Detailhandel

Landi Aarau-West ist in Frauenhand – das Unternehmen kann gute Zahlen präsentieren

Die neue Führungscrew: Manuela Schmidig, Vorsitzende der Geschäftsleitung, Martina Studinger, Leiterin Agrarbereich, und Hans Bucher, Leiter Energiebereich (v.l.).

Die neue Führungscrew: Manuela Schmidig, Vorsitzende der Geschäftsleitung, Martina Studinger, Leiterin Agrarbereich, und Hans Bucher, Leiter Energiebereich (v.l.).

Das in Kölliken beheimatete Unternehmen mit Filialen von Zetzwil bis Winznau SO hat im Geschäftsjahr 2019 einige Veränderungen vorgenommen – eine zentrale Rolle kam 2019 dem neu eröffneten Volg-Laden in Oberentfelden zu.

Die Landi Aarau-West AG musste ihren Geschäftsbericht 2019 coronabedingt von den Aktionären schriftlich absegnen lassen. Erstmals machte das Unternehmen 2019 einen Umsatz von mehr als 60 Millionen Franken: 61,5 Millionen (Vorjahr 59,7).

2019 war ein bewegtes Jahr in der Führung des Unternehmens, das 123 Angestellte (82 Vollzeitstellen) beschäftigt. Peter Stalder, Vorsitzender der Geschäftsleitung, musste aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. Rolf Iten, Leiter Detailhandel, hat sich beruflich neu orientiert, und Martin Niederberger, Leiter Agrarhandel, hat den elterlichen Bauernhof übernommen.

Mit Manuela Schmidig, einer Schwyzer Bauerntochter, die ihre Karriere ursprünglich mit einer Lehre bei der Landi lanciert hat, übernahm erstmals eine Frau den Vorsitz der Geschäftsleitung. Hans Bucher ist weiterhin für den Energiebereich zuständig; Martina Studinger leitet den Agrarbereich.

Der Umsatz der Volg-Läden stieg um 8 Prozent

Eine zentrale Rolle kam 2019 dem neu eröffneten Volg-Laden in Oberentfelden zu. Er schlägt sowohl bei den Investitionen zu Buche, als auch beim Geschäftsbereich Detailhandel, wo der Bruttogewinn um 475'000 Franken (5,2 Prozent) zunahm. Der Umsatz allein der Volg-Läden im Unternehmen stieg von knapp 8 auf knapp 9 Millionen Franken. Die Landi betreibt Volg-Läden (meist mit Postagenturen) auch in Zetzwil, Oberkulm (da wurde umgebaut), Teufenthal, Moosleerau und Gontenschwil. Zudem führt sie Tankstellenshops am Hauptsitz in Kölliken und in Winznau, Landi-Läden in Kölliken, Däniken SO und Winzau SO sowie Landi-Agro-Zentren in Kölliken, Däniken SO und Oberkulm. Manuela Schmidig weist auf eindrückliche Verkaufsmengen 2019 in den beiden Tankstellenshops hin: «14'000 Chrustenkränze, 74'000 Buttergipfeli, 4200 Happy-Day-Lose.»

In den Getreidesammelstellen wurde im letzten Jahr insbesondere eine gute Weizenernte, sowohl was die Qualität als auch die Mengen betrifft, abgeliefert. Eher enttäuschend fiel das Rapsjahr 2019 aus. Da machten die Frühlingskälte und der Stängelrüssler, ein Schädling, den Produzenten einen Strich durch die Rechnung. Im Agrarhandel (z.B. Futter, Saatgut, Dünger) stieg der Umsatz um 1,2 Prozent.

Die Zahl der Aktionäre stieg um 17 auf 236

Bei Brenn- und Treibstoffen bestimmt der Ölpreis den Umsatz wesentlich mit. Im Heizölhandel stieg der Umsatz 2019 auf 1,841 Millionen Franken (Vorjahr 1,574). Die Mengen an den Tankstellen – in Safenwil, Reitnau und Schmiedrued gibt es unbediente Tankstellen – konnten gehalten werden. In Winznau SO ergänzt eine Tankstelle mit Adblue, ein Produkt zur Schadstoffreduktion bei Dieselmotoren, das Angebot. Dieses Jahr soll auch Kölliken so aufgerüstet werden. Zudem hat die Landi die Autowaschanlage in Winznau auf den technisch neusten Stand gebracht.

Die Zahl der Aktionäre hat 2019 von 219 im Vorjahr auf 236 zugenommen. Leicht gesunken ist der Selbstfinanzierungsgrad. Höher als in den letzten fünf Jahren schlagen die Investitionen (Volg Oberentfelden, Tankstelle/Autowaschanlage Winznau) zu Buche: 786'000 Franken. Nichtsdestotrotz wird ein Unternehmensergebnis von 106'000 Franken ausgewiesen: Für Dividenden werden wie im Vorjahr 75'000 Franken verwendet, 30'000 Franken werden den Reserven zugewiesen.

Online-Shop-Stress statt Kurzarbeit

Das Jahr 2020 ist für die Landi Aarau-West gut angelaufen. Natürlich hinterlässt Corona seit März Spuren. Manuela Schmidig nennt ein paar Herausforderungen: Tiefe Heizölpreise lassen Bestellungen in die Höhe schnellen (Logistikprobleme); Personal zum Teil in Risikogruppen (Ersatz); teils unterschiedliche Vorgaben in den Kantonen Aargau und Solothurn (Zusatzaufwand).

«Wir beantragten keine Kurzarbeit», sagt Manuela Schmidig. Der Online-Handel zwang zu Sonderschichten am Morgen und am Abend: «Die Ware musste gerüstet werden.» Sie denkt, dass die Landi die 1,5 Lockdown-Monate Ende Mai wieder wettgemacht haben wird. Umsatzmässig.

Wichtige agrarpolitische Volksabstimmungen stehen an, die beiden Initiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide». Themen, die die produzierende Landwirtschaft ebenso betreffen wie die Landi Aarau-West AG, wo aktive Bauern im Verwaltungsrat in der Mehrheit sind.

Für Verwaltungsratspräsident Meinrad Peter aus Reitnau ein Dilemma: «Einerseits wird eine umwelt- und ressourcenschonende Landwirtschaft verlangt, andererseits sollten wir immer noch günstiger produzieren, hoch effizient wie die durchrationalisierte Industrie.» Seine Antwort: «Nur zusammen mit den Menschen, die unsere Nahrungsmittel kaufen, können wir die Landwirtschaft umweltfreundlicher gestalten. Die gesellschaftlich übergreifende Solidarität ist der Schlüssel dazu.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1