Aarau
Läuft auf dem Fahrenden-Platz im Schachen alles korrekt?

Abfall, Ausländer, Aufenthaltsdauer – auf dem Standplatz, der vor zwei Jahren im Schachen geschaffen wurde, soll nicht alles nach Vorschrift zu- und hergehen. Die az ist der Sache nachgegangen.

Carla Stampfli
Drucken
Teilen
Standplatz für Fahrende im Schachen: Ein Aarauer findet, dass von der Strasse aus Unordnung sichtbar sei. Die Redaktorin sah nichts dergleichen.

Standplatz für Fahrende im Schachen: Ein Aarauer findet, dass von der Strasse aus Unordnung sichtbar sei. Die Redaktorin sah nichts dergleichen.

CES

Zurzeit sind die Fahrenden in den Medien präsent: Sie verlangen schweizweit mehr Stand- und Durchgangsplätze. Der Kanton Aargau gilt bei den Fahrenden als Vorbild: Er hat eine eigene Fachstelle sowie sechs Halteplätze geschaffen. Einer davon ist im Aarauer Schachen. Vor zwei Jahren wurde auf dem Fahrendenplatz ein Sanitärgebäude mit Toiletten und Dusche aufgestellt sowie das 2500 Quadratmeter grosse Areal gekiest.

Während die Bilanz seitens der Stadtpolizei fast nur positiv ausfällt, schauen manche Aarauer mit kritischem Auge auf den Platz für die Fahrenden. Man habe viel Geld investiert, sagt einer, der mehrmals wöchentlich mit dem Auto vorbeifährt, aber nicht mit dem Namen hinstehen will.

Er hat noch immer einiges zu bemängeln. Die Unordnung sei von der Strasse aus sichtbar, sagt er. Er stört sich daran, dass die Lieferwagen und Anhänger der Fahrenden «kunterbunt» beieinander stehen würden. Und: Die Container seien überfüllt, oft liege Abfall auch daneben.

Wie auf einem Campingplatz

Ein Augenschein auf dem Areal drängt sich auf. Viermal in zwei Wochen besuchte die az den Platz. Dann zumindest sieht es aus, wie auf einem gewöhnlichen Camping-Platz: Wäsche ist zum Trocknen aufgehängt, Sitzplätze mit Klappstühlen – kein Abfall liegt herum. Auch Daniel Ringier, Chef der Stadtpolizei findet nicht, dass das Areal unordentlich sei. Er betont, dass die Stadtpolizei einschreiten würde, falls die Unordnung Oberhand gewinnen würde.

Aufenthaltsdauer ist beschränkt

Das sind die Platzregeln für Fahrende

Der Platz für Fahrende im Aarauer Schachen ist einer von aktuell sechs Halteplätzen im Kanton. Seit der Sanierung im Jahr 2012 steht das Areal ausschliesslich Schweizer Fahrenden offen. Die Aufenthaltsdauer ist im Sommer (1. März bis 31. Oktober) auf vier Wochen, im Winter auf vier Monate beschränkt. Auf dem Areal finden bis zu 15 Wohnwagen Platz. Ein Depot von 200 Franken müssen Familien bei der Ankunft hinterlegen. Dabei erhalten sie einen Schlüssel für die Barriere, das Sanitärgebäude und für den Stromanschluss. Pro Nacht kostet ein Wohnwagen (nur von Erwachsenen belegt) 8 Franken. Eine Einheit, die nur von Jugendlichen bis 17 Jahre bewohnt wird, die Hälfte. Pro Woche und Familie sind 6 Franken für Kehrichtgebühren zu entrichten. Duschen und Strom bezahlen die Fahrenden mit Prepaid-Karten. Vor dem Bezug des Platzes und dem Wegzug haben sich die Fahrenden bei der Stadtpolizei persönlich an- und abzumelden. Wer sich nicht an die Platzordnung hält, die am Sanitärgebäude beim Eingang angeschlagen ist, kann sofort weggewiesen werden und ein Platzverbot von bis zu fünf Jahren erhalten. (ces)

Das stellt der Kritiker infrage: Er habe bemerkt, dass Fahrende relativ lange auf dem Platz verweilen würden. Ist das so? Hans Umbricht, Stadtpolizist und Leiter Gewerbe, erklärt: Sporadisch könne es im Sommer vorkommen, dass Fahrende einige Tage länger bleiben würden. So etwa bei Krankheit, einem Spitalaufenthalt oder wenn die Arbeit einen termingerechten Wegzug verunmöglicht. Man kontrolliere jeden Fall einzeln und prüfe dabei auch die menschliche Situation. «Eine Ausnahme ist immer gut begründet», ergänzt Polizeichef Ringier.

Eine Schwachstelle, so Gewerbepolizist Hans Umbricht, seien die Wasseranschlüsse am Brunnen: «Sie sind nicht wintertauglich.» Die Stadtpolizei, der die Verwaltung des Platzes obliegt, sei daran, das Problem zu lösen.

Alles in allem zieht Umbricht ein positives Fazit: Einerseits sei der Platz nun zu jeder Jahreszeit befahrbar, andererseits hätten die sanitären Einrichtungen die Situation verbessert: Früher war die Umgebung deswegen oft mit Fäkalien verschmutzt. Einmal pro Monat wird das Sanitärgebäude nun gereinigt. Für die tägliche Sauberkeit der Dusche und der beiden Toiletten sind die Fahrenden zuständig.

Beim Besuch glänzen die Toiletten und die Dusche geradezu. Ist das immer so? Gewerbepolizist Hans Umbricht sagt, dass das Verhalten der Fahrenden mit demjenigen der Sesshaften vergleichbar sei: Es gebe solche, die umsichtig seien und solche, die nicht vorbildlich handeln würden. Schliesslich, ergänzt Daniel Ringier, seien die Fahrenden aus dem gleichen Holz geschnitten wie die Sesshaften. Auffällig würden sie sich nicht verhalten, sagt Ringier, «seit Monaten herrscht auf dem Platz Ruhe.» Ausrücken hätten sie noch nie müssen.

Neun Familien haben auf dem Areal ihren Winterstandplatz eingenommen. Ein Wohnwagen ist das Heim eines Walliser Ehepaars. Den Fahrendenplatz in Aarau besucht es seit über dreissig Jahren, dazumal noch auf der «Chrutwäje». Heute, sagt der 55-Jährige, sei er sauber und würde von «guten Leuten» besucht. Die beiden bleiben bis Februar, wenn es wärmer wird, wechseln sie die Plätze wieder öfter.

Ausländer nur im Ausnahmefall

Bei einem anderen Besuch trug ein Lieferwagen ein französisches Kontrollschild, jetzt steht gleich neben den beiden Wallisern ein Wohnwagen mit deutscher Nummer. Ist der Platz nicht nur Schweizer Fahrenden vorbehalten? Das Paar, das im Wohnwagen wohnt, sei eine Ausnahme, sagt Hans Umbricht.

Der Mann stammt aus Deutschland, seine Frau ist Schweizerin. Reglementarisch gesehen habe sie Anspruch auf einen Platz, er nicht. «Hier haben wir den gesunden Menschenverstand walten lassen», sagt Umbricht. Der Vorwurf, dass generell auch Wohnwagen mit ausländischen Kennzeichen auf dem Platz stünden, weist Polizeichef Daniel Ringier zurück.

Allgemein macht er darauf aufmerksam, dass sich Drittpersonen direkt bei der Stadtpolizei melden sollten, falls auf dem Fahrendenplatz etwas nicht in Ordnung sei.

Aktuelle Nachrichten