Trockenheit
Kürbisse früher reif – doch Bauern fehlen Futtervorräte für Winter

Der trockene Sommer hat Folgen in der Landwirtschaft. Bauern fehlen nun Heu und Silage, Kartoffeln und Pilze. Der Mais wollte auch nicht recht wachsen.

Nadja Rohner
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Die Kürbisse von Hans-Ruedi und Barbara Hunziker aus Kirchleerau sind so gut gediehen wie in anderen Jahren – was man von ihrem Mais nicht behaupten kann. SPI

Die Kürbisse von Hans-Ruedi und Barbara Hunziker aus Kirchleerau sind so gut gediehen wie in anderen Jahren – was man von ihrem Mais nicht behaupten kann. SPI

Alex Spichale

Das wars nun also mit dem Sommer. Bald weichen Hitze und Trockenheit dem Nebel und dem Jacken-Wetter. Allerdings werden die Aargauer Landwirte wohl noch im Winter an die teils extremen Wetterverhältnisse dieses Sommers denken – wenn das Futter für ihre Tiere langsam zur Neige geht.

Tobias Beeler, Spezialist für Futtermittel beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen, bestätigt, dass die Bauern diesen Sommer ihre Futtervorräte für den Winter nicht wie gewohnt anlegen konnten. «Beim Gras waren der erste Schnitt Ende April und der zweite, etwa acht Wochen später, noch gut», sagt Beeler. «Die Sommerschnitte im Juli und August fielen aber fast komplett weg.» Zwar wächst das Gras nun wieder. Aber mehr als einen Schnitt werde man diese Saison wohl nicht mehr machen können, schätzt Beeler. Den Bauern fehlen also Heu und Silage.

Regional grosse Unterschiede

Das ist gravierend, weil in diesem Sommer auch der Mais nicht recht wachsen wollte: «Die Maispflanzen haben unter der Trockenheit teils stark gelitten», sagt Beeler. «Die Biomasse ist geringer als sonst.» Das heisst: Die Pflanzen sind kleiner, die Maiskolben sind nicht gefüllt. Insgesamt sinkt so der Energiegehalt der Pflanzen – es gibt also schlicht weniger Silomais, der erst noch weniger Kalorien hat. Allerdings seien die Ernteerträge regional sehr unterschiedlich, sagt Beeler: «Während die Maispflanze blüht, reagiert sie am sensibelsten auf Trockenheit. Wenn ein Gewitter an diesen Blütetagen knapp neben dem Feld vorbeizieht, hat der Bauer Pech gehabt.»

Unter der Trockenheit hat laut Tobias Beeler auch ein weiteres Futtermittel extrem gelitten: Die Zuckerrüben, deren Ernte noch bevorsteht, sind kleiner als üblich. Aus ihnen wird nicht nur Kristallzucker gemacht, die silierten Schnitzel werden dem Vieh verfüttert.

Die Bauern werden also Mühe haben, ihre Tiere diesen Winter normal zu füttern. Was tun? Laut Tobias Beeler haben die Bauern drei Möglichkeiten: Die Landwirte können ihren Viehbestand reduzieren, indem sie Tiere verkaufen oder schlachten lassen. «Im Moment erhält man für Kühe einen guten Preis, wenn man sie dem Metzger gibt», sagt der Futterspezialist. Die Bauern können aber auch Futtermittel zukaufen und ihre Tiere im normalen Umfang weiterfüttern. «Im Notfall könnten sie die Tiere auch etwas weniger füttern als sonst – mit dem Resultat, dass Kühe auch weniger Milch geben», erklärt Beeler.

Kürbisse mögens heiss

Durchzogen fällt die Bilanz beim «Futter» für die Zweibeiner aus. Die Kürbisse von Hans-Ruedi Hunziker vom Kirchleerauer Stoltenhof sind heuer so schön und so gross wie immer – sie waren sogar zwei Wochen früher reif als üblich, erzählt der Landwirt. «Kürbisse lieben Hitze, brauchen aber viel Wasser.» Extra bewässern musste Hunziker die Gewächse nicht. «Es kommt schwer auf den Boden an», sagt er. «Ist dieser lehmig, kann er das Wasser schlecht aufnehmen, die Kürbispflanze bekommt zu wenig Wasser. Unsere Böden sind eher sandig, das ging gut.»

Zudem, so Hunziker, hätten die Kürbispflanzen grosse Blätter ausgebildet, die den Boden grossflächig beschatten und so die Feuchtigkeit im Boden behalten. Bei den jungen Pflanzen, die noch keine grossen Blätter ausgebildet haben, hilft der Bauer etwas nach: «Wir setzen sie in die Löcher einer schwarzen, verrottbaren Mulchfolie, die auf der Erde liegt und den Boden ebenfalls vor dem Austrocknen schützt. Ausserdem hält die Folie auch das Unkraut zurück.»

Zusätzlich wässern musste Hans-Ruedi Hunziker während der heissen Tage Schnittgemüse wie Fenchel und Salat. Diese wurzeln nicht so tief in den Boden wie Kürbisse. «Ohne zusätzliche Bewässerung hätte das dieses Jahr nichts gegeben», sagt er. Auch sein Mais wuchs unterdurchschnittlich.

Doppeltes Pech bei Kartoffeln

Auch bei den Kartoffeln verzeichnen die Bauern dieses Jahr massive Ernteeinbussen oder sogar Ausfälle. Vor allem dort, wo die Felder nach den Regenfällen im Frühjahr unter Wasser standen. «Dann ertrinken die Pflanzen innert eines Tages», sagt Tobias Beeler vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. In den späten Sommermonaten haben die Kartoffeln wieder ausgetrieben – unerwünschterweise. Denn die nun entstandenen kleinen Kartöffelchen sind für den Grosshandel nicht geeignet und werden meist gar nicht erst geerntet. «So gesehen hatten die Bauern mit den Kartoffeln dieses Jahr doppelt Pech», sagt Beeler.

Nirgendwo hat’s Pilze dran

Glücklos sind derzeit auch die Pilzler: «Bis jetzt läuft noch nicht viel», sagt Hans Blattner, Pilzkontrolleur aus Küttigen. Normalerweise geht die Saison schon Mitte August richtig los. Täublinge, Röhrlinge oder Eierschwämme sollten jetzt in den Wäldern stehen – aber man findet kaum welche. Im Gegensatz zu den Bauern können die Pilzsucher aber noch auf eine gute Ernte hoffen: «Es bräuchte Regen und die richtige Temperatur, nicht zu warm und nicht zu kalt. Um die 25 Grad Celsius wären ideal», sagt Hans Blattner.