Aarau
Lange Telli-Öffnungszeiten: Kleine Läden geben den Kampf auf

Vor zwei Jahren wurden die Öffnungszeiten im Aarauer Tellizentrum verlängert. Den Kleinen bereiten sie noch immer Kummer. Eine private Unternehmerin nennt sie ein Verlustgeschäft, eine andere weist auf Kündigungen als Folge von ihnen hin.

Marina Bertoldi
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Nach der Arbeit noch schnell einkaufen: Ab 19 Uhr erfreut sich vor allem der Coop an Feierabend-Kundschaft.

Nach der Arbeit noch schnell einkaufen: Ab 19 Uhr erfreut sich vor allem der Coop an Feierabend-Kundschaft.

Ueli Wild

Seit 2014 sind die Läden des Aarauer Tellizentrums von Montag bis Freitag bis 20 Uhr offen. Die Öffnungszeiten wurden damals einheitlich um eine Stunde verlängert. Bei den kleinen Läden des Zentrums löste das grossen Protest aus. Die Zentrumsleitung hielt an der Änderung fest. Heute, fast zwei Jahre später, sträuben sich die Kleinen noch immer gegen die zusätzliche Stunde.

«Es ist absoluter Quatsch», sagt Monika Schiess vom Coiffeur «FrisurenFabrik». Die Änderung der Öffnungszeiten sei für den Salon ein Verlustgeschäft. «Ab 18.30 Uhr ist die Bude hier leer.» Brigitte Horlacher von der Telli-Apotheke unterschreibt die Aussage. «Zwischen 19 Uhr und 20 Uhr haben wir sehr wenige Kunden, manchmal auch gar keinen», sagt die Apothekerin.

Trotzdem hat die Telli-Apotheke, genau wie alle anderen Betriebe im Zentrum, die Auflage, erst um 20 Uhr zu schliessen. «Wir mussten aufgrund der verlängerten Öffnungszeiten auch schon Kündigungen hinnehmen», sagt Brigitte Horlacher.

Keine Chance gegen Coop und Co.

In der Bäckerei Jaisli ist der Tenor ähnlich. Die Situation habe sich nicht verbessert. «Die Zentrumsleitung spricht von einer Zunahme der Kundenfrequenz am Abend um 25 Prozent», sagt Beat Jaisli. Davon spüre die Jaisli-Bäckerei nichts.
«25 Prozent von nichts bleiben nichts.»

Die Zentrumsleitung bestätigt diese Zahl auf Anfrage nicht. «Die Frequenz am Abend messen wir nur punktuell. Es liegen deshalb keine verlässlichen Zahlen vor», sagt René Bieri von der Zentrumsleitung.

Inzwischen hat Beat Jaisli seinen anfänglichen Protest – er schloss seinen Laden weiterhin um 19 Uhr – aufgegeben. Nussgipfel, Spitzbuben und Co. sind jetzt bis 20 Uhr erhältlich. «Wir mussten uns mit den verlängerten Öffnungszeiten abfinden», sagt er. Resigniert hat auch Brigitte Horlacher von der Apotheke. «Die kleinen Geschäfte haben keine Chance gegen grosse Mieter wie Coop und Denner», sagt sie.

Als die Öffnungszeiten Anfang 2014 verlängert wurden, zeigten sich die kleinen Betriebe noch kämpferisch. In einem Brief an die PSM Center Management AG, die das Zentrum leitet, wurden unterschiedliche Öffnungszeiten für Lebensmittel und Non-Food vorgeschlagen. Diese wurden mit der Begründung abgelehnt, ein Einkaufszentrum brauche einheitliche Öffnungszeiten.

Am Entscheid, erst um 20 Uhr zu schliessen, war nicht zu rütteln. Auch später, als sich im Rahmen einer Umfrage nur 14 Prozent der knapp 700 Befragten für eine Verlängerung aussprachen, blieb die Zentrumsleitung bei ihrem Entscheid. «Die Umfrage wurde einfach ignoriert», sagt Brigitte Horlacher von der Telli-Apotheke. Die PSM rechtfertigte ihren Entscheid damit, dass die Umfrage nicht repräsentativ sei und womöglich Lobbying betrieben wurde, um den Entscheid als unerwünscht darzustellen.

Heute steht sie nach wie vor hinter ihrem Entscheid. Man habe aber vollstes Verständnis für die kleinen Geschäfte. «Es ist klar, dass private Unternehmen mit den verlängerten Öffnungszeiten ein höheres Risiko bezüglich der Wirtschaftlichkeit eingehen», sagt Zentrumsleiter René Bieri. Handkehrum profitierten sie vom Coop als starken Ankermieter.

«Man kann es auch anders sehen: Was wäre, wenn es im Tellizentrum keinen Coop geben würde?» Dank dem Lebensmittelriesen würden täglich Tausende von Kunden im Telli einkaufen. Das Zentrum funktioniere deshalb sehr gut, was nicht selbstverständlich sei. «Wir müssen uns an die starke Konkurrenz im Ausland anpassen», sagt René Bieri. Er betont, dass der Vorstand der Mietervereinigung die verlängerten Öffnungszeiten mehrmals gutgeheissen habe.