Aarau
Langjährige Praxis weicht grossem Augenärzte-Zentrum

Philippe Guignard (63) übergibt seine Augenpraxis am Ziegelrain neuen Augenärzten und geht in Rente.

Daniel Vizentini
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«Ich bin immer gerne arbeiten gegangen»: Philippe Guignard in seiner Praxis in Aarau.

«Ich bin immer gerne arbeiten gegangen»: Philippe Guignard in seiner Praxis in Aarau.

CH Media

In den letzten 34 Jahren hat sich Philippe Guignard um die Augen seiner Patienten gekümmert, seit 1992 in seiner Praxis am Aarauer Ziegelrain. Heute Donnerstag wird der zwischenzeitlich 63-jährige Augenarzt dort seinen letzten Patienten behandeln.

Die Praxis übernimmt das neue «Augenärzte Zentrum Aarau», das schon letztes Jahr die im selben Gebäude an der Tür gegenüber liegende Praxis von Dr. Martin Haueter übernommen hatte. «Es hat sich gerade angeboten, auch meine Praxis den Jungen zu übergeben», sagt Philippe Guignard, der seinen Beruf noch bis zum letzten Tag auskostet und eine volle Agenda hat. «Ich wollte nicht reduzieren», sagt er, «ich bin immer gerne arbeiten gegangen».

Was hat sich in seiner Zeit als Augenarzt alles verändert? «Wir leben alle länger», sagt er als erstes. In der Praxis hatte deshalb mit immer mehr älteren Patienten zu tun und damit auch immer häufiger mit Netzhauterkrankungen wie die altersbedingte Makuladegeneration.

Medizinischer Fortschritt massiv in den letzten Jahren

Dafür habe sich die medizinische Technologie massiv entwickelt in den letzten Jahren. Gerade bei der Makuladegeneration könne man heutzutage die damit einhergehende Seheinschränkung unterbinden durch Spritzen von Wirkstoffen in das Auge. Und musste man früher etwa für eine Operation des Grauen Stars noch eine Woche im Spital bleiben, geschehe dieser Eingriff heute schnell und ohne Narkose.

Durch die modernere Technologie könne man heute auch verfeinerte Diagnosen machen. Die Operationen geschehen zunehmend minimalinvasiv. «Mikrochirurgische Arbeit ist etwas sehr schönes. Sie fasziniert einem und ist auch etwas Dankbares», sagt Guignard. Schon bei seinem Medizinstudium an der Uni Zürich habe ihm Mikrochirurgie besonders gut gefallen.

Damals entschied er sich auch, sich in Augenheilkunde zu spezialisieren. «Ich habe den Entscheid nicht bereut», sagt er und lächelt. Laserchirurgische Eingriffe könne er in der eigenen Praxis durchführen. Nebenbei arbeitet er als Beleg- und Konsiliararzt in der Klinik Hirslanden, wo weitere Eingriffe oder Abklärungen gemacht werden können. «Die Umgebung entwickelt sich immer mehr zu einem Ärztezentrum», sagt er.

Bildschirm ist ein Problem

Was ist die häufigste Abklärung, die er an Patienten gemacht hat? «Die Glaukoma- und Kataraktabklärung», sagt er, also Untersuchungen bezüglich dem Grünen und Grauen Star. Ab 40 Jahren sollte jeder diese durchführen lassen. «Wenn man den Schaden merkt, ist es beim Grünen Star meistens leider schon zu spät.»

Dass heute so viel vor Bildschirmen gearbeitet wird, sei zudem ein Problem. «Bildschirmarbeit ist erweiterte Lesearbeit, unsere Augen sind nicht dafür gebaut», sagt er. Seine Patienten beschweren sich dann über Kopfweh und Müdigkeit.

Genügend Distanz zu Bildschirm

Er empfiehlt: Genügend Distanz halten zum Bildschirm und den Bereich dahinter gut beleuchten. Ab 45 Jahren sei zudem eine Computerbrille hilfreich. Eine Untersuchung in Asien habe ergeben, dass die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bei Kindern gestoppt werden könne, wenn sie sich täglich zwei Stunden draussen bei Tageslicht aufhalten. «Das Auge ist gemacht, um draussen zu sehen», sagt er.

Ein Schwerpunkt seiner Praxis war die Behandlung von Sehentwicklungsstörungen bei Kindern. Vor 16 Jahren sollten sie beim Augenarzt eine Gesamtbeurteilung machen lassen und nicht direkt beim Optiker eine Kinderbrille machen gehen.

Für eine Beurteilung sei auch der Tropfentest nötig, den Optiker nicht durchführen dürfen. «Die Arbeit mit Kindern hat mir immer Spass gemacht», sagt Guignard. In den letzten Jahrzehnten konnte er mitverfolgen, wie seine Patienten erwachsen wurden.