Kunst
Schöne Aussichten: So blickt das Aargauer Kunsthaus mit seiner Sammlung in die Zukunft

Das Aargauer Kunsthaus hebt seine Schätze. «Davor – Darin – Danach» gibt Einblick in eine der umfassendsten Sammlungen der Schweiz.

Anna Raymann
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Installationsansicht von Urs Fischers The Intelligence of Flowers, 2003/2022

Installationsansicht von Urs Fischers The Intelligence of Flowers, 2003/2022

ullmann.photography

Das Aargauer Kunsthaus hat das Sammlungsjahr ausgerufen. Die Flüchtigkeit der letzten Monate hat den Blick auf das Vorhandene geschärft: Ein Hoch auf das, was da ist.

Wenn man in Schweizer Bescheidenheit von einer umfassenden Sammlung spricht, wird man ihrem Umfang nicht gerecht: In 20000 Werken bewahrt das Aargauer Kunsthaus das Schweizer Kunstschaffen vom 18. Jahrhundert bis ins Heute. Schenkungen, Deposita und Neuerwerbungen erweitern sie laufend zu einem Kunsthort, in dem niemand länger fehlen will.

Auf der Uhr von Roman Signer hat es längst Zwölfe geschlagen (12.20). Neuzuwachs: Bei Fischli & Weiss spriessen Pilze (Funghi 6, 2006). Mutter Erde blickt dem unflätigen Mann im Mond (2000) über die Schulter. Mit heiterer Farbenpracht empfängt Shirana Shabazi das Publikum (Untitled II-2012)... ...nach den geplatzten Festplänen (Eight, 2001).
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Auf der Uhr von Roman Signer hat es längst Zwölfe geschlagen (12.20). Neuzuwachs: Bei Fischli & Weiss spriessen Pilze (Funghi 6, 2006). Mutter Erde blickt dem unflätigen Mann im Mond (2000) über die Schulter. Mit heiterer Farbenpracht empfängt Shirana Shabazi das Publikum (Untitled II-2012)... ...nach den geplatzten Festplänen (Eight, 2001).
Auf der Uhr von Roman Signer hat es längst Zwölfe geschlagen (12.20). Neuzuwachs: Bei Fischli & Weiss spriessen Pilze (Funghi 6, 2006). Mutter Erde blickt dem unflätigen Mann im Mond (2000) über die Schulter. Mit heiterer Farbenpracht empfängt Shirana Shabazi das Publikum (Untitled II-2012)... ...nach den geplatzten Festplänen (Eight, 2001).
Auf der Uhr von Roman Signer hat es längst Zwölfe geschlagen (12.20). Neuzuwachs: Bei Fischli & Weiss spriessen Pilze (Funghi 6, 2006). Mutter Erde blickt dem unflätigen Mann im Mond (2000) über die Schulter. Mit heiterer Farbenpracht empfängt Shirana Shabazi das Publikum (Untitled II-2012)... ...nach den geplatzten Festplänen (Eight, 2001).

Auf der Uhr von Roman Signer hat es längst Zwölfe geschlagen (12.20). Neuzuwachs: Bei Fischli & Weiss spriessen Pilze (Funghi 6, 2006). Mutter Erde blickt dem unflätigen Mann im Mond (2000) über die Schulter. Mit heiterer Farbenpracht empfängt Shirana Shabazi das Publikum (Untitled II-2012)... ...nach den geplatzten Festplänen (Eight, 2001).

Der Sammlung haben Herzog & de Meuron 2003 verdient eine neue, eine grössere Bühne gebaut. Wo man sich in Zürich im Letzten Jahr von David Chipperfield eine Betonkiste mit goldenen Riegeln hingestellt hat, lässt man in Aarau grün verglast Ein- und Durchblick zu. Die Deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» findet darin gar die «National Gallery des Landes», den «Louvre der Schweiz».

Ein Kompliment, das man in Aarau erfreut zwar, aber auch ein wenig widerwillig annimmt, sei man doch auf die Gegenwart, wenn nicht gar Zukunft mindestens ebenso bedacht. Wie um dies zu unterstreichen, steht denn auch das zweite Kapitel des Sammlungsjahres unter dem programmatischen Titel «Davor – Darin – Danach – Die Sammlung im Wandel».

Grüsse aus vergangenen Ausstellungen

Was der Titel befürchten liesse – einen kunsthistorischen Faden, auf dem die Kunstperlen der Sammlung ordentlich chronologisch aufgefädelt sind – ist es nicht geworden. Die Kuratorinnen Simona Ciuccio und Katrin Weilenmann schlagen stattdessen ein «lustvolles Schlendern» durch die Sammlung vor. Dafür braucht es Raum und Luft und den geben sie dem Publikum – und den Werken.

Das Fannieren beginnt im «Davor». Und dieses «Davor» liegt darunter, also im Untergeschoss. Ugo Rondinone hat hier die Wolken ins Regal gestellt. 64 Mal hat er die flüchtigen Gebilde aus Wachs geformt und wahrt sie nun säuberlich sortiert auf. Sein «Diary of Clouds» (2008) legt den poetischen, manchmal gar melancholischen Ton auf dieser Etage vor.

Ugo Rondinones «Diary of Clouds» (2008).

Ugo Rondinones «Diary of Clouds» (2008).

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Da sind kleine Enttäuschungen nach Abgesagten Geburtstagsfeiern, von Teresa Hubbard und Alexander Birchler mit «Eight» (2001) auf Film gebannt. Und existenzielle Fragen wie jene nach dem selbstbestimmten Sterben, von Valérie Favre bildstark auf 33 Leinwänden gemalt. Die Wolken aber, werden immer wieder auftauchen, sie sind Zeugen vergangener Ausstellungen, welche die Sammlung wachsen liessen.

Weiter als bis in die 1960er Jahre gehen die Kuratorinnen nicht zurück, eben, die Gegenwart halte genügend bereit. Der Ausschnitt, den die Ausstellung auch auf den anderen Etagen freilegt, zeigt gerade Mal ein Prozent der Sammlung.

Im Erdgeschoss, dem «Darin», hellt Shirana Shabazi mit einer farbgewaltigen Installation die Stimmung rasch auf. Da das Aargauer Kunsthaus nur die Analogfotografien, nicht aber die Wandmalerei besitzt, musste diese nachgereicht werden. Die Künstlerin schickte Blumen – Magnolien – als Ergänzung des Werks mit. Kunst ist selbst im Lager einer Sammlung, nicht statisch.

Wie archiviert man eine Leerstelle?

Und auch das Haus spricht mit. So lässt die Architektur von Herzog & de Meuron neue Formate, neue Ausmasse zu, sodass endlich auch Arbeiten einer Sylvie Fleury Platz bekommen. Oder dass man nach Anleitung von Urs Fischer Löcher in die Mauern reissen kann. Dass sich damit die Kuratorinnen plötzlich mit dem Versicherungswert einer Leerstelle auseinandersetzen müssen, ist wiederum eine andere Geschichte.

Mai-Thu Perrets Teekanne kann man betreten.

Mai-Thu Perrets Teekanne kann man betreten.

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Oben im «Danach» finden sich unter dem Oblicht dann weitere Wolken. Sie ballen sich im Glaskasten von Hugo Suter aus Plastikresten zusammen und schlagen Wurzeln wie bei Rothacher. Sie alle knüpfen an die Hausgeschichte an und an den Auftakt.

Die Besucherinnen und Besucher begegnen in Aarau alten Bekannten, der begehbaren Teekanne von Mai-Thu Perret etwa. Aber werden auch Werke entdecken, die selbst Stammgäste im Aargauer Kunsthaus noch nicht gesehen haben. Das letzte Wort hat damit Alex Hanimann. Seinem Schriftzug von 1999 gibt er einen neuen, bunten Anstrich, wenn er der Sammlung das Motto verkündet: «Was wirklich oder was vorstellbar ist. Was möglich scheint. Was nicht vorhanden, unsicher oder unwahrscheinlich ist.»

Das letzte Wort hat Alex Hanimann.

Das letzte Wort hat Alex Hanimann.

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Davor – Darin – Danach: 15.05.–07.08. Vernissage am 14.05. ab 17 Uhr, Aargauer Kunsthaus, Aarau

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