus den letzten Löchern und verlangt dringend nach Massnahmen.

Die Leichtathletikanlage ist in die Jahre gekommen und genügt den Ansprüchen nur noch teilweise. Ein Ersatzbau des KiFF ist in den Startlöchern. Wenn das Geld in der Stadtkasse fehlt, dann wird zuerst bei den sanierungsbedürftigen Sport- oder Kulturstätten gespart. Denn erste Priorität geniessen bei den Investitionsausgaben nebst endlosen Strassensanierungen und -neugestaltungen aufwendige Schulhausbauten, Kindergärten und Kinderbetreuungsstätten. So weit, so gut.

Die Realisierung von Infrastrukturprojekten verschlingt in der Regel Millionen. Offenbar sind die Vorgaben jeweils vielschichtig und die Bauten meist anspruchsvoll und komplex. In den letzten Jahren wurden bereits unzählige Millionen für Strassen, Schulhäuser und Kindergärten verbaut – und für die nächsten paar Jahre sind über 120 Millionen Franken dafür budgetiert. Politisch waren diese Projekte erstaunlich wenig umstritten. Kritischer ist die Politik und die Bevölkerung bei Kultur- und Sportbauten.

Im Sportbereich gilt: Ohne taugliche Infrastruktur gibt es keinen Leistungssport. Diesen braucht es, um Kinder und Jugendliche zu sportlicher Aktivität zu animieren. Ohne Vorbilder prosperiert der Breitensport nicht und umgekehrt. Welchen Aufschwung Roger Federer dem Tennissport brachte, ist bekannt. Gleiches erfuhr der Langlaufsport mit Dario Cologna. So weit müssen wir nicht gehen. Seit sich der HSC Suhr Aarau wieder in der obersten Liga hält und sich aktiv im Schulsport engagiert, erlebt Handball an den Aarauer Schulen einen Boom. Das beschert dem Verein etliche Nachwuchsmitglieder und erleichtert die Arbeit der Schulsozialarbeitenden.

Im Kulturbereich gilt: Ohne taugliche Infrastruktur gastieren keine renommierten Künstler bei uns, mit dem Effekt, dass die Aarauerinnen und Aarauer diese nur andernorts erleben können. Dies schmälert die Attraktivität der Stadt und hat damit diverse nachteilige Auswirkungen.

Wie können wir das Dilemma von ausgewiesenem Infrastrukturbedarf (und -wunsch) und leeren Kassen lösen? Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden könnte eine Antwort heissen. In Schönenwerd wurde kürzlich eine tolle Volleyball- und Eventhalle erstellt. In Suhr ist ein regionales Projekt für eine Traglufthalle über dem Freibad weit fortgeschritten. Aarau könnte die Nachbargemeinden in der Federführung für eine Infrastrukturbaute unterstützen – und umgekehrt eine finanzielle Beteiligung der Nachbarn fordern, wenn auf Stadtgebiet gebaut wird.

Eine weitere Lösung liegt in neuen, kreativen Finanzierungsmodellen. Ein erster Vorschlag wurde von unserem neuen Stadtpräsidenten gemacht. Hanspeter Hilfiker zeigte Ende letzten Jahres auf, wie der Verkaufserlös eines kleinen Anteils am IBAarau-Aktienpaket (heute Eniwa) einen Infrastrukturfonds in städtischem Besitz äufnen würde. So könnten die eingangs erwähnten Projekte schuldenfrei realisiert werden. Des Weiteren soll künftig die Unterstützung Privater verstärkt miteinbezogen werden. Es scheint gelungen zu sein, dass rund vier Millionen Franken von privater Seite für die «Alte Reithalle» aufgebracht werden konnten. Von ähnlichen Zahlen spricht «meinstadion.ch» beim Fundraisingziel fürs Stadion.

Und ein letzter, aber eminent wichtiger Lösungsansatz liegt wohl in der Redimensionierung von Infrastrukturprojekten. Nicht mit jedem Bau muss ein Designpreis angestrebt werden, nicht immer müssen alle erdenklichen Wünsche erfüllt werden. Manchmal wäre weniger mehr.