1997 richtete der Kunstmaler Walter Müller sein Atelier im alten Schützenhaus im Scheibenschachen ein. Die Ortsbürgergemeinde garantierte ihm, dass er zwei Jahre bleiben könne. Beinahe 20 sind daraus geworden. Nun muss der 64-Jährige sein Atelier räumen. Ab dem 28. Mai stellt er sein Wirken der letzten Jahre in Aarau aus.

«Herein, einfach die Treppe hoch», klingt die Stimme dumpf durch die hölzerne Türe. Mit dunklem Holz ist der Innenraum des Schützenhauses ausgekleidet. Der modrige Geruch des Treppenläufers erfüllt das Stiegenhaus. Im oberen Stock befindet sich ein helles Stübchen. Durch eine Türe gelangt man in ein weiteres Mansardenzimmer mit zwei Dachfenstern. An den Wänden lehnen und hängen Bilder. Auf Augenhöhe sind Telefonnummern an die Wand gekritzelt, unter der Decke prangen schmucke Schützen-Sprüche. Ein Freigeist sieht sich hier mit traditioneller Schützenvereinskultur konfrontiert.

Als 12-Jähriger ist Müller selber im Schützenhaus ein- und aus gegangen. Im Rahmen des obligatorischen Kadettenunterrichts übte Müller das Schiessen. Damals gefiel ihm die Schiesserei nicht und noch heute kann der Künstler nichts damit anfangen.

Zeitweise wurde das Geld knapp. Doch Müller fand eine Lösung mit der Eigentümerin: «Jedes Jahr gab ich den Behörden, statt Miete zu zahlen, einige meiner Bilder. Das war ein fairer Deal», erinnert sich Müller.

Kaffee statt Kunst

Nun baut die Ortsbürgergemeinde das Schützenhaus um. Es wird zu einem Quartierbistro umfunktioniert. Der Künstler wird sein Atelier in seine Wohnung verlegen müssen.

In seinen Bildern verarbeitet der Aarauer die momentane Flüchtlingskrise und den Tod seiner Frau. Bahnhöfe treten in seinen Gemälden oft als Symbol der Ankunft in Erscheinung.

Nun präsentiert er 35 Malereien, die in den vergangenen acht Jahren entstanden sind. Die Ausstellung findet in der «Neuen Galerie 6» an der Milchgasse in Aarau statt.

Walter Müllers Bilder sind vom 28. Mai bis zum 25. Juni in der «Neuen Galerie 6» in Aarau zu sehen. Die Vernissage findet am 28. Mai um 17.30 Uhr statt.