Aarau
Kunstgiesserei aus Aarau fertigt Bronzebäume für Verstorbene an

Die Kunst- und Glockengiesserei H. Rüetschi AG in Aarau giesst zwei 15 Meter lange Bronzebäume für den St. Galler Friedhof. Diese Woche werden die letzten Formen für das aussergewöhnliche Kunstobjekt gegossen. Schon einmal fertigte die Giesserei ein Kunstobjekt für den St. Galler Friedhof an.

Barbara Vogt
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Kunstgiesser Roland Bolliger (links) hält Distanz zur glühend heissen Bronzemasse, die in eine Form gegossen wird.
9 Bilder
Kunstgiesserei Aarau
Kunstgiesser Roland Bolliger
Ein fertiger Bronzebaum
Vorne ein fertiger Bronzebaum, hinten ein echter, gefällter Baum, der als Modell dient
Beim Giessen
Wie echt sieht der Bronzebaum aus
Kurz vor dem Giessen
René Spielmann, Geschäftsleiter der H. Rüetschi AG

Kunstgiesser Roland Bolliger (links) hält Distanz zur glühend heissen Bronzemasse, die in eine Form gegossen wird.

Mario Heller

Das Gesicht von Roland Bolliger ist gerötet und mit Schweisstropfen übersät. Der Kunstgiesser steht neben einem grossen Tiegelofen, in dem flüssige Bronze brodelt. Mit einem langen Stab mit einem Temperaturfühler rührt er in der Masse, die 1060 Grad heiss ist. Dann gibt er den umstehenden Giessern ein Zeichen: Mit einer speziellen Mechanik holen sie die «süttigheisse» Masse aus dem Tiegelofen und giessen sie in die aus zwei Formkasten bestehende Sandgussform. Es zischt, raucht, Funken sprühen. Nach wenigen Minuten bereits beginnt sich die Bronze zu verfestigen, und die Giesser schaben die übrig gebliebenen Teile und Brocken von der Form und dem Boden ab.

Das Spektakel ist vorbei, die Besucher – noch immer gebannt vom Vorgang – ziehen sich ihre Schutzbrillen ab. Roland Bolliger schlüpft aus seinem Schutzkittel und wischt sich den Schweiss von der Stirn. Zufrieden begutachtet er das Werk: ein 2,70 Meter langer Bronzeabguss, als Hohlkörper gegossen. «Das war eine Herausforderung», sagt er. Weil die erhitzte Bronze schnell fliesst, musste sie innerhalb weniger Sekunden in die Form kommen. Dafür wurden 170 Kilogramm flüssige Rotgussbronze verwendet. Diese lasse sich gut bearbeiten, weil sie zum Nachbearbeiten weich sei, sagt der Kunstgiesser.

Die Bronzeform war das letzte Stück, das die Kunst- und Glockengiesserei H. Rüetschi AG in Aarau für die Reproduktion zweier Bäume aus Bronze gegossen hat. Seit Anfang Jahr arbeitet die Firma an diesem Gussauftrag der Stadt St.Gallen. Die beiden 15 Meter hohen Bronzebäume stehen künftig im Friedhof Bruggen in St.Gallen, nicht nur als Kunstwerke, sondern als Bote von Gemeinschaftsgräber. Damit wollen die St. Galler einen Waldfriedhof nachempfinden, wobei die Namen der Verstorbenen in die bronzenen Stämme und Äste eingraviert werden. Wenn es der Wunsch eines Menschen ist, sich im Gemeinschaftsgrab bestatten zu lassen, wird die Asche im daneben vorgesehenen Wiesenfeld vergraben.

Seit Januar dieses Jahres arbeitet die Giesserei an den zwei Bronzebäumen. In einer Halle werden die gegossenen Baumstämme und -Äste zusammengeschweisst und patiniert. Durch diese Behandlung würde sich die Bronze natürlich verfärben, sagt René Spielmann, Geschäftsleiter der H. Rüetschi. Ein Kunstwerk für einen Friedhof anzufertigen, ist für ihn speziell: «Automatisch beginnt man sich mit Leben und Tod zu befassen.» Bereits im letzten Jahr goss die Aarauer Kunstgiesserei ein Kunstobjekt für einen anderen Friedhof in St. Gallen: 350 Bronzeäste, die sich zu einem herbstlichen Haufen zusammenfügen.

Im nächsten Monat sollen die 15 Meter hohen Bronzebäume von Aarau nach St.Gallen transportiert werden. Nach dem Giessen der Kunstwerke eine weitere Herausforderung für die Giesserei Rüetschi AG.

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