Aarau

Labor statt Beiz, Kreisel statt Knoten: Bei der «Bavaria» in Aarau bleibt kein Stein auf dem andern

In den nächsten Jahren, frühestens ab Ende 2020, wird aus der Bavaria-Kreuzung ein Kreisel.

Zuerst kam der Abriss: Nachdem das Restaurant Bavaria schon 2014 dem Erdboden gleichgemacht wurde, ist nun auch die Garage Rebmann bei der Kreuzung Aarauerstrasse/Buchserstrasse/ Tramstrasse Geschichte. In den nächsten Jahren, frühestens ab Ende 2020, wird aus der Bavaria-Kreuzung ein Kreisel. Der Kanton ist hier federführend, das Projekt lag noch nicht öffentlich auf.

Im Laufe dieses Jahres wird die Altlastensanierung der Schäferwiese, wo es früher eine sogenannte «Scherbengrube» mit Bauabfällen gab, in Angriff genommen. Das kostet rund 400 000 Franken. Direkt bei der Kreuzung beginnt bald – voraussichtlich im März – der Neubau des Labors für das Kantonsspital Aarau. 36,6 Millionen Franken sind dafür veranschlagt.

Mit dem Bau des Labors beginnt also an der Stelle ein neues Kapitel, an der vor viereinhalb Jahren ein anderes geschlossen wurde: Im September 2014 begannen die Abbrucharbeiten am ehemaligen Restaurant «Bavaria».

Gebaut worden war das Haus 1901/02 vom bayrischen Bierbrauer Johann Jakob Gundel, was den Namen «Bavaria», (lateinisch für Bayern und Name einer weiblichen, für Bayern stehenden Symbolfigur), erklärt. Gundel betrieb in Buchs eine Brauerei. Das Restaurant betrieb Gundel zu Beginn nicht selbst, er verpachtete es. Nach 1917 scheint er es selbst geführt zu haben, bis schliesslich sein Sohn Karl die Beiz übernahm. Dieser war aber an Autos interessiert, jedenfalls liess er 1923 direkt neben dem Restaurant eine Autogarage mit Werkstatt bauen. 1926 vermietete Karl Gundel die Anlage an die Firma Rebmann.

1932 ging das «Bavaria» an die Familie Scheurer, die das Restaurant schliesslich in zweiter Generation bis Ende 2013 führte (mit Paul und Susanne Scheurer-Rüetschi). 2012 hatte das KSA die Liegenschaft gekauft. Ursprünglich hatte die Idee bestanden, aus dem Haus ein Personalrestaurant oder eine Personalunterkunft zu machen. Doch der Zustand des Hauses war zu schlecht.

Ein Augenschein nur Tage vor dem Abriss zeigte im Innern ein Haus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien: Die Telefonnummern im an die Wand gepinnten Restaurantführer waren noch sechsstellig, ein Poster mahnte die Polizeistunde um 24 Uhr an und vom FCA-Poster grinste Ottmar Hitzfeld.

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