Kolumne
Leben in Aarau: Das liebe Geld

Martina Suter
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Martina Suter (Master of Law)

Martina Suter (Master of Law)

zvg

Für das kommende Jahr hat der Stadtrat eine Steuererhöhung von 3 Prozent budgetiert. Das wären dann 6 Prozent mehr als 2015. Es scheint, als könne sich dieser Trend mit aller Selbstverständlichkeit fortsetzen. Schliesslich gelte es, alle Wünsche der Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen. So die Haltung in der einen Ecke der Parteienlandschaft. Jetzt sei das Mass aber voll, auf zusätzlich Wünschbares sei zu verzichten. Das der Tenor der anderen Seite. Nun, es ist schon bald Herbst. Zeit also für heisse Budgetdebatten in der Aarauer Politik.

Seit rund sechs Jahren engagiere ich mich im Einwohnerrat und kenne das wiederkehrende Prozedere inzwischen bestens. Jahr für Jahr müssen die Ausgaben und die Einnahmen ins Gleichgewicht gebracht werden. So weit sind sich jeweils alle einig. So funktioniert es idealerweise ja auch daheim im Privathaushalt und in jeder Unternehmung. Der Konsens verschwindet, wenn die für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt notwendigen Massnahmen diskutiert werden. Mein Vater hat mich schon früh gelehrt, dass ich immer nur so viel ausgeben kann, wie ich habe. Müsste dies nicht auch für eine Stadt gelten? In den letzten Jahren wurde regelmässig ein Defizit ausgewiesen, notabene zulasten des städtischen Vermögens. Fürs kommende Jahr soll besagte Steuererhöhung für einen Ausgleich der Rechnung sorgen. Die nicht gedeckten Investitionen werden erneut vom Vermögen getilgt.

Stundenlang suchen und ringen wir Politikerinnen und Politiker nach Lösungen, um die Herkulesaufgabe eines ausgeglichenen Budgets zu meistern. Ausgabenvorschläge überwiegen immer. Wie einfach wäre es doch, jeweils die Steuern um den Fehlbetrag zu erhöhen – und die Sache wäre erledigt. Wie gern würde ich jeweils meine umfangreichen, farbigen Ideen für eine noch attraktivere Stadt präsentieren, hätten diese keine finanziellen Folgen. Jedes Jahr beneide ich diejenigen Politiker, die dem Wahlvolk einen gluschtigen Wunschkatalog für Infrastruktur, Dienstleistungen und Annehmlichkeiten präsentieren können, ohne nur ein Wort über deren Finanzierung verlieren zu müssen.

Sparen ist alles andere als sexy. Da gebe ich allen recht. Ausgeben macht grundsätzlich auch mir mehr Spass. So würde ich gern Schulhäuser mit höchster Energieeffizienz, äusserst kindergerechtem Mobiliar und trendiger Architektur bauen lassen, ebenso ein hippes Fussballstadion, eine Mehrzweckhalle Schachen, die die Schweizer Sportwelt neidisch werden liesse, geräumige Altersheime, ein wettkampftaugliches, modernes Hallenbad, die Alte Reithalle, mit optimierter Ausstattung auch für eine Diskothek, und vieles mehr. Kann ich mich mit gutem Gewissen für all das einsetzen? Nur, wenn ich ausblende, dass die Steuerzahlenden die Zeche bezahlen müssen. Oder eben nicht, wenn ich den Rat meines Vaters verantwortungsbewusst befolgen möchte.

Hand aufs Herz: Bezahlen Sie gern mehr Steuern? Wenn ja, dann runden Sie beim nächsten Mal doch grosszügig auf, damit die Finanzlücke auch schnell geschlossen werden kann. Wenn nein, dann unterstützen Sie künftig die kreativen, bezahlbaren Lösungen für eine prosperierende Stadt Aarau.