Künstlerin
Unterkulmerin schafft es ins internationale Jahrbuch für zeitgenössische Kunst: «Ich dachte zuerst, es sei ein Scherz»

Seit drei Jahren postet Alexandra Hediger ihre Bilder auf Instagram. Nun wurde eine Kunstinstitution aus Madrid auf sie aufmerksam. Viele ihrer Bilder handeln von den schwierigen Seiten des Lebens.

Zara Zatti
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Alexandra Hediger mit ihrem Lieblingsbild «In den eigenen Gefühlen gefangen».

Alexandra Hediger mit ihrem Lieblingsbild «In den eigenen Gefühlen gefangen».

Zara Zatti

«Jedes Bild präsentiert eine Geschichte von mir», sagt Alexandra Hediger. Seit drei Jahren zeigt die 36-jährige Künstlerin aus Unterkulm ihre Bilder auf Instagram. 5000 Follower hat sie dort, für ein Bild erhält sie um die 400 Likes. Die meisten ihrer Bilder sind bunt, gemalt mit Acryl- oder Aquarellfarben. Andere sind schwarz-weiss, düster und mit Bleistift gemalt. Ob bunt oder grau, eines wird schnell klar: Hinter vielen Bildern verbirgt sich eine Geschichte mit viel Schmerz.

Da liegt zum Beispiel eine Frau in einem Spitalbett, der Blick starr in die Luft, dicke Schläuche bohren sich in den Körper und hinterlassen blutige Wunden. Alexandra hat eine Gerinnungsstörung, das führte zu mehreren Lungenembolien und fast zwei Liter Wasser in ihrer Lunge. Die Erfahrung verarbeitet sie in Bildern: «Es hilft mir, mit den schwierigen Seiten des Lebens klarzukommen», sagt sie. Wenn sie malt, dann sei sie wie in einem Rausch, vergesse alles um sich herum.

Das Gute sehen und weitermachen

Dieses Jahr im September bekam Alexandra eine Nachricht auf Instagram. Ein Kunstexperten-Team vom «Fine Arts Circle» aus Madrid hat sie für das Jahrbuch zeitgenössischer Kunst ausgewählt. Zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt werden ihre Bilder im Buch gezeigt. «Ich dachte zuerst, es sei ein Scherz.» Das war es nicht. Das Buch wurde im Oktober in Madrid vor Kuratoren, Galeristen und Kunstsammlern vorgestellt. Mit der Unterstützung der Verlagsgruppe Vision Net wird das Buch in der spanischen Nationalbibliothek katalogisiert.

Den Weg in die Kunst hat Alexandra in ihrer Jugend durch die Porträtfotografie gefunden. «Im Laufe der Zeit tauschte ich die Kamera gegen Pinsel, Stift und Leinwand.» Das Porträtieren – vor allem von sich selbst – blieb. «Die Kunst hilft mir dabei, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist, und darin Glück und Erfüllung zu finden.» Auch falle es ihr leichter, durch ihre Bilder zu sprechen als mit Worten.

Warum genau ihre Bilder für das Jahrbuch ausgewählt wurden, kann sie nicht sagen. Sie kann sich aber vorstellen, dass sich Menschen, die eine schwere Zeit durchleben, von ihrer Kunst angesprochen fühlen. «Mit meinen Bildern möchte ich dazu bewegen, uns Menschen als Individuen zu sehen, welche verschiedene Aspekte in sich zu einem Ganzen vereinen.» Jeder habe seinen Rucksack zu tragen, gefüllt mit Positivem und Negativem. «Dies zu akzeptieren, das Gute zu sehen und weiterzugehen, das ist das Ziel.»

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