Während am Mittwoch im ganzen Land die Sirenen Probe heulten, stand das freischaffende Künstlerpaar mit dem Namen «insieme» vor dem Aarauer Regierungsgebäude und trommelte. Christa Hunziker und Roland Hächler übertönen die Sirenen zwar nicht, dennoch lockten sie Schaulustige an. Die Idee war, dass die Leute zu Trommeln, Rasseln oder Küchengeschirr griffen und gemeinsam muszierten. Letztlich machte aber lediglich ein Bildhauer aus Gretzenbach mit.

Mit ihrer Kunstaktion riefen Christa Hunziker und Roland Hächler die Leute zum Urnengang am 28. Februar und im Speziellen zur Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative auf. Das Manifest, welches das Paar an sein Publikum verteilte, ist unmissverständlich: «Wir fordern einen demokratischen Rechtsstaat mit einer klaren dreiteiligen Gewaltentrennung, der Ethik, Kreativität und Integrität verkörpert.»

«Rufende Trommeln»

Mit dieser Aktion vor dem Regierungsgebäude in Aarau riefen Roland Hächler und Christa Hunziker am Mittwoch zur Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative auf.



Künstler hätten die Verantwortung, sich auch mit politischen und wirtschaftlichen Themen zu befassen, finden die beiden. Ihre Aufgabe sei es nicht, nur schöne Werke anzufertigen und zu verkaufen, sondern die Gesellschaft für aktuelle Themen zu sensibilisieren. «Wer schweigt, ist einverstanden.»

Marco Zappa feierte CD-Taufe

Das Künstlerpaar kehrte kürzlich aus dem Tessin nach Kölliken zurück. Während vier Jahren führte es im Centovalli die Osteria Grütli. Christa Hunziker und Roland Hächler verstanden diese Jahre als begrenztes Künstlerprojekt, das sie unter den Titel «dove l’arte è viva» (wo Kunst gelebt wird) stellten.

Auf eine gewisse Weise war das «Grütli» ihre künstlerische Spielwiese: Sie verwandelten die Gaststube in eine Künstlerbühne, zauberten aus Antipasti Kunstwerke und reflektierten in der Ausstellung «Centvai» im Regionalmuseum die Geschichte des Tals.

Dazu suchten sie über 100 Erdarten und Steine, die sie zu Farbpigmenten verarbeiteten und daraus Kunstwerke entstehen liessen. Sie produzierten Videoinstallationen gesprochener Dialekte und Sprichwörter und erzählten mit Glocken oder dem uralten Instrument Maultrommel musikalische Geschichten aus dem Centovalli.

Am Anfang seien sie von den Talbewohnern belächelt worden, weil sie Deutschschweizer und Künstler waren und Kunstschaffende aus aller Welt beherbergten, sagen Christa Hunziker und Roland Hächler. «Wir konnten kaum italienisch, waren die Fremden.»

Doch das änderte sich bald: Die Talbewohner kamen zum Apéro ins «Grütli», manchmal morgens manchmal auch abends. Sie fanden es toll, sich an den einzigen, grossen Tisch zu setzen und den Deutschweizern den Centovalli-Dialekt zu lehren. «In der Osteria schufen wir eine Begegnungsstätte, eine Plattform für Künstler.»

Musik mit Gämshörnern

Nachts, wenn Christa Hunziker und Roland Hächler noch alleine am grossen Beizentisch sassen, griffen sie oft zur Gitarre und bespielten den Tag. Aus diesen besonderen Stimmungen entstanden die Musikstücke für ihre neue CD «nostrano». «Natürlich stiessen wir mit unserem Kunstprojekt im Tessin an unseren Grenzen», sagt das Paar.

«Gridone» – Komposition für vier Gämshörner des Künstlerpaars «insieme»

Die Komposition nimmt Bezug auf den gleichnamigen Berg im Centovalli, der vier Jahre lang Hausberg des Paars war.



Als einziger Rückzugsmöglichkeiten hatten die zwei ein Zimmerchen, «gross genug, um zu uns zu kommen und neue Inspiration zu finden,» sagen Christa Hunziker und Roland Hächler. Hätte die Osteria an der Beziehung der beiden genagt, hätten sie sofort den Schlüssel zum «Grütli» umgedreht und wären nach Hause gegangen.

Für das Paar spielt das Miteinander auch in der Zukunft eine zentrale Rolle: «Wir erschaffen gemeinsam Werke. Es ist unwichtig, von wem was kommt. Wichtig ist, dass unsere Kunst nachhaltig wirkt.» Und wichtig sei es, sich als Paar über die Kunst zu ergänzen und zu spiegeln.