Seit Jahren schwelt in der Telli ein Konflikt zwischen Anwohnern einerseits und Nutzern des Spiel- und Sportplatzes beim Primarschulhaus andererseits. Erstmals aufs politische Tapet kam dies im März dieses Jahres, als die Einwohnerratsmitglieder Susanne Klaus (Grüne) und Thomas Grüter dem Stadtrat Fragen stellten. Sie wollten wissen, warum ein neues Ballfangnetz den Kindern Sitzmöglichkeiten wegnehme und warum die Fussballtore ausserhalb der Schulzeiten neu nicht mehr benutzt werden dürfen.

Noch bevor der Stadtrat seine Antwort ausgearbeitet hatte, eskalierte die Situation: Der Quartierverein Telli, angeführt von Präsident Hansueli Trüb, und das Elternteam des Tellischulhauses um Silvie Theus lancierten eine Petition mit ähnlichem Inhalt.

Der Tenor des Begehrens: Wegen Lärm-Reklamationen aus der Nachbarschaft nehme man den Kindern nun den Spielplatz weg, das dürfe nicht sein. «Die fehlende Toleranz gegenüber Kindern und Jugendlichen und ihren Bedürfnissen nach Spiel und Bewegung verdrängt sie von Flächen, die sich zum Fussballspielen und Basketballspielen eignen und damit auch aus dem öffentlichen Raum, heisst es in der Petition.

«Dem Lärm permanent ausgesetzt»

In den sozialen Medien schlug dem Stadtrat respektive dem Stadtpräsidenten als angeblicher Urheber der unpopulären Massnahmen daraufhin heftiger Wind entgegen. Ebenso den Anwohnern im «Aaredörfli», auf deren Intervention die Massnahmen zurückgingen. Diese entschieden sich für die Offensive statt die Anonymität und erklärten sich in einem Leserbrief: Urs Jordi und SVP-Einwohnerrat Max Suter schrieben, sie seien «dem Lärm permanent ausgesetzt». Es sei immer schlimmer geworden, und vor allem in den Abendstunden und an den Wochenenden sei der Lärm «unzumutbar». Sie würden sich «in keiner Weise gegen spielende Kinder» stellen, der Platz habe sich aber «zu einem Treff von Jugendlichen sowie Erwachsenen» entwickelt.

In der ganzen Diskussion war lange unklar, wer was wann beschlossen hatte. Insbesondere die Frage, ob der Stadtrat als Gremium oder der Stadtpräsident die Massnahmen angeordnet hatte.

Aus der Antwort auf die Einwohnerrats-Anfrage Klaus/Grüter geht nun jedenfalls hervor, dass der Gesamtstadtrat nicht involviert gewesen war. Grundsätzlich hält der Stadtrat fest, dass das Quartier Telli – es zählt ungefähr 4000 Einwohner – «insgesamt über die höchste Anzahl von öffentlich zugänglichen Sportplätzen verfügt». Er nennt insbesondere die Sportanlagen der Kantonsschule (beim Hallenbad) und der Berufsschule sowie der Fussballplatz beim Wehr Rüchlig.

Schon 20 Jahre Zoff

In der stadträtlichen Stellungnahme wird geschildert, dass die Nutzung des Sportplatzes Telli schon seit über 20 Jahren zu Reklamationen wegen Lärmemissionen führe. Diese kämen insbesondere von den Bewohnern der Überbauung «Aaredörfli», schreibt der Stadtrat.

Abhilfe schuf ab zirka 2006 der Verzicht auf Spielgeräte wie Tore oder Basketballkörbe. Rund zehn Jahre später intervenierte jedoch die Eigentümergemeinschaft der Telli-Wohnzeile A beim Stadtrat, weil die Kinder wegen der fehlenden Infrastruktur auf dem Schulhausplatz nur auf dem Rasen bei den Telli-Hochhäusern Ball spielen konnten.

Also liess die Stadtverwaltung wieder Basketballkörbe beim Schulhaus montieren. Es dauerte laut Stadtrat nur wenige Wochen, bis die «Aaredörfli»-Bewohner wieder einen Beschwerdebrief an die Stadt schickten. Das Hauptproblem: der durch prellende Bälle verursachte Lärm.

Tore statt Basketballkörbe

An einem «runden Tisch» wurde im Sommer 2017 beschlossen, dass – unter Mithilfe der Jugendlichen – die Körbe zu bestimmten Zeiten abmontiert und morgens wieder montiert werden solle. «Da die konsequente Umsetzung nicht gelang, wurden bald darauf anstelle der Körbe Handballtore aufgestellt», so der Stadtrat. «Die Anwohnerinnen und Anwohner haben sich jedoch an den Lärmemissionen weiterhin gestört.»

Im Sommer 2018 kam es zu einer nächsten Aussprache, um «die Situation insbesondere in der schulfreien Zeit zu verbessern». Von Seiten der Stadt habe man erklärt, dass eine Schliessung des Platzes nicht infrage komme und alle Sportplätze von Schulanlagen dieselben Öffnungszeiten hätten. Und: Die am Treffen ebenfalls anwesende Stadtpolizei habe zwar bestätigt, dass es zu Reklamationen gekommen sei, aber man habe auf dem Sportplatz keine nicht erlaubten Nutzungen festgestellt.

An diesem Tag seien schliesslich drei Massnahmen beschlossen worden: Es wurden geräuscharme Fussbälle zur Verfügung gestellt und ein Ballfangnetz vor der Fensterfront montiert (letzteres kostete 8700 Franken); ausserdem liess die Stadt Hinweissschilder anbringen, um die Nutzer für die Lärmproblematik zu sensibilisieren.

Areal bleibt frei zugänglich

Für die Anwohner sei die Lärmbelastung trotzdem zu gross geblieben, «vor allem am Abend und an den Wochenenden», schreibt der Stadtrat. Sie hätten dies im vor wenigen Monaten erneut bei der Stadtverwaltung moniert, worauf im März eine Begehung vor Ort stattgefunden habe. Der Stadtpräsident und die Schulleitung hätten daran teilgenommen.

Dabei wurde beschlossen, die Handball- respektive Fussballtore ausserhalb der Schulzeit «beiseitezustellen» – also unbenutzbar zu machen. Trotzdem hält der Stadtrat fest: «Das Schulareal und der Pausenplatz sind wie alle anderen Schulanlagen in der Stadt Aarau frei zugänglich und dürfen ausserhalb des Schulbetriebs von 7 bis 22 Uhr und an Wochenenden ab Mittag unter Berücksichtigung des Polizeireglements frei genutzt werden.»

Im Polizeireglement ist grundsätzlich festgehalten, dass bestraft wird, wer die Öffentlichkeit oder die Nachbarschaft übermässig stört. Insbesondere sind in Wohngebieten lärmige Hobbys über Mittag (12 bis 13 Uhr), nachts (20 bis 7 Uhr) sowie an Sonn- und Feiertagen verboten.

Was unter «lärmige Hobbys» fällt oder als «übermässig störend» qualifiziert wird, ist nicht definiert. Es findet sich lediglich ein Vermerk, dass die Nutzung von Lautsprechern – also zum Beispiel Gettoblastern auf dem Spielplatz – nicht erlaubt ist.