Aarau
Lärmschutz im grossen Stil: Die Stadt offeriert 1200 neue Fenster

Der Aarauer Einwohnerrat befindet über 1,83-Mio.-Kredit für den Einbau von Schallschutzfenstern an diversen Gemeindestrassen. Ein erster Versuch, in Aarau Lärmsanierungen vorzunehmen, scheiterte um die Jahrtausendwende an zahlreichen Einwendungen.

Ueli Wild
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Maximal 1191 Fenster an Aarauer Gemeindestrassen wie zum Beispiel der Laurenzi (im Bild) sollen durch Schallschutzfenster ersetzt werden.

Maximal 1191 Fenster an Aarauer Gemeindestrassen wie zum Beispiel der Laurenzi (im Bild) sollen durch Schallschutzfenster ersetzt werden.

Ueli Wild

Es geht um Lärmschutz im grossen Stil: Die Stadt Aarau erwägt, entlang von Gemeindestrassen 1191 bestehende Fenster durch Schallschutzfenster zu ersetzen. Eine entsprechende Kreditvorlage des Stadtrats kommt am 27. März vor den Einwohnerrat.

Dieser soll einen Verpflichtungskredit von 1,83 Mio. Franken für die Umsetzung des Strassenlärm-Sanierungsprojektes bewilligen. Ein Betrag in dieser Höhe ist im Politikplan 2015 – 2020 eingestellt. Wichtig zu wissen: Ist die Sanierung inklusive Abrechnung bis Ende 2018 nicht erfolgt, verfallen die in Aussicht stehenden Beiträge des Bundes. Die Frist ist eine Folge der 2004 erfolgten Revision der Lärmschutzverordnung.

Das vom Einwohnerrat noch abzusegnende Angebot der Stadt gilt nicht für alle Bauten: Bei nach 1984 bewilligten Neu- und Umbauten werden keine Schallschutzfenster eingebaut, da in diesen Fällen die Aussenbauteile den Anforderungen der Lärmschutzverordnung genügen.

84 Schallschutzfenster muss die Stadt als Strasseneigentümerin zu 100 Prozent berappen, weil hier die Lärmbelastung den in der Lärmschutzverordnung festgelegten Alarmwert überschreitet. Bei 1107 Fenstern erfolgt die Sanierung unter dem Vorbehalt, dass die Liegenschaftsbesitzer die Hälfte der Kosten selber tragen.

Der Ersatz der Fenster erfolgt hier freiwillig, weil der Alarmwert nicht erreicht, wohl aber der Immissionsgrenzwert überschritten wird und das Problem nur mit Massnahmen an den Gebäuden gelöst werden kann. Der Aargauer Regierungsrat hat schon vor einigen Jahren beschlossen, dass in diesen Fällen freiwillig ein Beitrag zu leisten sei. Aus Gründen der Gleichbehandlung empfiehlt er den Gemeinden, dieses Verfahren für die Gemeindestrassen zu übernehmen.

Wie viele Betroffene machen mit?

In der Vorlage des Stadtrates wird für die Höhe der Bundessubventionen eine mögliche Streuung zwischen 141 000 und 408 000 Franken genannt. Im Politikplan wird mit 200 000 Franken gerechnet. Die städtischen Beiträge an die Eigentümer wurden gemäss Vorlage «mit einem oberen Wert geschätzt».

Dies, obwohl kaum anzunehmen ist, dass alle Eigentümer mitmachen werden. Bei diesen sind nun Vorabklärungen nötig. Sie werden schriftlich über die Ergebnisse des Vorprojekts der Grolimund + Partner AG informiert. Gleichzeitig werden sie gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Mit einem zweiten Schreiben werden sie später über die geplanten Schallschutzmassnahmen und die zu erwartenden Kosten informiert.

An ihnen liegt es schliesslich, zu entscheiden, ob sie den Ersatz der Fenster vornehmen wollen oder nicht. Die öffentliche Auflage soll noch im Sommer 2017 erfolgen.

Vorgesehen sind ausschliesslich Massnahmen an Gebäuden. Andere nach der Lärmschutzverordnung mögliche und eigentlich vorrangig ins Auge zu fassende Massnahmen an der Quelle wie Temporeduktionen und lärmoptimierte Beläge, aber auch Schallschutzwände, sind nicht geplant – weil in den meisten Fällen gar nicht möglich.

Am Graben zum Beispiel gilt jetzt schon Tempo 20, an der Laurenzi, an der Kasinostrasse sowie am Ziegelrain Tempo 30. Und Lärmschutzwände sind hier überall keine realistische Option.

Sieben Teilsanierungsbereiche

Der Perimeter des Vorprojekts umfasst alle lärmrelevanten Gemeindestrassen auf dem Gebiet der Stadt Aarau. In die Planung wurden dementsprechend folgende Teilsanierungsprojekte aufgenommen:

  • Tellistrasse (Tellistrasse, südliche Delfterstrasse, westliche Weihermattstrasse)
  • Zentrum (Graben, Laurenzenvorstadt, Kasinostrasse, Feerstrasse)
  • Holzmarkt (Vordere Vorstadt, Rain, Ziegelrain)
  • Bahnhof Süd (Hintere Bahnhofstrasse, Herzogstrasse)
  • Rosengarten (Rosengartenweg, Pestalozzistrasse, Hohlgasse)
  • Gönhard (Gönhardweg auf dem Abschnitt Entfelder- bis Hallwylstrasse, Weltistrasse, Tellstrasse, Südallee)
  • Torfeld Nord (Rohrerstrasse)

Im Stadtteil Rohr sind keine Gemeindestrassen, sondern nur die beiden Kantonsstrassen K244 (Aarau-Rohr – Rupperswil) und K469 (Aarau-Rohr – Buchs) betroffen. Zuständig für die Lärmsanierung ist hier deshalb nicht die Stadt, sondern die Abteilung Tiefbau des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt.

Erster Versuch gescheitert

Ein erster Versuch, in Aarau Lärmsanierungen an Gemeindestrassen vorzunehmen, scheiterte um die Jahrtausendwende an den zahlreichen Einwendungen, die damals gegen das erste Projekt (Gönhardquartier) eingingen. Das Teilprojekt Gönhard wurde in der Folge fallengelassen, die übrigen Teilprojekte (Tellistrasse, Bahnhof Süd und Zentrum) wurden schon gar nicht mehr öffentlich aufgelegt. Aufgrund der veränderten Verkehrssituation wurden seither weitere Gemeindestrassenabschnitte in den Lärmbelastungskataster aufgenommen.