Herr Hilfiker, es zeichnet sich ab, dass das Projekt Alte Reithalle zu einem der grossen Themen in der Aarauer Budget-Debatte wird. Haben Sie das erwartet?

Hanspeter Hilfiker: Ja. Es gab immer schon sehr kritische Äusserungen zum zwischenzeitlich zehnjährigen Projekt. Darum ist es nicht erstaunlich, dass die Alte Reithalle jetzt in der Budget- und Investitionsdebatte ein Thema wird.

Macht es Sinn, dass das Volk im Winter über den Planungskredit von 1,2 Millionen Franken abstimmen kann?

Bei Projektierungskrediten ist vieles noch unklar. Darum ist es schwierig, sie dem Volk vorzulegen. Eigentlich hätte der Einwohnerrat die Kompetenz, den Projektierungskredit zu genehmigen oder die Planung zu stoppen. Sollte er den Entscheid an die Stimmbürger weitergeben, stellt sich die grundsätzliche Frage, was denn die Rolle des Einwohnerrates überhaupt sein soll.

Haben Sie Angst, dass die Alte Reithalle vorzeitig Schiffbruch erleidet?

Im Moment wird das Projekt kritisch hinterfragt. Die nächsten Monate werden zeigen, dass wir jetzt ein gutes Projekt haben, das realisierbar und realistisch ist.

Also befürchten Sie keinen Salle-Modulable-Effekt, wie es ihn mit dem Übungsabbruch in Luzern gegeben hat?

Grundsätzlich ist das immer möglich. Aber wir haben 2014 bereits redimensioniert. Wegen der Kosten. Aus dem Oxer wurde wieder die Alte Reithalle. Und die Tuchlaube bleibt als kleine Bühne und als Probebühne bestehen. Die grosse Reithalle wird nur noch dezent umgebaut, den Neubau bei den Stallungen gibt es nicht mehr. Kurz: Wir haben alles nochmals klar analysiert und legen jetzt etwas vor, das Hand und Fuss hat.

Was ginge Aarau verloren, wenn die «Alte Reithalle» nicht realisiert würde?

Wir bekämen keinen Konzertsaal. Und auch keine Theaterbühne, die über das Guckkasten-Niveau hinaus kommt, wie wir es heute in der Tuchlaube haben. Die Theaterszene ist in Veränderung: Es geht in Richtung von grösseren Produktionen, wie man sie in der Sommerbespielung der Reithalle sah. Mit den attraktiveren Vorführungen wird ein breiteres Publikum angesprochen.

Und sonst?

Mit der Alten Reithalle bekommen wir einen Raum, in dem bis zu 1200 Personen Platz haben. Den können wir auch für weitere private Veranstaltungen, für kleinere Messen oder Generalversammlungen nutzen. Und als Nebeneffekt würde das KUK von den grossen Kulturveranstaltungen entlastet. Als Folge könnte die kommerzielle Nutzung des KUK als Kongresshaus forciert werden – was sich für die Stadt auszahlen würde.

Was genau ist der jetzige Stand der Projektierung?

Das Vorprojekt ist fertig. Die Steuerungsgruppe hat den Bericht über bauliche und betriebliche Fragen abgegeben. Der Stadt- und der Regierungsrat werden jetzt parallel über das Vorprojekt entscheiden.

Wie hoch werden die Investitionskosten sein?

Wir gehen von 1,2 Millionen Franken Projektierungskosten aus. Und wir erwarten danach einen Baukredit in der Grössenordnung von 18,5 Millionen Franken.

Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat im Mai drei Millionen Franken in Aussicht gestellt. Wie viel Geld muss zusätzlich noch von privaten Sponsoren beigesteuert werden?

Unser Ziel ist es, fünf Millionen Franken Drittmittel zu organisieren. Wir haben neben der AKB noch keine konkreten Zusagen. Wir können nicht Geld sammeln, bevor nicht mindestens die Projektierung freigegeben ist. Das Ziel ist es, bei Projektierungsende auch die Finanzierung gesichert zu haben. Es dürften auch Mittel der Denkmalpflege fliessen.

Es hiess stets, der städtische Betriebsbeitrag an die Alte Reithalle dürfe den Gesamtbetrag, den die Stadt bisher im Theaterbereich ausgegeben hat, nicht übersteigen. Gilt das noch?

Das hat der Stadtrat als Rahmenbedingung vorgegeben. Der Betriebsbericht, den Hanspeter Thür im Rahmen der Vorprojektierung ausgearbeitet hat, zeigt, dass diese Bedingung erfüllbar ist. Die Stadt gibt Betriebs- und Produktionsbeiträge. Wir gehen davon aus, das die Stadt 530'000 Franken ans Betriebsbudget beisteuern muss. Der Bericht Läuchli hat das seinerzeit als unterste Grenze bezeichnet. Wir profitieren aber nun davon, dass wir eine massgebliche Betriebsanpassung vorgenommen haben. Die Reithalle ist kein eigenständiges Theater mehr, sondern sie ist – wie das schon heute der Fall ist – der Tuchlaube angegliedert.

Wann wird die Alte Reithalle eröffnet?

Die Kantonalbank gibt uns die drei Millionen Franken nur, wenn wir bis Ende 2019 mit dem Bau beginnen. Dann dürfte es etwa anderthalb Jahre dauern. Spätestens 2021 könnte die Alte Reithalle den Betreib aufnehmen. Vielleicht schon 2020. Wenn alles gut läuft, werden wir den Baukredit bereits Ende 2017 dem Volk zur Genehmigung vorlegen.