Küttigen
Kuny-Textilbänder: Von Geschenkverpackungen über Blumen zu Kniegelenken

Vor 100 Jahren schmückten die Bändeli Finken und Korsetts, heute werden sie auch im medizinischen Bereich verwendet. Auch geographisch sind die Bänder weit verbreitet, sie werden in ganz Europa und bis nach Amerika und Australien exportiert.

Hermann Rauber
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Moderne Maschinen in Reih und Glied verarbeiten die Bänder. zvg

Moderne Maschinen in Reih und Glied verarbeiten die Bänder. zvg

«Bänder sind unsere Leidenschaft ... seit 1914», so steht es auch auf dem Prospekt der Firma Kuny AG mit Sitz in Küttigen. Dass die «Bändelifabrik» am nördlichen Dorfrand an der Strasse zum Benkerjoch ihr hundertjähriges Bestehen feiern darf, ist mit Blick auf die wechselvolle Geschichte keine Selbstverständlichkeit. Der Weg zu einer heute führenden Herstellerin von Textilbändern in Europa war lang und oftmals steinig.

Das runde Jubiläum, so führte CEO René Lenzin am Wochenende vor einer grossen Gästeschar aus, sei «ein sichtbares Zeichen von Stabilität, Konstanz und Tradition, aber auch von Visionen und Durchsetzungsvermögen».

Als Hans Kuny-Thommen im Sommer 1914 den Betrieb mit einigen Webstühlen aufnahm, hatte er in den Anfangsjahren gegen unzählige, vor allem durch den Ersten Weltkrieg verursachte Schwierigkeiten zu kämpfen. Zuerst wurden hauptsächlich Baumwoll- und Zierbänder für Hausschuhe hergestellt, später kamen Plüschbänder für die Korsettindustrie hinzu. In den folgenden Jahrzehnten erlebte der Betrieb eine stete Erweiterung, sowohl baulich als auch im Geschäftsvolumen. Man setzte nun auch auf die Herstellung von Skifellen oder von Klettverschlüssen, die in grossen Mengen von der Armee geordert wurden.

Heute finden sich Bänder aus Küttigen in der Modebranche, auf Geschenkverpackungen (zum Beispiel bei Chocolatier Sprüngli), in der Floristik, bei Bastelartikeln oder in der Orthopädie, also in der medizinischen Anwendung, namentlich mit synthetischen Kreuzbändern. Geliefert werden schliesslich auch funktionale Kupferbänder für die Transformatorenindustrie. Sämtliche Hauptartikel sind in einem Fertiglager verfügbar, die dank modernster EDV rasch, also innert Stunden an die Kundschaft ausgeliefert werden können.

Stark vom Export abhängig

Die Bandweberei Kuny AG bekennt sich ausdrücklich zum «Standort Schweiz», sie ist allerdings zu rund 77 Prozent exportabhängig. Laut Verkaufsleiter Armin Schwegler gehen Kuny-Artikel unter anderem nach Amerika und Australien und nach Europa, wobei man seit 1992 von der englischen Berisfords Ltd. Congelton profitiert, die zur Kuny-Gruppe gehört und «Türen innerhalb der EU öffnet». Entscheidend ist, dass «sich alle Produktionsstufen unter einem Dach befinden», erklärt Hans Georg Kuny, der Enkel des Firmengründers.

Man habe bewusst auf Auslagerungen verzichtet und damit «die komplette Wertschöpfungskette erhalten». Dazu gehört nicht nur ein moderner Maschinenpark, sondern auch die interne Logistik, die laut Kuny «in den letzten zwölf Monaten rechtzeitig auf das Jubiläum hin durch eine rege Bautätigkeit optimiert werden konnte». Die Betriebsfläche umfasst nach der Erweiterung rund 20 000 Quadratmeter, von denen die Hälfte ausschliesslich der Lagerkapazität dient.

Die Finanzkrise 2008 liess auch über der Kuny AG dunkle Wolken aufziehen. Erstmals in der Firmengeschichte musste Kurzarbeit beschlossen werden. Ein Jahr später regelte die Familie Kuny die Besitzverhältnisse neu. Die Kuny AG wurde zusammen mit den zur Gruppe gehörenden Gesellschaften in der neu gegründeten Benken Holding AG gebündelt. 2011 traf der Währungszerfall die Firma erneut.

Leider, so Hans Georg Kuny, konnte als Folge davon am Standort Küttigen ein Personalabbau nicht vermieden werden. Die verbliebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – heute sind es rund 100 – zeigten sich solidarisch und akzeptierten eine Erhöhung der Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn. Das zeigt die enge Verbundenheit der Belegschaft mit «ihrem» Unternehmen.

Hundert Jahre nach der Gründung aber ist die «Kuny-Gruppe heute und für die Zukunft hervorragend positioniert», versichert CEO René Lenzin am Jubiläumsfest, an dem auch Regierungsrat Urs Hofmann Gast war. Die verschiedenen Gesellschaften unter dem Holdingdach seien im technischen Bereich sowie in der Marktbearbeitung «optimal miteinander vernetzt». Dazu gehört seit kurzem auch die Kern Bänder AG, die als gruppeneigene Grossistin fungiert.