Oberentfelden
Künstlerin über ihren Weg zum Erfolg: «Eine Frau, die Stahl einkauft – das war nicht normal»

Seit über 30 Jahren produziert die Designerin Andrea Stahl (50) Möbel und Kunst aus Stahl.

Anja Suter (Text) und Severin Bigler (Fotos)
Merken
Drucken
Teilen
Andreas Stahl – Kunstwerke
9 Bilder
Andrea Stahl (50) ist Autodidaktin.
Sie ist Künstlerin und arbeitet mit Stahl.
Die Bilder entstanden in ihrer Werkstatt auf dem Areal der Genossenschaft Alte Bürsti.

Andreas Stahl – Kunstwerke

Severin Bigler

In ihrem Atelier in der «Alten Bürsti» in Oberentfelden steht Andrea Stahl an einem Tisch und poliert an einem ihrer fast fertigen Designs. Viel ist von der zierlichen Frau nicht zu sehen – sie trägt eine Schweissermaske, um sich vor den umherfliegenden Funken zu schützen.

Die Funken sprühen aber auch, wenn die Poliermaschine längst nicht mehr läuft. Die 50-Jährige mit den dunklen, wilden Locken versprüht Energie und Elan, während sie von ihren Anfängen in der Branche erzählt.

«Ich hab mit 19 Jahren das erste Mal mit Stahl gearbeitet, ich dachte da schon, dass es mir gefallen würde. Dass sich die ganze Sache aber zu dem entwickeln würde, was es heute ist, das habe ich nicht erwartet.»

Schweisser-Kurse für Frauen

Heute ist über 30 Jahre später, Stahl hat sich zu einer angesehenen Designerin und Künstlerin entwickelt. Den Ruf musste sie sich erarbeiten. «Am Anfang wurde ich immer schräg angesehen, wenn ich in Geschäften mein Rohmaterial einkaufte, eine Frau, die Stahl einkauft, das war nicht normal. Heute ist das aber eigentlich kein Problem mehr».

Der Weg zu diesem Ruf war kein kurzer. Am Anfang ihrer Selbstständigkeit finanzierte sich die Künstlerin grösstenteils über Schweisserkurse für Frauen, die sie mit grossem Erfolg anbot. «Ich dachte, dass die Schweisserkurse für Frauen nur ein kurzer Hype von zwei bis drei Jahren seien, schliesslich wurden daraus aber über fünfzehn Jahre.»

Die offenen Schweisserkurse bietet Stahl mittlerweile nicht mehr an, sie hat sie durch neu entwickelte Formate ersetzt. Zum einen sind dies die Teamevents. Dabei produzieren Mitarbeiter zusammen ein Werk, welches sie vor Ort in eigener Regie ausgetüftelt haben. «Da arbeiten Manager und Büetzer Hand in Hand nebeneinander, die Kunst schweisst sie zusammen.»

Zusätzlich versucht sich die Designerin seit Anfang dieses Jahres mit einem neuen Eventformat. «Bei den Stahl- Abend-Events kann jeder seine eigene Kreativität während dreier Stunden neu erforschen und ausleben.»

Mit den Jahren hatte die Künstlerin mit ihren Werken immer mehr Erfolg und setzte so auch den Schwerpunkt auf ihre Designs. Lässt man den Blick durch das Atelier schweifen, erkennt man die Handschrift der 50-Jährigen in fast allen ihrer Werke.

Frei Hand verziert sie Feuerschüsseln, Lampen, Stühle und viele andere Werke mit Ornamenten. Wirken sie auf den ersten Blick noch alle gleich, fallen einem mit der Zeit doch minimale Unterschiede auf. «

Jedes meiner Designs ist anders, trotzdem hat alles eine Linie. Meine Ornamente sind von der Natur inspiriert, genauer gesagt von den Schattenspielen, die die Blätter in der Natur werfen.»

Im Alleingang

Ihre Firma «stahl by stahl» führt Stahl im Alleingang. Produktion, Werbung und Internetauftritt stammen von ihr – genau diese Vielseitigkeit gefällt ihr aber.

«Wäre ich nur die ganze Zeit im Atelier am Produzieren, würde mir mit der Zeit der Spass an der Sache vergehen, so habe ich immer Abwechslung.» Aber auch einem vielseitigen Talent wie Andrea Stahl läuft nicht immer alles am Schnürchen.

Kreative Blockaden gehören zu ihrem Alltag. «Ich hab in all den Jahren nie rausgefunden, nach welchem Muster mich die Muse küsst. Wenn es kommt, dann kommt es und wenn nicht, dann halt nicht.»

«Teilweise mache ich etwas Neues, das ich total toll finde, die Kunden aber nicht begeistern kann», erklärt sie schmunzelnd. Andere Werke fände sie mit der Zeit dann irgendwie nicht mehr so gut wie am Anfang. Solche würden dann auch entsorgt oder eingeschmolzen.

«Weiterentwicklung ist eine Bedingung, das bedeutet auch, dass ich mich von Sachen trenne und wieder etwas Neues anfange.» Momentan bereitet sie sich auf die Giardina (14. bis 18. März) vor. Zum wiederholten Male ist sie an der Gartenausstellung in Zürich dabei.