Landwirtschaft
Ein Drittel weniger Most: Produzenten klagen wegen fehlender Äpfel über ertragsmässig «viel schwächeres Jahr»

Vier Mostereien aus der Region berichten von einem schlechten Jahr für Saft-Liebhaber. So fehlen allerorts die dringend benötigten Äpfel. Warum es dazu gekommen ist und warum doch noch Hoffnung besteht, erklärt ein Produzent vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg.

Larissa Gassmann
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Hier waren noch genügend Äpfel vorhanden: die Kundenmosterei von Regina Lehmann im Jahr 2015. (Archivbild)

Hier waren noch genügend Äpfel vorhanden: die Kundenmosterei von Regina Lehmann im Jahr 2015. (Archivbild)

Chris Iseli

«Ich zeig dir, wo de Bartli de Most holt», lautet ein bekanntes Sprichwort – doch in diesem Jahr dürfte auch «de Bartli» damit seine liebe Mühe haben. Denn: Anders als im letzten Glanzjahr fliesst das zu Saft verarbeitete Obst nicht in Strömen durch die Mostereien. So sind die Anlagen derzeit nur schwach ausgelastet. Dies bestätigt Christian Halter, dessen Familienunternehmen seit 1807 in Beinwil am See Obst erntet und verarbeitet. Kamen private Kunden früher mit ganzen Kofferräumen voller zusätzlicher Äpfel an, so seien es in diesem Jahr deutlich weniger geworden. «Wenn wir fertig sind, werden es schätzungsweise etwa zwei Drittel einer normalen, grossen Ernte sein», so Halter.

Als Grund dafür gibt er das feuchte Wetter an, bei dem vermehrt Krankheiten auftreten. «Anders als in einem sehr sonnigen Jahr ist nun der Zuckergehalt auch etwas tiefer», sagt Halter. Dass der schlechte Frühling mit Nässe und Kälte verhindert hat, dass bestehende Blüten bestäubt werden konnten und durch die Niederschläge im Sommer der Krankheitsdruck grösser wurde, bestätigt Hans Jörg Haller. Er produziert seit über zwanzig Jahren in Gränichen und waltet im dort ansässigen Landwirtschaftlichen Zentrum als Betriebsleiter Ausbildungs- und Versuchsbetrieb. Verzeichnet hat er heuer bis jetzt um die 25'000 Liter Most. Das sei ebenfalls «sicher etwa ein Drittel» weniger als sonst.

Dass es ertragsmässig «ein viel schwächeres Jahr» sei, befindet denn auch die ehemalige SVP-Grossrätin Regina Lehmann, die in Reitnau eine Kundenmosterei betreibt. Der Frost habe die Bäume im falschen Moment erwischt. Und doch: «Mittlerweile wird mehr gemostet als erwartet», sagt Lehmann. So habe sie am Anfang damit gerechnet, dass gewisse Bäume überhaupt keinen Ertrag einbringen.

Im nächsten Jahr könnte alles besser werden

Und: Trotz allem verkaufen sich die Produkte gut, wie Halter berichtet. Kunden würden Most & Co. wieder vermehrt direkt bei den Bauern und Produzenten beziehen. Gleichzeitig seien industrielle Mostereien durch den Überschuss vom letzten Jahr sogar froh, wenn nicht zu viel Obst geliefert wird – zumal die Bauernzeitung in diesem Bereich von einer sinkenden Nachfrage berichtet. So ruft denn auch Halter dazu auf, wieder vermehrt auf das Getränk zu setzen. Schliesslich sei Süssmost «ein gesundes Naturprodukt, ganz ohne zusätzlichen Zucker».

Über die Nachfrage im eigenen Shop kann sich derweil auch Pascal Furer von der Mosti Furer in Staufen nicht beklagen. «Unsere Kunden konsumieren nicht weniger als sonst», so der aktuelle Grossratspräsident. Weniger Süssmost verkaufen würden primär die industriellen Mostereien – dies nicht zuletzt, da derzeit Veranstaltungen wegfallen. Dass weniger Äpfel vorhanden sind, bekommt aber auch Furer zu spüren. Was den Ertrag betrifft, so rechnet er «etwa mit der Hälfte einer durchschnittlichen Saison». Schuld sind hier ebenfalls Hagelschäden oder Pilze. Immerhin sei er mit der Qualität der verbliebenen Exemplare zufrieden. Und: «Ich gehe davon aus, dass das nächste Jahr ein gutes wird. In der Regel wechselt sich das immer ab.»

So führt Haller aus, dass Hochstammbäume alternierend sind. Demzufolge bleibt den Bäumen in einem derart erfolgreichen Sommer wie dem letzten kaum Energie, um Blütenknospen zu bilden – dementsprechend kann auch weniger Obst entstehen. «Die Voraussetzungen, dass die Ernte im nächsten Jahr nun ertragreicher ist, sind somit gegeben», so Haller. Bereits jetzt zufrieden ist Lehmann-Wälchli – selbst wenn sich die Situation nicht mit der erfolgreichen letzten Saison vergleichen lässt. Qualitätstechnisch könne sie heuer nicht klagen: «Es git en guete Most.»

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