Aarau

Längere Öffnungszeiten im Telli: Kleine Geschäfte fühlen sich machtlos

Alle unter einem Dach – aber beim Mitbestimmen haben die kleinen Geschäfte das Nachsehen. Pascal Meier

Alle unter einem Dach – aber beim Mitbestimmen haben die kleinen Geschäfte das Nachsehen. Pascal Meier

Kleine Geschäfte im Einkaufszentrum Telli sind nicht glücklich über die längeren Öffnungszeiten. Ausrichten können sie aber nichts. Die grossen Geschäfte haben die Entscheidungsgewalt in der Hand.

Die verlängerten Öffnungszeiten im Einkaufszentrum Telli in Aarau sorgen für Gesprächsstoff: Kleine Fachgeschäfte klagen, diese brächten nur finanziellen Mehraufwand für Personal, nicht aber zusätzlichen Umsatz (wir berichteten). Die Verwaltung des Zentrums wiederum, die PSM Center Management AG aus Zürich, stellt das Kundenbedürfnis und den stärker werdenden Konkurrenzkampf in den Vordergrund.

Die kleinen Geschäfte ärgern sich aber nicht nur über die Verlängerung, sondern auch über die Art und Weise des Entscheides. Man sei von den grossen Geschäften schlichtweg überstimmt worden, weil diese aufgrund der grossen Ladenflächen mehr Stimmen hätten. «Was die Grossen wollen, wird eingeführt. Die Abstimmungen sind eine Farce», sagt beispielsweise Felix Horlacher von der Telli-Apotheke.

Je grösser, desto mehr Stimmen

Im Telli-Zentrum gibt es eine Mietervereinigung, die einen Vorstand stellt, der für die operativen Geschäfte der Mietervereinigung zuständig ist. Die Mietervereinigung ist eine Werbe- und Kommunikationsplattform und hat den Zweck, dass sich die Mieter gemeinsam über die Dachmarke Einkaufszentrum Telli vermarkten.

Die Mitgliedschaft ist für alle kommerziellen Mieter obligatorisch, das Stimmrecht wird mittels Schlüssel verteilt: Je grösser die Verkaufsfläche, desto mehr Stimmen hat ein Geschäft.

Das Maximum, beispielsweise für Coop, liegt bei 4 Stimmen. Gehören verschiedene Läden der gleichen Unternehmensgruppe an, können sich die Stimmen kumulieren. So zum Beispiel bei der Coop-Gruppe, zu welcher der Supermarkt, die Import-Parfümerie und das Elektrofachgeschäft Dipl. Ing. Fust zählen, oder die Charles Vögele Gruppe, die mit zwei Geschäften im Telli-Zentrum vertreten ist.

Das war jedoch nicht immer so: Bevor die PSM die Verwaltung übernahm, hatte jede Filiale nur eine Stimme, unabhängig von der Verkaufsfläche.

Eigentümerin hat das letzte Wort

Der fünfköpfige Vorstand setzt sich aus der Eigentümerin, vertreten durch die Zentrumsleitung, und den Filialleitern von H&M, Coop und Dosenbach zusammen. Präsidiert wird er von Susanne Werder, Inhaberin der Drogerie.

Der Vorstand wiederum kann Anträge stellen und Wünsche anbringen, die Entscheidungsgewalt liegt aber immer bei der Zentrumseigentümerin. «Es ist letztlich immer die Zentrums-Eigentümerin, die über solche betriebliche Veränderungen abschliessend entscheidet», sagt Stefan Küchler von der Zentrumsverwaltung PSM. Das sei im Mietvertrag so definiert.

Dem Vorwurf, die kleinen Geschäfte könnten sich aufgrund der Stimmenverteilung weder in der Mietervereinigung noch im Vorstand gegen Vorhaben der «Grossen» wehren, hält Küchler entgegen: «In der Mietervereinigung können sämtliche Geschäfte autonom abstimmen. Argumentiert eine Interessensgruppe gut, hat sie durchaus Chancen.»

Küchler räumt aber ein, dass der Wandel der Einkaufszentren – immer mehr Ketten, immer weniger kleine Fachgeschäfte – Schwierigkeiten mit sich bringe. «Dadurch wird es für kleine Geschäfte tatsächlich schwieriger, sich im Zentrum zu behaupten.» Diese Ungerechtigkeit sei aber nicht die Schuld der Zentrumseigentümer oder der Verwaltung.

Betreffend Vorstands-Entscheiden gibt Küchler den Schwarzen Peter an die kleinen Geschäfte zurück: «Jedem Filialleiter oder Geschäftsinhaber steht es frei, für den Vorstand zu kandidieren.»

Man habe vonseiten der Verwaltung denn auch verschiedene Personen angefragt, aber nur Absagen erhalten. Apotheker Horlacher bestätigt, mehrfach für ein Amt im Vorstand angefragt worden zu sein. Er weigere sich aber. «Es wäre vergebene Liebesmüh, auch im Vorstand würden wir von den grossen Mietern und der Verwaltung überstimmt.»

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